Inwiefern gleichen bzw. unterscheiden sich die Bewohner der beiden Wohngebiete inihren normativen Haltungen bezogen auf Nachbarschaft und Nachbarschaftlichkeit?

Um diese Forschungsfrage zu beantworten werden verschiedene, in der Befragung erhobene Perspektiven, die auf eine unterschiedliche normative Haltung der Respondenten der Galgenhalde und der anderen Wohngebiete hinweisen, zusammengestellt.

Auch um die grundsätzliche Einstellung gegenüber einer sich helfenden Nachbarschaft abzufragen, wurde das Statement „Die Menschen in unserem Haus helfen sich gegenseitig“ zur Bewertung gestellt. Es zeigen sich zwischen dem Antwortverhalten der Respondenten aus den Gebieten der Galgenhalde und anderen Wohngebieten des Bauund Sparverein eG deutliche Unterschiede. In der Galgenhalde bewerten 72,2 % der Respondenten die Aussage als „Zutreffend“. In den anderen Wohngebieten gaben dies 57 % der Antwortenden an. Diese Unterschiede zwischen den beiden Bereichen Galgenhalde und weitere Wohngebiete sind signifikant.

Auch die Bewertung des Statements: „Die Menschen in unserem Haus halten zusammen“ zielt auf die Abbildung einer grundsätzlichen Haltung und Einstellung der Mieter ab. Auch hier gibt es deutliche Unterschiede im Antwortverhalten der Respondenten. So halten in der Galgenhalde 59 % der Bewohner die Aussage für zutreffend, während in den anderen Wohngebieten diesem Statement nur 44,6 % der Antwortenden zustimmten. Statistisch sind auch diese Ergebnisse mit p = 0.009 signifikant.

Dass in der Galgenhalde 66,9 % der Antwortenden angeben, dass es zutreffend sei, dass sie den Menschen, die in ihrem Haus leben, vertrauen, weist ebenso darauf hin, dass die nachbarschaftliche Gemeinschaft sich kennt und Werte und Normen zu teilen scheint. Die Respondenten der weiteren Wohngebiete stimmen diesem Statement anteilig um rund 10 % weniger zu (56,8 %). Das zeigt, dass es auf der Ebene des Vertrauens ebenso eine Diskrepanz zwischen den Wohngebieten gibt. Dieser Unterschied zwischen den Gruppen verfehlt allerdings knapp die Signifikanzgrenze. Differenziert man das Antwortverhalten der Respondenten der Galgenhalde weiter, so wird deutlich, dass dort, wo Hauspatinnen aktiv sind, das Vertrauen im Haus höher eingeschätzt wird. Die Unterschiede zwischen den Häusern mit und ohne Hauspatinnen sind deutlich ablesbar: 80 % der Respondenten, die in einem Haus leben, in dem eine Hauspatin aktiv ist, stimmen dem Statement „Ich kann den Menschen in unserem Haus vertrauen“ zu. In Häusern, in denen keine Hauspatin aktiv ist, stimmen hingegen nur 60,5 % zu. Die Unterschiede zwischen den Gruppen sind signifikant mit p = 0.032.

Das Statement „Die Menschen in unserem Haus anerkennen gemeinsame Regeln (zum Beispiel Hausordnung)“ haben insgesamt 57,3 % der Gesamtstichprobe als zutreffend bezeichnet. In der Galgenhalde stimmten 64,6 % der teilnehmenden Bewohner zu, dass die Menschen im Haus gemeinsame Regeln anerkennen. In den anderen Wohngebieten waren es 54,2 %. Dieser Unterschied zwischen den beiden Vergleichsstrichproben ist statistisch noch signifikant ( p = 0.049).

Interpretiert man die Ergebnisse, wird deutlich, dass sich die Respondenten der Wohngebiete in ihrer grundsätzlichen Haltung gegenüber Personengruppen nicht signifikant voneinander unterscheiden. Unterschiede zeigen sich hingegen in den Fragen, die sich direkt auf die tatsächlichen Nachbarn im Haus beziehen. In der Wahrnehmung des direkten Umfelds in Fragen des gegenseitigen Vertrauens, des Zusammenhalts, der gegenseitigen Hilfe und auch der Einhaltung gemeinsamer Regeln wird deutlich, dass hier die Respondenten der Galgenhalde, verstärkter noch die Respondenten der Galgenhalde, in deren Haus eine Hauspatin aktiv ist, tendenziell eher auf dieselben normativen Haltungen zurückgreifen als die Respondenten der weiteren Wohngebiete.

 
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