Die Erkennung von Depression in der medizinischen Praxis

Um eine Depression zu erkennen, gibt es ein sog. Depressionsscreening. Mit Hilfe weniger Fragen aus einem Fragekatalog, kann der Arzt bei dem Patienten eine Depression feststellen, wie uns der Experte erklärte:

„Also ich denke, das muss man zum einen sagen, auf der anderen Seite ist es natürlich so, dass wir wie bei vielen chronischen Erkrankungen natürlich den Arzt haben, den Diabetologen oder den Hausarzt, je nachdem, wer den Patienten oder die Patientin behandelt, die natürlich nur begrenzt Zeit zur Verfügung haben und diese begrenzte Zeit bedingt natürlich auch, ob ich dann diese zwei Fragen zum Depressionsscreening stelle oder nicht. Von daher hängt das sehr stark vom individuellen, also einfach von der Person des Arztes ab, inwieweit er diese Faktoren miteinbezieht“ (3P).

Daher ist das Depressionsscreening auch als problematisch anzusehen, da es keine alltägliche Praxis bei der Behandlung von Typ-2-Diabetes-Patienten darstellt, sondern von Arzt zu Arzt variiert. Die Kommunikation der Arzt-Patienten-Beziehung spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Jedoch sind die systematischen Strukturen für ein ausführliches Gespräch im Gesundheitssystem nicht vorhanden. Die Feststellung einer Depression bei Typ-2-Diabetes-Patienten wird somit erschwert. Unser Experte sieht es daher als eine Herausforderung an, psychosoziale Faktoren in die alltägliche medizinische Behandlung zu integrieren.

„Ich glaube die Umsetzung, also das heißt wirklich auch das Einbeziehen dieser psychosozialen Faktoren in die tägliche Behandlung, in das Arztgespräch, das ist tatsächlich einfach sehr schwierig. Also man sieht halt auch Personen, die jetzt zum Beispiel so ein Screening unterlaufen haben, bei denen man zum Beispiel einen Hinweis auf eine Depression hat. Da ist es oft so, dass sie bei diesem Screening sind und positiv aufgefallen sind, also das heißt positiv im Sinne von Hinweis auf eine Depression. Allerdings ist es trotzdem so, dass dann oft kein Behandlungsansatz erfolgt“ (3P)

Dies führt er darauf zurück, dass eine Weiterbehandlung der Depression bei Typ2-Diabetes-Patienten oft gar nicht vorgesehen ist. Dies liegt vor allem an der verkürzten Zeit, die für ein Patientengespräch eingeplant ist und an dem mangelnden Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Diabetes und Depression. Wie uns berichtet wurde, sind im Abrechnungskatalog nur 8 Minuten für ein Patientengespräch vorgesehen, die vergütet werden. Unter diesen restriktiven Bedingungen ist eine tiefgründige Anamnese sehr schwierig.

„Ja, da haben Sie absolut recht. Aber wenn man 8-10 Minuten Zeit hat, um eine Anamnese zu erheben über eine Krankheit vielleicht, die in der vierzigsten Generation in der Familie ist, bis man das herausgefunden hat, da kann ich nur sagen: „Wir werden gezwungen, das gar nicht wahrzunehmen“ (3MG).

Eine Verlängerung der Gesprächszeit könnte zu einer besseren Arzt-PatientenKommunikation und einer besseren Behandlung führen. Zum einen müssten Anreize, die stärker für das Thema Depression in Zusammenhang mit Diabetes sensibilisieren, geschaffen werden und zum anderen müssten Ärztinnen und Ärzte mehr Zeit bekommen, um die Problematik ausführlich mit ihren Patienten besprechen zu können. Wäre dies gewährleistet, könnten Weiterbehandlungsmaßnahmen getroffen werden. Das kann z.B. eine psychotherapeutische Behandlung auf ambulanter oder stationärer Ebene sein. Auch interdisziplinäre Kooperationen könnten die Behandlung verbessern.

,,Also, da ist halt auch im Grunde genommen, vielleicht auch noch so ein bisschen Hilflosigkeit. Wie geh ich denn jetzt vor? Was kann ich denn als Arzt machen oder in welchen Fällen muss ich jetzt wirklich weiter überweisen? Wer ist da mein Ansprechpartner? Also ich denke, da müsste viel mehr einfach auch noch Zusammenarbeit laufen zwischen den Psychotherapeuten und den Medizinern, um das ganze einfach auch für die Patienten noch ein bisschen besser zu gestalten“ (3P)

 
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