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2.4.2.3 Ökologische und soziale Fußabdrücke

Ökologische Bilanzen bzw. Fußabdrücke210 können entweder integrierte Abbildungen des gesamten Ressourcenverbrauchs darstellen, indem die ökologischen Effekte etwa in die verbrauchte Landfläche umgerechnet werden,211 oder einzelne Nachhaltigkeitsaspekte wie z. B. die CO2-Emissionen oder den Wasserverbrauch abbilden.212

„Der Product Carbon Footprint (bzw. ‚CO2-Fußabdruck'; abgekürzt als PCF) bezeichnet die Bilanz der Treibhausgas-Emissionen entlang des gesamten Lebenszyklus eines Produkts in einer definierten Anwendung und bezogen auf eine definierte Nutzeinheit. (…) Damit werden also alle Treibhausgas-Emissionen beschrieben, die durch ein Produkt ausgelöst werden.“ (Grießhammer et al. 2010, S. 7; Hervorh. im Original) Wasser-Fußabdrücke machen auf die Problematik des sogenannten „virtual water“213 aufmerksam: „Virtual water is defined as the volume of water required to produce a commodity or service” (Chapagain/Hoekstra 2004, S. 9). Der Begriff wird verwendet, um zu verdeutlichen, dass dieser Wasserverbrauch „unbemerkt“ mit Produkten exportiert und importiert wird.214 Das kann dazu führen, dass knappes Wasser aus exportierenden Regionen mit den Gütern zusammen „auswandert“ und die Region zunehmend austrocknet.215

Für die ökologische Bilanzierung wurden verschiedene Managementsysteme sowie ISO-Normvorgaben entwickelt. Als Grundlage dient in der Regel die Ökobilanzerstellung nach den ISO-Normen 14040 und 14044.216 Allerdings sind die Berechnungsverfahren komplex und Standardisierungen unterliegen langwierigen Prozessen, da etwa über die Systemgrenzen der Berechnung Uneinigkeit herrscht. Dies ist gegenwärtig vor allem im Standardisierungsprozess für die Berechnung von CO2-Fußabdrücken zu beobachten.217

Trotz dieser Schwierigkeiten ist die Systematisierung und Standardisierung des ökologischen Life Cycle Assessment weiter vorangeschritten als die des Social Life Cycle Assessment (SLCA).218 Während als Grundlage zwar die Menschenrechte herangezogen werden können219 und auch etwa die Kernarbeitsnormen der International Labour Organization (ILO) zumindest im Hinblick auf Arbeitsbedingungen normative Orientierung geben,220 „fehlen allgemeine Standards, wie sie für das LCA [hier: ökologisches LCA; I. S.] mit den international anerkannten ISO 14040 und ISO 14044 bestehen.“ (Herrmann 2010, S. 166)221 Der Grund liegt hauptsächlich darin, dass die jeweiligen Themen und Auswirkungen oftmals nur situations- und regionenspezifisch und im Dialog mit den betroffenen Personen und Gruppen erfasst werden können.222 Weiterhin ist die soziale Situation beispielsweise angestellter Arbeiter oder der lokalen Bevölkerung weniger von einem spezifischen Produkt als von der Gesamtstrategie eines Unternehmens abhängig.223 Schließlich liegt ein Problem der Beurteilung darin, dass die prekären Arbeitsbedingungen zum Beispiel in Bangladesch oder China nicht eindeutig nur der ausgelagerten Produktion zugeschrieben werden können,224 sondern auch durch die politische Situation im jeweiligen Land bedingt sind.225 Es können folglich eher Zusammenhänge und Assoziationen festgestellt werden als tatsächlich „messbare“ Auswirkungen, weshalb es sich als schwierig erweist, konkrete, handhabbare Indikatorenlisten zu erstellen.226

 
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