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5.4.1.3 Aufbewahrung und Zubereitung

Ein weiterer wichtiger Bereich, in dem Konsumenten im Feld Ernährung Verantwortung für den Klimaschutz zugeschrieben wird, ist die Aufbewahrung und Zubereitung der Lebensmittel. Die Zuschreibungen in diesem Bereich beziehen sich vor allem darauf, Strom zu sparen, der in den Haushalten rund um die Ernährung benötigt wird.1061 Eine zentrale Rolle spielen dabei Küchengeräte wie Kühl- und Gefrierschrank oder -truhe, Herd und Backofen sowie die Spülmaschine. Weiterhin kommen im Rahmen der Zuschreibungen Mikrowelle, Kaffeeoder Espressomaschine, Eierkocher und andere kleinere Geräte zur Sprache. Mit 94 Attributionen wird dieser Bereich jedoch etwas geringer vertreten als Ernährungsgewohnheiten und Einkauf. Politik und Unternehmen sind unter den Attributionssendern am häufigsten vertreten.1062

Kauf energieeffizienter Geräte

Der Kauf eines energiesparenden Geräts hat Einfluss auf den Stromverbrauch bei der Lebensmittelaufbewahrung und -zubereitung im Haushalt. Er spielt daher auch bei den Verantwortungszuschreibungen eine große Rolle und bezieht sich meistens auf den Kühlschrank1063 und/oder den Gefrierschrank bzw. die Gefriertruhe,1064 seltener auf Haushaltsgeräte allgemein1065 und vereinzelt auf Herde.1066

Entweder ist die Rede allgemein von energiesparenden, neuen Geräten1067 oder, spezifischer, von Geräten der sparsamsten Energieklassen A bis A++.1068

Da die effizienten Geräte in der Regel teurer sind als ihre energetisch ineffizienten Alternativen, richtet sich der Appell häufig an einkommensschwache Haushalte, die die hohen Anschaffungskosten bisher noch scheuen.1069 Es geht somit um eine breite Streuung effizienter Kühlschränke und vor allem um den Austausch alter, ineffizienter Geräte, die als enorme Stromfresser gelten.1070 Die Aufforderung an Konsumenten, neue Geräte zu kaufen, geht im Zusammenhang mit der Diskussion um eine finanzielle Förderung des Kaufs sparsamer Kühlschränke (Kühlschrank-Bonus) maßgeblich von der Politik aus, wobei sich wirtschaftliche und ökologische Ziele vermengen. So ist unter denjenigen, die den Kauf neuer Haushaltsgeräte propagieren, nicht nur das Bundesumweltministerium (damals unter Sigmar Gabriel, SPD), sondern auch das Bundeswirtschaftsministerium (damals unter Michael Glos, CSU) vertreten.1071

Sparsame Nutzung der Geräte

Allgemein wird dem Verbraucher von der Initiative „'Hausgeräte+'“, einem „Zusammenschluss von Geräteherstellern, Stromversorgern sowie Verbänden“ geraten, schon beim Kauf darauf zu achten, zu welchem Benutzerverhalten die Küchengeräte passen sollen, um hinterher Energie und auch Zeit zu sparen.1072 Dies gelte sowohl für Einbaulösungen als auch für Einzelgeräte „von der Mikrowelle bis zum Dampfgarer“.1073

Der Grund liegt darin, dass neben dem Kauf effizienter Haushaltsgeräte auch ihre Nutzung zu den Treibhausgasemissionen im Ernährungsfeld beiträgt. Deshalb wird an die Haushalte appelliert, die Geräte möglichst sparsam zu verwenden (13).1074 So wird bei der Vorstellung der Green Kitchen von Bauknecht, einem neuen, komplett auf Energie- und Wasserersparnis ausgerichten Küchensystem, in der FAZ hinzugefügt: „Ein informierter, auf Nachhaltigkeit und bewussten Umgang mit Ressourcen gepolter Verbraucher wird hier Wasser und Energie auf das Beste ausnutzen und nichts mehr verschwenden.“1075 Dabei wird deutlich: Vor allem komplette Systeme sind darauf angewiesen, dass der Verbraucher sie auch entsprechend nutzt, da sie sonst ihr Energiesparpotenzial nicht ausschöpfen können.

Abgesehen von solch komplexen Systemen gibt es aber auch einfachere Vorschläge: „Wenn nur jeder zweite Haushalt in Europa seine Spülmaschine auf 50 Grad statt 60 Grad einstelle, entspreche die CO2-Ersparnis dem Ausstoß von knapp 100 000 Mittelklasseautos“, wie Bart Brecht vom Unternehmen Reckitt Benckiser zitiert wird. Ihm zufolge „'[…] [entstehen] große Teile der Gesamtemissionen beim Verbrauch'“ der Produkte des Unternehmens.1076

Strom für die Betreibung

Neben der sparsamen Nutzung der Geräte werden die Haushalte auch ganz allgemein zum sparsamen Umgang mit Energie aufgefordert (9).1077 Damit sie dem nachkommen können, ist es laut Sebastian Gölz vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) wichtig, dass sie sich über den jeweiligen Verbrauch der Geräte in ihrem Haushalt informieren. Dafür sollen sie intelligente Stromzähler bei sich zu Hause installieren. Diese können direkt anzeigen, welches Gerät wie viel Strom verbraucht, während auf bisherigen Stromrechnungen solche differenzierten Aufschlüsselungen nicht erscheinen.1078 Auch andere Wissenschaftler, Stromanbieter und die Bundesregierung wollen Verbraucher zur Installation der Geräte motivieren.1079

Schließlich gibt es eine zusätzliche Stellschraube für eine verantwortliche Nutzung von Haushaltsgeräten durch den Konsumenten, die jedoch nur einmal von Peter Unfried erwähnt wird: Anstatt, wie er es zunächst vorschlägt, auf den Kühlschrank zu verzichten, sei es noch viel sinnvoller, Ökostrom anstelle des konventionellen Stroms aus Kohle oder Atomkraft zu beziehen. Am besten sei es, seinen Strom direkt selbst mit Hilfe von kleinen Windkraftoder Sonnenenergieanlagen am Haus zu produzieren.1080

 
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