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5.4.1.1 Ernährungsgewohnheiten

Grundlage aller Tätigkeiten, die mit dem Ernährungsbereich zu tun haben, sind die Essgewohnheiten der Menschen. Damit ist hier die generelle Zusammensetzung der täglichen Mahlzeiten, wie etwa die Menge an Fleisch, Milchprodukten, Getreideprodukten und Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse, Süßigkeiten wie Schokolade usw., gemeint. Diese Zusammensetzung hängt mit einer Nachfrage nach bestimmten Produkten sowie mit den entsprechenden Produktionsprozessen zusammen. In den analysierten Zeitungen wird diese Zusammensetzung als relevant für das Klima diskutiert, wobei vorrangig der Konsum von tierischen Produkten eine Rolle spielt. Damit im Zusammenhang steht die Frage nach einer ausgewogenen oder gesunden Ernährung. Es wird des Weiteren thematisiert, ob Tiefkühl- und Convenience-Produkte verwendet werden oder ob außer Haus gegessen wird.

Insgesamt konnten in diesem Bereich 138 Zuständigkeitsattributionen analysiert werden. Dabei traten vor allem Redakteure der Zeitungen, Bürger bzw. Konsumenten, die Wissenschaft, das Umweltbundesamt sowie Autoren von Ratgebern und Sachbüchern als Attributionssender in Erscheinung.1000

Verzicht auf den Konsum von Fleisch und Milchprodukten

Relativ häufig (22) wird in den Artikeln der komplette Verzicht auf Fleisch gefordert.1001 Albert Einstein, der selbst Vegetarier war, wird in der SZ zitiert:

„,Nichts wird die Chance auf ein Überleben auf der Erde so steigern, wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung'“.1002

Allgemein scheint die Anzahl derer zu steigen, die aus Klimaschutzgründen kein Fleisch mehr essen und sich in diesem Zusammenhang also selbst Verantwortung zuschreiben.1003 Dazu gehören etliche Prominente, die öffentlich verkünden, dass sie zugunsten des Klimas und des Umweltschutzes auf Fleisch verzichten, unter ihnen Schauspieler, Musiker und Sportler.1004 Als Sender treten in diesem Bereich entsprechend vor allem Konsumenten selbst auf, die sich und auch anderen diese Verantwortung zuschreiben.1005

Da die Tierhaltung in der Regel höhere Emissionen verursacht als der Anbau pflanzlicher Nahrung wird auch – allerdings sehr selten – vom Konsum von Käse und Molkereiprodukten abgeraten (3)1006 und eine vegane Ernährung für den Klimaschutz empfohlen (4).1007

Reduktion des Fleischkonsums, insbesondere Rindfleisch

Während es in den vorher genannten Beispielen um den kompletten Verzicht auf Fleisch ging, gibt es auch moderatere Positionen, die einen eingeschränkten Fleischkonsum (und selten auch eine Reduktion des Konsums von Milchprodukten)1008 fordern. Diese Position ist vor allem in der SZ die am häufigsten ausgedrückte Zuschreibung von Verantwortung an Konsumenten für den Klimaschutz im Ernährungsfeld – insgesamt wurde sie 58 Mal genannt1009 – und wird vor allem von Wissenschaftlern, vom Umweltbundesamt und der Politik, von den Redakteuren der Zeitungen sowie von Autoren wie Jonathan Safran Foer („Eating Animals“, 2009) oder Michael Pollan („The Omnivore's Dilemma“, 2006) vertreten.1010

Während in der Regel einfach auf die Notwendigkeit verwiesen wird, den Fleischkonsum zu reduzieren, schwanken spezifischere Vorschläge zwischen einmal pro Woche Fleischverzicht und einmal pro Woche Fleischverzehr: Pollan zufolge hilft zum Beispiel bereits ein fleischfreier Tag pro Woche dem Klima1011 – eine Aufforderung, die vielfach unterstützt wird.1012 Das Onlinemagazin der Süddeutschen Zeitung „Jetzt.de“ beruft sich dabei auf Ergebnisse von Studien, denen zufolge der einmalige Fleischverzicht in der Woche „sogar sinnvoller [sei] als vom Auto aufs Rad umzusteigen“.1013 Das Umweltbundesamt hingegen fordert zwar ebenfalls keinen kompletten Verzicht auf Fleisch, spricht sich aber dafür aus, nicht einen Tag in der Woche auf Fleisch zu verzichten, sondern im Gegenteil nur noch einmal pro Woche Fleisch zu essen. Propagiert wird dabei der traditionelle „Sonntagsbraten“.1014

Im Übrigen wird hervorgehoben, „dass gesunde Ernährung einen Beitrag zum Klimawandel [Klimaschutz; I. S.] bedeutet“1015, unter anderem, da sie einen geringeren Fleischkonsum bzw. Konsum tierischer Produkte impliziert.1016 So lautet das Fazit eines Artikels in der FAZ, unterstützt von einer Studie des ÖkoInstituts: „Wer ausgewogen isst, also fleischarm und gemüsereich, der schont das Klima“.1017

Neben einer Einschränkung des Fleischkonsums wird auch von unterschiedlichen Akteuren der Verzehr von bestimmtem Fleisch empfohlen1018 bzw. vom Verzehr bestimmter Fleischsorten abgeraten (13). Zuvorderst steht dabei das Rindfleisch aufgrund seiner hohen Klimarelevanz (siehe Abschnitt 5.1). Hier geht die Tendenz daher auch nicht in Richtung Reduktion, sondern kompletter Verzicht.1019

Konsum von Convenience-Produkten, Tiefkühlkost und außer Haus

Die Relevanz von Ernährungsgewohnheiten für den Klimaschutz bezieht sich nicht nur auf das „Was“ der Ernährung, sondern auch auf das „Wie“. Dabei geht es um Gewohnheiten wie „Außer Haus essen“ sowie die Verwendung von Tiefkühl- und Convenience-Produkten. So schreibt die SZ, dass „Tiefgekühltes (...) sich mit einem klimafreundlichen Lebensstil wenig in Einklang bringen [lässt]“.1020 Safran Foer empfiehlt zudem, selber zu Hause zu kochen, um klimaschonend (fleischarm) zu essen und gleichzeitig Kosten zu sparen.1021

 
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