< Zurück   INHALT   Weiter >

3 Das Konzept der Verantwortung

Nachdem die Grundlagen der nachhaltigen Entwicklung als normative und gesellschaftliche Leitidee eingeführt wurden, steht im Folgenden die Frage der moralischen Zuständigkeit, d. h. der Verantwortung für die Umsetzung dieser normativen Vorstellungen, im Vordergrund. Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung wird, wie ich in der Einleitung aufgezeigt habe, teilweise kontrovers diskutiert und bedarf einer fundierten Begründung. Ich beginne dieses Kapitel zur Verantwortung mit einer Einführung in die Grundlagen des Konzepts, welche die Basis für alle weiterführenden Überlegungen darstellen.

Verantwortung ist ein Handlungsbegriff, der sich als soziales Konstrukt den Gegebenheiten menschlicher Handlungen anpasst.254 Aus diesem Grund wird in Kapitel 3.1 zunächst dargestellt, wie sich das Konzept der Verantwortung im Gleichklang mit der Ausdehnung menschlicher (technologischer) Handlungsmöglichkeiten und zunehmend risikoreicher Handlungsfolgen seit der Antike von einem rückwärtsgerichteten Prinzip der Zuschreibung von Schuld zu einem vorwärtsgerichteten Vorsorgeprinzip entwickelt hat (Kapitel 3.1.1). Mit seiner Entwicklung hat sich das Prinzip zudem ausdifferenziert, weshalb die verschiedenen Dimensionen, Ebenen und Modalitäten der Verantwortung erläutert werden. Verantwortung ist darüber hinaus vom moralischen Pflichtbegriff abzugrenzen (Kapitel 3.1.2). In Kapitel 3.2 interessiere ich mich für Zuschreibung, Abwehr und Übernahme von Verantwortung. Es geht um die Frage, unter welchen Bedingungen Verantwortung im sozialen Leben auftaucht und verwendet wird. So erfolgt die Zuschreibung von Verantwortung in einem sozialen Aushandlungsprozess nach bestimmten Bedingungen und Kriterien (Kapitel 3.2.1), der auch von den Adressaten der Zuschreibung mit beeinflusst wird (Kapitel 3.2.2). Diese haben oftmals das Ziel, Verantwortung abzuwehren oder zumindest ihren Umfang zu mindern. Verantwortung muss jedoch auch aktiv übernommen werden, um verhaltenswirksam zu werden. Es lassen sich persönliche und situative Faktoren ausmachen, die die Übernahme beeinflussen. In Kapitel 3.3 führe ich den Gedanken der kollektiven Verantwortung in seinen Grundzügen ein und unterscheide hierfür verschiedene Formen kollektiven Handelns sowie kollektiver Verantwortungszuschreibung (Kapitel 3.3.1 und 3.3.2). Auf dieser Basis lassen sich Unternehmen als verantwortungsfähige Akteure beschreiben und es kann ihnen im Rahmen der Corporate Social Responsibility (CSR) Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung zugeschrieben werden (Kapitel 3.4). Mit dem CSR-Konzept kann der Grundlagenteil der Arbeit (Kapitel 2 und 3) als Ausgangslage für die Entwicklung der Consumer Social Responsibility (ConSR) abgeschlossen werden.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >