Wird in der Galgenhalde unter Nachbarn mehr praktische soziale Unterstützung geleistet als in den weiteren unbegleiteten Wohngebieten?

Subjektiv empfinden 61,6 % aller Respondenten, dass sich „die Menschen in ihrem Haus gegenseitig helfen“. Dabei zeigen sich zwischen den Gebieten Galgenhalde und anderen Wohngebieten des Bauund Sparverein eG signifikante Unterschiede ( p = 0.003.). In der Galgenhalde bewerten 72,2 % der Respondenten die Aussage, dass sich „die Menschen in ihrem Haus gegenseitig helfen“ als „Zutreffend“. In den anderen Wohngebieten waren es dagegen mit 57,0 % der Antwortenden deutlich weniger. Differenziert man das Antwortverhalten der Respondenten der Galgenhalde weiter, so wird deutlich, dass die Einschätzung der Bereitschaft zur gegenseitigen Hilfe im Haus in Häusern mit Hauspatinnen etwas höher ist als in Häusern, in denen keine Hauspatin aktiv ist (80,5 % gegenüber 68,2 %). Dieser Unterschied ist jedoch nicht signifikant.

Auch das Antwortverhalten auf den Fragekomplex, der sich mit dem tatsächlichen derzeitigen Erhalt von Hilfe durch Menschen aus dem Haus oder dem Wohngebiet beschäftigt, verdeutlicht, dass Personen, die Bedarf an Hilfeleistungen verschiedener Bereiche[1] haben und im Wohnquartier Galgenhalde leben, anteilig in den meisten Bereichen häufiger Hilfe erhalten als Personen aus anderen Wohngebieten des Bauund Sparverein eG.

Diese zum Ende der Entwicklungsphase durchgeführte vergleichende Untersuchung hat gezeigt, dass die Bemühungen aller Akteure im Rahmen des Projekts, die Nachbarschaft und Nachbarschaftlichkeit zum Gesprächsgegenstand zu machen und durch gezielte Aktivitäten praktisch zu fördern, ihre Wirkung bei den Mietern im Wohnquartier Galgenhalde gezeigt hat.

In verschiedenen Bereichen des täglichen Lebens, vor allem aber auch im Bereich der Haltung, der Einstellung und das subjektive Empfinden der Mieter ist Nachbarschaft in der Galgenhalde zu einem stärkenden Element geworden.

Die quantitative Abschlussforschung, die parallel in der Galgenhalde und den weiteren Wohnquartieren des Bauund Sparverein eG durchgeführt wurde, belegt deutlich, dass gerade im Vergleich zu den Mietern der weiteren Wohnquartieren des Bauund Sparverein eG, die als Vergleichsgruppe herangezogen wurden, die über die Jahre praktizierte Gemeinwesenarbeit zu einem intensiveren Austausch unter den Bewohnern, zu einem Mehr an gegenseitigem Interesse aneinander und gegebenenfalls auch zu einem häufigeren und intensiveren Kennen der Nachbarn innerhalb des begleiteten Wohnquartiers Galgenhalde geführt hat. In der Folge trugen, im Vergleich zur Kontrollgruppe, die innerhalb des Prozesses initiierten Aktivitäten zu einer grundlegenden vertrauten positiven Atmosphäre im Wohnquartier bei, welche vielgestaltig auf den Umgang im Alltag, die Verbundenheit mit dem Wohnquartier und sicher auch auf die gelebte gegenseitige Unterstützung wirkt. Auch zeigten die Ergebnisse, dass für Menschen mit Migrationshintergrund und ältere Menschen die Gemeinwesenarbeit im Quartier Galgenhalde eine besonders integrative Wirkung zu haben scheint; denn diese Personengruppen bewerten, im Vergleich zu den entsprechenden Personen aus der Kontrollgruppe, Faktoren, die als Maßstab für Teilhabe am Gemeinwesen herangezogen werden können, teilweise signifikant häufiger als zutreffend.

Deutlich wurde, dass die hier im Projekt eingesetzte intensive hausbezogene nachbarschaftsorientierte Gemeinwesenarbeit (vor allem die Installation von Hauspatinnen) die Haltung, die Einstellung und das subjektive Empfinden der gesamten Bewohnerschaft der Galgenhalde zu den fokussierten Themenbereichen positiv beeinflusst hat.

Von weiterem Interesse war allerdings, inwieweit sich die „Nachbarschaftlichkeit“ innerhalb der Galgenhalde zwischen den Bewohnern von Häusern, in denen direkt die sogenannten Hauspatinnen aktiv sind und leben, von den Bewohnern, in deren Wohnhäuser keine Hauspatinnen leben und aktiv sind, unterscheidet. Den Ergebnissen nach zu urteilen kann diese intensive Begleitung durch Hauspatinnen als eine positiv auf Nachbarschaftlichkeit wirkende „Stellschraube“ identifiziert werden. Das Wirken der hier eingesetzten Frauen als Hauspatinnen hat zumindest das subjektive Empfinden der Respondenten im Blick auf verschieden Aspekte der Nachbarschaft und des Zusammenlebens merklich positiv beeinflusst.

Berücksichtigt man die in weiteren Forschungen dargestellten Zusammenhänge von Wohlbefinden und Sozialkapital sowie Wohlbefinden und Sozialzeiteinsatz, dann wird deutlich, dass in der Galgenhalde der Grundstein für nachbarschaftliche Gegenseitigkeit gelegt werden konnte.

Vera Kallfaß-de Frênes Bachelor Soziologie und Gender Studies Universität Konstanz, Master Empirische Politikund Sozialforschung Universität Stuttgart. Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Steinbeis Innovationszentrum Sozialplanung, Qualifizierung und Innovation, Meersburg.

Barbara Weber-Fiori Bachelor Soziale Arbeit, Master Gesundheitsförderung Hochschule Ravensburg-Weingarten. Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Angewandte Forschung der Hochschule Ravensburg-Weingarten.

  • [1] Die abgefragten Bereiche umfassen: Hilfen in Form von Tipps, Informationen, Ratschlägen; praktische Hilfen im Alltag, emotionale Hilfen; Versorgung im Krankheitsfall; Hilfe bei der Pflege.
 
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