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4.3 Diabetes und Depression eine Verknüpfung der psychosozialen Faktoren in der medizinischen Praxis

Der Typ-2-Diabetes zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland. Umso wichtiger ist es, geeignete Präventionen und Behandlungsmöglichkeiten zu finden, die zu einer Vermeidung bzw. Verbesserung der Erkrankung führen. Gerade bei dem Typ-2-Diabetes ist es relevant, nicht nur medizinisch anzusetzen, sondern auch psychische und soziale Faktoren zu berücksichtigen. Unsere Forschungsergebnisse sind davon geprägt, dass die Experten sich einig darüber sind, dass der Lebensstil (sei es Bewegung, Ernährung etc.) einen großen Einfluss auf die Behandlung des Typ-2-Diabetes ausübt. Die Prävention des Typ-2-Diabetes kann nur gelingen, wenn sie schon im Kindesalter ansetzt. Soziale Faktoren, wie z.B. der sozioökonomische Status, spielen eine entscheidende Rolle und vor allem der Bildungsstatus wird als bedeutendster Indikator angesehen. Ist die Krankheit jedoch schon ausgebrochen, kann die Behandlung durch die Einbeziehung der psychischen und sozialen Faktoren verbessert werden. Somit kann auch eine Tertiärprävention gewährleistet werden.

Im folgenden Kapitel soll darauf eingegangen werden, wie die gleichzeitige Behandlung des Langzeitblutzuckerwertes und der Depression eines Patienten zu besseren Blutzuckerwerten und zu einem erhöhtem Wohlbefinden führen. Die Vorzüge des interdisziplinären Arbeitens sollen herausgestellt werden.

4.3.1 Warum die Sichtweise des biopsychosozialen Models zu einer besseren Behandlung des Typ-2-Diabetes führen könnte

Der Typ-2-Diabetes ist eine multifaktorielle Erkrankung, die durch verschiedene Faktoren ausgelöst wird. Der relative neue Forschungszweig der Individualisierten Medizin betrachtet nicht nur die rein biomedizinische Sichtweise des Krankheitsbildes Diabetes, sondern bezieht auch psychische und soziale Faktoren mit ein, wobei der Fokus mehr auf die Betrachtung von biogenetischen Faktoren gelegt wird. Trotzdem wird die Krankheit nicht nur auf biologische Parameter bezogen, sondern in einem Gesamtzusammenhang gesehen, wie es das biopsychosoziale Modell vorsieht. „Zu den Faktoren, die die Entstehung und den Verlauf von Krankheiten beeinflussen, zählen verschiedene Umweltfaktoren und -einflüsse, Lebensführung und Lebensstil, Ernährung, genetische Faktoren und Unterschiede in der Genexpression und -regulation, psychische Faktoren sowie der Sozialstatus mit dem damit verbundenen sozialen Umfeld und den sozial geprägten Kompetenzen. Auch Alter, Geschlecht und Rasse sind relevant“ (TAB 2008, S. 39). Die Einbeziehung dieser Faktoren wird gefordert, jedoch ist dies in der wissenschaftlichen Forschung aber noch nicht ganz umgesetzt.

Die alleinige biomedizinische Sichtweise auf Krankheiten wird schon seit langem kritisiert. Um eine Verbesserung im Verständnis von Verursachung und Entstehung einer Krankheit zu erreichen, wurde eine stärkere Interdisziplinarität gefordert. Um dieser Forderung nachkommen zu können, entwickelte der Psychiater Georg Engel das biopsychosoziale Modell. Die alleinige Fokussierung der Biomedizin auf „(...) biologische Prozesse beziehungsweise den genetischen Ausgangsstatus eines Einflussfaktors auf die Entwicklung von Krankheiten (...)“ (Degenhart et. al. 2002 S. 88), wird nicht als ausreichend befunden. Deswegen forderte Georg Engel eine Einbeziehung psychischer und sozialer Faktoren, um Krankheiten besser erläutern zu können. „Bezogen auf das Thema >>Geschlecht und Gesundheit<< lassen sich die unterschiedlichen Einflussfaktoren grob nach drei Variablen unterscheiden: Biomedizinische, umweltbezogene-soziale und psychische Faktoren“ (ebd., S. 99). Die Interaktionen zwischen den verschiedenen Einflussfaktoren sollen klar hervorgehoben und erklärt werden können. Relevant ist vor allem, dass der Typ-2-Diabetes bis zu 50 Prozent durch eine Lebensumstellung bzw. Lebensstilveränderung verbessert werden kann (vgl. TAB 2008). Da gerade mehrere Variablen bei der Erkrankung des Typ-2-Diabetes eine Rolle spielen, ist es von Vorteil, psychische und soziale Faktoren in die Behandlung miteinzubeziehen. Ernährung, Bewegung, der sozioökonomische Status, das Geschlecht, Alter und die psychische Verfassung spielen eine ganz entscheidende Rolle. Auch die genetische Komponente ist hier tragend. Vor allem eine Vorbelastung in der Familie kann das Risiko für einen Diabetes erhöhen:

„(...) aber die Auftretenswarscheinlichkeit kann stark durch die Lebensstilfaktoren beeinflusst werden. Also wenn ich zum Beispiel weiß, ich hab schon einen Diabetes in der Familie und ich dann aber versuche, also, nicht in den Bereich des Übergewichts reinzukommen, mich gesund ernähre und körperlich aktiv bin, dann kann ich auch dafür sorgen, dass der Diabetes überhaupt nie zum Tragen kommt“ (3P).

Eine Lebensstilintervention spielt eine entscheidende Rolle in der Behandlung des Diabetes, sodass man sagen kann, die Einbeziehung von sozialen und psychischen Faktoren ist essentiell, um die Behandlung verbessern zu können. Eine ganzheitliche Betrachtung ist somit notwendig.

 
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