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3.3.3 Zusammenfassung

Als Fazit der vorangegangenen Überlegungen lassen sich folgende kollektive Handlungskategorien im Hinblick auf die Zuschreibung des moralischen Akteursstatus identifizieren:

1. Aggregatkollektive: Diese Form von Kollektiv kann nicht als moralischer Akteur verstanden werden, da weder gemeinsame Intentionen noch eine CID-Struktur vorhanden sind.

2. Kollektive Gruppen: Diese verfügen zwar über Wir-Intentionen, aber nicht zwingend über eine eigenständige Intentionalität des Kollektivs. Sie haben zudem keine CID-Struktur und sind oftmals nicht von Dauer, sodass die Praxis der Zuschreibung von Verantwortung kaum durchführbar ist.

3. Kollektive Akteure: Diese vertreten zwar die Interessen ihrer Mitglieder, verfügen jedoch durch die Kanalisierung dieser Interessen mittels einer CID-Struktur dennoch über eigenständige Pläne und Interessen. Sie sind damit als moralische und auch verantwortliche Akteure adressierbar.

4. Korporative Akteure: Korporative Akteure verfügen sowohl über eigenständige Pläne und Interessen als auch über eine dauerhafte CID-Struktur und können folglich ebenfalls als moralische und verantwortliche Akteure adressiert werden.

Die Unterscheidung der verschiedenen kollektiven Handlungsformen ist in Tabelle 1 zusammengefasst.

Das Ziel dieses Abschnitts war es, die Idee der kollektiven Intentionen einzuführen sowie die moralische Adressierbarkeit bei Konstellationen kollektiven Handelns zu definieren und für die folgenden Abschnitte vorauszusetzen. Denn im weiteren Verlauf wird vor allem die Verantwortungszuschreibung in kollektiven Systemprozessen im Vordergrund stehen, bei der kein übergeordneter kollektiver Akteur feststellbar ist und somit auch nicht moralisch adressiert werden kann. Dies trifft nicht nur auf das Handeln im Marktsystem zu, sondern größtenteils auch auf das Kollektiv der Unternehmen auf der Angebotsseite und auch auf das Kollektiv der Konsumenten auf der Nachfrageseite.

Bevor ich jedoch die Frage der Konsumentenverantwortung in Kapitel 4 angehe, werde ich zunächst das Verständnis der Corporate Social Responsibility (CSR) mit Bezug zu einer nachhaltigen Entwicklung umreißen. Dieses Verständnis ist für die folgenden Kapitel von Belang, da bei der Ausarbeitung der Consumer Social Responsibility vielfältige Bezüge zur CSR hergestellt werden.

Tabelle 1: Formen kollektiven Handelns und moralische Adressierbarkeit, eigene Darstellung.

Stufe kollektiven Handelns

Form der Intentionalität

Dauerhafte CID-Struktur

Moralische Adressierbarkeit

Beispiel

Aggregathandeln

Reduzible IchIntentionen, keine Wir-Intention

Nicht vorhanden

Nur die einzelnen Individuen

Mob, Theaterbesucher

Kollektives Gruppenhandeln

Reduzible (nur evtl. irreduzible)

Wir-Intentionen

Nicht bzw. evtl., jedoch nicht dauerhaft vorhanden

Adressierbarkeit des Kollektivs evtl. möglich

Streiks, gemeinsamer Kinobesuch

Institutioneller/ kollektiver Akteur

Irreduzible Intention, die auf IchIntentionen der Mitglieder rückführbar ist

Vorhanden

Gegeben

Vereine, Verbände, Familien, Staat

Korporativer Akteur

Irreduzible Intention, die kollektiv zugeschrieben wird

Vorhanden

Gegeben

Unternehmen, Kirche

 
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