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3.4.4 Zusammenfassung

Nachdem ich in Kapitel 3.3 die Grundlagen zur Zuschreibung korporativer kollektiver Verantwortung diskutiert habe, denen zufolge es möglich ist, Unternehmen als moralische Akteure zu adressieren, habe ich in diesem Kapitel 3.4 das Konzept der CSR vorgestellt. Im Rahmen von CSR wird die Verantwortung von Unternehmen spezifiziert und konkretisiert. Dies erfolgt über diskursive bzw. deliberative Prozesse, innerhalb derer das Unternehmen den Austausch mit Stakeholdern sucht. In diesem Diskurs werden universelle Normen konkretisiert und nicht universelle Normen bzw. Ansprüche der Stakeholder legitimiert. Des Weiteren konnten unterschiedliche Verpflichtungsgrade unterschieden werden, wobei deutlich wurde, dass sich die Normen der Nachhaltigkeit vor allem den apodiktischen und assertorischen Normen zuordnen lassen und somit (moralisch) bindend sind. Auch habe ich unterschiedliche Ebenen und Bereiche von CSR beschrieben. Neben den grundlegenden ökonomischen und rechtlichen Pflichten des Unternehmens sind hier vor allem moralische Pflichten für das Kerngeschäft mit Bezug auf die Wertschöpfungskette entlang von Produktlebenszyklen zu nennen. Hier sind somit die Themen angesprochen, die bei der Idee der nachhaltigen Entwicklung im Mittelpunkt stehen und für nachhaltiges Konsumieren und Produzieren relevant sind. Dem Fokus der Arbeit entsprechend, wird im weiteren Verlauf vor allem auf die moralische Verantwortung der Unternehmen (nach Carroll) im mittleren Verantwortungskreis (nach Hiß) Bezug genommen, wenn von CSR die Rede ist. Ausgehend von diesem Verständnis von CSR kann nun die zentrale Aufgabe der Arbeit, die Klärung der Verantwortung von Konsumenten bzw. der Consumer Social Responsibility (ConSR), in Angriff genommen werden.

Im Sinne einer möglichen Analogie zwischen CSR und ConSR lässt sich vorwegnehmen, dass auch bei Konsumenten die ökonomische und die rechtliche Verantwortung als Grundlage für weiterreichende Verantwortlichkeiten im Rahmen der nachhaltigen Entwicklung dienen.497 Hinsichtlich der ökonomischen Verantwortung muss allerdings hervorgehoben werden, dass Konsumenten keine rein ökonomischen Akteure sind, sondern Personen und Bürger. Deshalb muss diese Ebene in die Eigenverantwortung für das „Gelingen des eigenen individuellen Lebens“ (Neuner 2008, S. 285) inklusive der eigenen ökonomischen Situation umformuliert werden. Diese Verantwortung ist eine erste moralische Pflicht der Konsumenten und Voraussetzung dafür, dass eine Zuschreibung von Verantwortung für die soziale und ökologische Umwelt in Betracht kommt.498 Die Eigenverantwortung der Konsumenten sowie die rechtliche Verantwortung werden in den nächsten Kapiteln vorausgesetzt. Es steht die Aufgabe im Vordergrund herauszufinden, inwieweit vor allem eine moralische Verantwortung der Konsumenten für nachhaltiges Konsumieren und Produzieren formuliert werden kann. Auch philanthropische Verantwortlichkeiten werden deshalb nicht fokussiert.

 
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