Handlungsfeld 2: Barrierefreiheit als Chance zum längeren Verbleib im selbstbestimmten Wohnraum. Seniorenund Pflegewohngemeinschaft im Quartier

Die Forschung (z. B. Geister 2011) und eigene Beobachtungen (Kallfaß 2011) machten deutlich, dass Auszüge Älterer aus ihren Wohnungen in Formen betreuten Wohnens oder in Pflegeheime meistenteils mit gesundheitlichen und körperlichen Zustandsverschlechterungen zusammenhingen, die, angesichts der baulichen Barrieren in den Wohnungen, dazu führten, dass die Bewohner die Wohnung oder das Haus nicht mehr aus eigener Kraft verlassen konnten.

Die Wohnungen des Bauund Sparvereins eG lassen sich allerdings nur begrenzt baulich seniorengerecht gestalten. Barrierefreiheit im umfassenden Sinne lässt sich nur in ganz wenigen Gebäuden herstellen. Daher konzentrierte sich der Bauund Sparverein eG auf das Thema, in neuen Gebäuden Wohnraum für betreute Seniorenwohngemeinschaften anzubieten. Im Projektzeitraum wurde eine solche Seniorenund Pflegewohngemeinschaft im Quartier mit sechs Appartements, einem gemeinsamen Wohnzimmer und einer gemeinsamen Küche gebaut und bezogen. Obwohl sie mitten im Quartier gelegen ist, ein Umzug dorthin ohne Verlust des sozialen Rahmens möglich ist und der Vermieter derselbe bleibt, erwies es sich zunächst als schwierig, die Wohngemeinschaft aus dem Quartier heraus zu belegen. Erst im dritten Jahr ihrer Existenz hat das Interesse an einem Appartement in der Wohngemeinschaft zugenommen. Ursächlich für das enttäuschend geringe Interesse waren wohl die erhöhten Kosten, aber auch die Tatsache, dass die in der Wohngemeinschaft erhältliche Pflege durch ambulante Dienste sich von der in der bisherigen Wohnung letztendlich nicht unterscheidet.

Konzeptionell stand hinter der Seniorenund Pflegewohngemeinschaft im Quartier auch der Gedanke, dass vor allem weniger mobile Ältere in ihren eigenen Wohnungen vereinsamen könnten. Diese Begründung ließen die von den Patinnen befragten Personen jedoch nicht gelten. Einsamkeit sei für sie kein Motiv. Hier könnte die Tatsache, dass das Quartier Galgenhalde sich tatsächlich in der abschließenden Untersuchung als ein Quartier erwies, in dem Nachbarschaft stärker gepflegt zu werden scheint als in anderen Sozialräumen, eine Rolle gespielt haben. Rückblickend kann dennoch gesagt werden, dass nach einer geringen „Gewöhnungszeit“ das Selbstverständnis der Älteren im Wohnquartier aus der eigenen Wohnung in eine Wohngemeinschaft in der Nachbarschaft umzuziehen, gewachsen ist.

 
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