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4.4.2.3 Zusammenfassung und Diskussion

Insgesamt wird deutlich, dass Konsumenten auf den verschiedenen Stufen des Konsumprozesses unterschiedliche Strategien der Nachhaltigkeit umsetzen können. Während die Konsistenzstrategie dabei aufgrund des bislang eher geringen Angebots entsprechender Produkte noch eine Nische darstellt (siehe S. 81), bieten sich für Suffizienz und Effizienz grundsätzlich etliche Möglichkeiten. Dabei ist zu unterstreichen, dass insbesondere die Kombination ein tatsächliches Nachhaltigkeitspotenzial birgt (siehe Kapitel 2.4.2.5). Im Bereich des eigenen Konsums gilt es im Hinblick auf den Gesamtlebensstil bei den verschiedenen Möglichkeiten Prioritäten zu setzen.

Bilharz unterscheidet bei seiner Analyse von nachhaltigem Konsum im Bereich des individuellen Konsumentenhandelns deshalb zwischen „‚Big Points'“ (Bilharz 2008, S. 156; Hervorh. im Original) und „‚Peanuts'“ (ebd.; Hervorh. Im Original) des nachhaltigen Konsums. Er bezieht sich mit dieser Unterscheidung darauf, dass es sich bei der Veränderung des individuellen Konsumverhaltes zwar immer um „kleine Schritte“ (ebd.) handelt, diese aber unterschiedlich groß, d. h. in ökologischer Hinsicht in unterschiedlichem Maße relevant, sind. Big Points sind solche „Handlungsoptionen, die besonders hohe Ressourceneinsparungen ermöglichen (z.B. Wärmedämmung, Investitionen in erneuerbare Energien)“ (ebd., S. 138), während Peanuts entsprechend solche Nachhaltigkeitsaktivitäten sind, die im Verhältnis nur ein geringes Nachhaltigkeitspotenzial aufweisen, wie das Ausschalten des Stand-by-Modus.813 Die Unterscheidung von Big Points und Peanuts ist vor allem wichtig, um die Gesamtbilanz des Lebensstils nicht aus den Augen zu verlieren und individuelle Rebound-Effekte zu verhindern. Das Ausschalten des Stand-by-Modus stünde dann beispielsweise in einem „Missverhältnis“ zu mehreren Flugreisen im Jahr. Angesichts des in Kapitel 4.3 besprochenen Beitragsmodells sollte an dieser Stelle allerdings unterstrichen werden, dass auch die Peanuts (vor allem in der Summe) einen Unterschied machen und einen positiven Effekt haben. Mit dem Begriff „Peanuts“ ist daher meiner Ansicht nach ein zu pejorativer Begriff gewählt. Der Einschätzung, dass diese kleinen Schritte andere große Schritte wie die Reduktion von Flugreisen nicht ersetzen können, ist jedoch zuzustimmen.

Für die Verantwortung des Konsumenten auf der Ebene des individuellen Konsumverhaltens sind allerdings nicht nur die potenziellen Handlungsoptionen relevant, sondern vor allem auch die jeweiligen Handlungsgrenzen und –restriktionen, die sich in konkreten Situationen ergeben. Hindernisse für die Übernahme von Verantwortung stellen sich im Bereich des individuellen Konsumverhaltens vor allem in alltagspraktischer Hinsicht. So ist nicht immer ein nachhaltiges Angebot verfügbar, es können Informationen fehlen und auch der Zeitaufwand kann sehr hoch sein. Dies gilt nicht nur für die Informationsbeschaffung, sondern zum Beispiel auch, wenn der Weg zur Arbeit mit dem öffentlichen Nahverkehr doppelt so lange dauert wie mit dem Auto. Auch stehen manchen Konsumenten weniger finanzielle Mittel zur Verfügung, um die oftmals teureren nachhaltigen Produkte kaufen zu können. Andere Konsumenten haben zwar die finanziellen Möglichkeiten, aber unter Umständen berufliche oder familiäre Verpflichtungen, aufgrund derer sie häufig reisen müssen.814

Diese jeweiligen Umstände geben dem Konsumenten zumindest kurzfristig einen bestimmten Handlungsrahmen vor, innerhalb dessen er abwägen muss, inwieweit er seinen Konsum individuell umstellen und wo er individuelle Prioritäten setzen kann. Insgesamt dürften jedoch für alle Konsumgruppen Möglichkeiten bestehen, Aspekte des eigenen Konsumverhaltens umzustellen. Damit können Konsumenten ihren eigenen Schadensbeitrag reduzieren und sich von den Schäden, mit denen sie durch ihr Handeln assoziiert sind, trennen.

Angesichts der Tatsache, dass der Kauf von fair hergestellten Produkten durch einen einzelnen Konsumenten jedoch kein ganzes Unternehmen zur Veränderung seiner Unternehmenspolitik bewegen wird und der einzelne Verzicht auf das Auto für das Klima keine größere Relevanz hat, beziehen sich die weiteren Schritte der Konsumentenverantwortung auf die kollektive Veränderung von Strukturen aktueller Konsum- und Produktionsmuster.

 
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