Methodischer Zugang zum Thema und Feld

Als systematischer Ausgangspunkt zur thematischen Vorbereitung bedienten wir uns vorerst am TAB Bericht (2008). Die Literaturrecherche wurde fortgesetzt, intensiviert und thematisch differenzierter. Aus diesen ersten Schritten resultierte ein 24-seitiges Konzeptpapier, in welchem wir unseren thematischen Schwerpunkt bzw. unser Forschungsinteresse im Rahmen unserer Exploration formulierten. Bei dem vorliegenden Forschungsprojekt sind wir methodisch explorativ bzw. qualitativ vorgegangen. Das explorative Vorgehen lässt sich dahingehend begründen, dass das angestrebte thematische Feld in der vorliegenden Kombination unberührt ist. Gerade die Verbindung bzw. der Zusammenhang zwischen der Individualisierten Medizin und der Gendermedizin wurde bis jetzt noch nicht thematisiert. Um ein möglich breites Spektrum der Thematik zu erfassen, sind leitfadengestützte Experteninterviews ein geeignetes Instrument.

Die Methodik soll im Weiteren theoretisch besprochen und für unser Anliegen begründet werden. Die ausgewählte Thematik benötigt spezielles Wissen, welches nicht dem Alltag entnommen werden kann. In unserem Fall soll Wissen exploriert werden. Wer kommt also als Experte in Frage? „Experten in dem Sinne sind Angehörige einer Funktionselite, die über besonderes Wissen verfügen. Die naheliegenden Interpretationen des Begriffs „Experteninterviews“ wäre deshalb die des Interviews mit Angehörigen solcher Eliten, die aufgrund ihrer Position über besondere Informationen verfügen“ (Gläser & Laudel 2009, S. 11). Nicht die Person steht im Vordergrund der Erhebung, sondern der Experte, welcher durch die interviewte Person repräsentiert wird.

Denn der „(...) Experte verfügt über technisches Prozess- und Deutungswissen, das sich auf sein spezifisches professionelles oder berufliches Handlungsfeld bezieht. Insofern besteht das Expertenwissen nicht allein aus systematisiertem, reflexiv zugänglichem Fachoder Handlungswissen, sondern es weist zu großen Teilen den Charakter von Praxisoder Handlungswissen auf, in das verschiedene und durchaus disparate Handlungsmaximen und individuellen Entscheidungsregeln, kollektive Orientierungen und soziale Deutungsmuster einfließen. (…) Indem das Wissen des Experten praxiswirksam wird, strukturiert es die Handlungsbedingungen andere Akteure in seinem Aktionsfeld in relevanter Weise mit“ (Bogner/Menz 2002, S. 46).

Prinzipiell können durch das Experteninterview mehrere Zielsetzungen unterschieden werden. Wir wählten die Methodik des Experteninterviews, um unser Untersuchungsfeld zu explorieren und um das Feld zu strukturieren (vgl. ebd., S. 37). Das Experteninterview eignet sich als eigenständiges Verfahren mit dem Ziel, das Wissen der unterschiedlichen Institutionen zu vergleichen (vgl. Flick 2009, S. 217). Im Falle unseres Projekts liegt hierbei das Hauptaugenmerk, denn unser Anliegen ist es, einen interdisziplinären Zugang auf die Problematik der

„geschlechtsspezifischen Prävention des Typ-2-Diabetes im Kontext der Individualisierten Medizin“ zu erlangen. Das Projektanliegen benötigt Spezialwissen auf mehreren Fachgebieten. Es wird Wissen des Fachgebiets der Diabetolgie, der Gendermedizin sowie Expertenwissen auf dem Gebiet der Präventionsforschung und der Individualisierten Medizin benötigt.

Die Projektgrundlage wird durch das erarbeite Konzept, welches die Sex- und Gender-Theorie, das biopsychosoziale Modell, den Setting-Ansatz, die Diskussion von Canguilhem über „das Pathologische und das Normale“ in der Medizin und die Epidemiologie des Diabetes sowie den Feldaufenthalt während der Tagung in Greifswald umfasst, gebildet. Diese Theorien und Beobachtungen bilden einen Perspektivenverbund, um das spezifische Thema der Individualisierten Medizin interdisziplinär bzw. soziologisch zu erfassen. Die Individualisierte Medizin ist ein überkomplexes Gebiet. Das Ansetzen von bloß einer Theorie würde zu einem Perspektivenreduktionismus in Bezug auf unser Forschungsinteresse „geschlechtsspezifische Prävention des Typ-2-Diabetes im Kontext der Individualisierten Medizin“ führen.

 
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