Kategorie 7: Weitere Chancen (oder auch Risiken) im Zusammenhang mit der Versorgung älterer Menschen durch Familienangehörige in unmittelbarer Nachbarschaft

Möglichkeit des allmählichen „Hineinwachsens“ in die Rolle der Pflegenden

Wie bereits erläutert wurde, war bei den Befragten die Unterstützung der Generationen kein erkennbares Hauptmotiv für den Zusammenzug der Generationen innerhalb des Wohnquartiers Galgenhalde. Vor dem Hintergrund der im Laufe der Jahre veränderten Lebensumstände bei den Älteren und deren zunehmenden Einschränkungen jedoch zeigte sich, dass die sich daraus entstehenden Bedarfe in unterschiedlichem Ausmaß von der jüngeren Generation im Rahmen ihrer Möglichkeiten erbracht wurden.

Da Hilfe zunächst häufig nur punktuell oder sporadisch notwendig wird und sie durch die räumliche Nähe organisatorisch oft mit geringem Aufwand erbracht werden kann, gibt dies oftmals Gelegenheit, in die Rolle als Unterstützungserbringer langsam hineinzuwachsen. Ein Teil der interviewten Familienmitglieder erbrachten in den vergangenen Jahren eine zunehmende bis sehr intensive Pflege eines Elternteils. Anhand der Aussagen dieser Personen zeigte sich teilweise, dass nur das allmähliche „Hineinwachsen“ in die Pflege und die räumliche Nähe die familiäre Übernahme dieser pflegeintensiven Phase und somit auch den Verbleib der unterstützungsbedürftigen Personen ermöglicht haben.

Anhand der nachfolgend ausgewählten Interviewpassagen soll der Aspekt des Wandels der Unterstützungsbedürftigkeit im Rahmen der einzelnen Konstellationen verdeutlicht werden. Auch wird dargestellt, wie die unterstützenden Familienangehörigen nach und nach die Rolle des Unterstützers übernehmen beziehungsweise in diese Rolle „hineinwachsen“ können.

,, Ja schon so, dass, wenn die Eltern dann die Hilfe brauchen von mir, dass ich nicht weit weg bin. Des war schon der Hintergedanke.“ (Fall 5)

,, Mir warn Tag und Nacht da, mir ham ne Glocke gehabt. Die Mama isch ja letztes Jahr gestorben.“ (Fall 5)

,, Ich geh ja zur Arbeit und der Papa, der kommt mittags zu meim Mann rüber, der tut essen, hier, jeden Tag kriegt er frisch gekocht. Ich mach die Wäsche, viel macht er au no selber. Aber er braucht halt Hilfe. Irgendwo braucht er des ….“ (Fall 5)

,,Und diese Pflegebedürftigkeit, die ist ja erst gekommen. Solang sie laufen konnte, war das ja auch net notwendig. Ich hab gewusst, sie sieht schlecht, no nimm i se halt an die Hand und geht halt mit ihr zum Doktor. Des merken Sie erscht im Lauf der Zeit, wenn Sie merken, da funktioniert des und sell net.“ (Fall 1)

,, Nee, nee, ich hab schon geholfen beim Saubermachen, das hat alles schon nicht mehr funktioniert. Beim Einkaufen oder hab se zum Friseur gebracht, weil die isch dann nachher … wissen Sie, da machen Sie Entdeckungen, da denken Sie, bin ich jetzt meschugge oder sind's andere. Ich hab se dann praktisch bis zum Mittelöschplatz rüberbegleitet, einfach vom Sehen her.“ (Fall 1)

Ja. Ab und zu isch se auch mal bei ihrem Lebensgefährten und denn isch se wieder da. Je nachdem. Wenn sie da isch, dann tun mir sie verköschtigen. Und ihr Wäsche und so was sowieso. Und das funktioniert gut. Und noch isch se gut beieinander. Klar, sie kann verschiedene Sachen einfach nimmer machen, altersbedingt, sie wird jetzt 85.“ (Fall 2)

[…] Also meine Mutter wurde letztes Jahr 80 und er kürzlich. Und danach ging's kontinuierlich bergab. Also, am 12. isch er dann eingeschlafen. Meine Mutter isch in dem Sinn unterstützungsbedürftig, dass sie … sie macht vieles alleine, versucht's auch, auch wenn's ihr schwerfällt, aber grad jetzt so Ämtergänge oder so oder Rezepte vom Arzt holen, das mach dann ich. Da hilft auch mein Bruder. Und des klappt eigentlich so ganz gut.“ (Fall 4)

Manchmal ist's auch fast jeden Tag. Entweder kommt sie. Oder ich geh schnell mal so vorbei, wie heute. Aber manchmal vergeht wirklich die ganze Woche, bis ich da mal hingeh.“ (Fall 3, Position 30) „Im Moment wieder nich. Sie hat sich wieder so erholt, dass sie alles alleine kann.“ (Fall 3, Position 31) „Ja, klar, jeden Tag. Und da ist sie ja auch draußen. Das macht se schon noch. Oder schon wieder. Hat sie ja die eine Zeit lang nicht gemacht. Und denn ma gucken.“ (Fall 3)

Am Anfang gab's ja noch beide. Dass die Mama da jetzt allein lebt, des isch ja jetzt noch nicht ewig so. Und ich empfind des immer noch angenehm. Es isch jetzt zwar grad an so nem Punkt, wo's in die andere Richtung schlägt. Dann ist es eher Betreuung. (Fall 5, Position 16) Wobei ich mich da aber auch nicht an vorderster Front sehe, weil sie ja vier Kinder hat […] Weil, des isch noch in so nem Rahmen, der isch völlig zu bewältigen.“ (Fall 5)

Interviewer: Haben Sie da damals irgendwie vielleicht so sich Gedanken gemacht, wie es sein könnte, wenn Ihre Mutter älter wird? Respondent: Ja, des denken mir uns schon. Jetzt au. Mir wollen uns vielleicht was kaufe, Eigentum oder so, und klar, da denk i schon, was isch dann mit meiner Mutter. Jetzt hab ich's einfach. Jetzt geh ich rüber und guck nach der. Nachher – es wär scho gschickt, wenn i hier irgendwo ne Wohnung finde tät. Das isch dann scho eifacher für uns.“ (Fall 8)

 
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