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3.1 Feldzugang und Aufenthalt in Greifswald während der Tagung

Der Feldaufenthalt in Greifswald im Rahmen der dreitägigen Tagung „Gender Aspekte in der individualisierten Medizin“ diente dem Zweck, die aktuellen Fachdiskussionen zu verfolgen und weitere Eindrücke zu sammeln. Im Vordergrund standen das Thema der Individualisierten Medizin und Gendermedizin, durch unstrukturierte Gespräche und Teilnahme an den Vorträgen zu erfassen. Ein weiteres Ziel war es, im Rahmen der Tagung Kontakt zu potenziellen Interviewpartnern herzustellen. Bevor die Reise nach Greifswald angetreten wurde, erstellten wir zu jedem potenziellen Interviewpartner ein kurzes Profil, aus welchem das Forschungsgebiet abgeleitet werden kann.

Feldeindrücke

Es zeigte sich sehr schnell, dass speziell der Begriff Gender bzw. das ganze Konstrukt Gender in der naturwissenschaftlichen Forschung anders definiert und auch verwendet wird. Unter Gender versteht die Naturwissenschaft das biologische Geschlecht, also Sex. Es wäre somit korrekter, die Gendermedizin „Sexmedizin“ zu nennen. Geschlecht wurde im Rahmen der Tagung seitens der Medizin mit Ausnahmen nur aus einer biologischen Perspektive diskutiert, d.h. es wurde auf die physiologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau in Bezug auf verschiedene Krankheiten aufmerksam gemacht. In einigen Fällen ist es unklar, ob es überhaupt geschlechtsspezifische Unterschiede gibt. Der oftmals postulierte Zusammenhang, dass Östrogene eine protektive Wirkung gegenüber Krankheiten haben, wurde kontrovers diskutiert. Diese Begriffsproblematik ist bekannt, aber man verzichtet auf den Begriff der „Sexmedizin“, da sonst falsche Assoziationen geweckt werden würden. Auf dieser Ebene handelt es sich somit erst einmal um ein semantisches Problem. So entstand auch ein Konflikt nach einem Vortrag. Ein Teilnehmer kritisierte sehr scharf diese Form der Begriffsverwendung. Die Gendermedizin ist eine junge Disziplin und ist ein Forschungszweig, welcher eher durch Frauen vertreten wird. So wird dieser häufig als „Feministen-Kram“ bezeichnet. Daher muss sich die Gendermedizin gerade gegenüber männlichen Ärzten/Forschern durchsetzen. Die Gendermedizin wird teilweise als eine Art Mode angesehen. Es wurde häufig das Problem des GenderBias innerhalb der Forschung, Diagnostik und Therapie angesprochen. Als Lösungsvorschlag dafür wurde eine intensivere Einbindung der Ethikkommission gefordert.

Die Tagung konnte keinen Gesamtzusammenhang zwischen Gendermedizin und Individualisierter Medizin vermitteln. Hierbei handelte es sich eher um eine Aneinanderreihung verschiedener medizinischer Themen, in denen die Variable Geschlecht (Sex) erhoben wurde. Die Verknüpfung zur Individualisierten Medizin wurde nicht hergestellt. Der Kontakt und Austausch mit den einzelnen Experten verlief sehr gut und war geprägt durch ein freundliches und aufgeschlossenes Klima. Die Experten waren an unserem Projekt interessiert und bewerteten unser Vorhaben, medizinische Themen sozialwissenschaftlich zu untersuchen als sehr zukunftsweisend und positiv.

 
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