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5.4.5.2 Argumente für die ConSR

Aus den vorangegangenen Abschnitten wird deutlich, dass die Zuschreibung einer Konsumentenverantwortung mit etlichen Widerständen verbunden ist. Mangelndes Wissen, konfligierende Verpflichtungen, fehlende Kompetenzen und Ressourcen, begrenzte Entscheidungsmöglichkeiten und Verzicht, der den eigenen Interessen widerspricht: Hier tauchen einige der Abwehrstrategien, die in Kapitel 3.2.2.1 vor allem für kollektive Handlungskontexte beschrieben wurden, auf. Wie es zu erwarten war, wird der mögliche Einfluss des Individuums angesichts der Globalität der Problemlage in Frage gestellt. Neben den Einwänden gegen die ConSR finden sich in den untersuchten Artikeln allerdings auch viele Argumente, die dagegen sprechen, die Konsumentenverantwortung deshalb zu verwerfen. Stellvertretend für diese Argumente seien im Folgenden einige Beispiele genannt:

Ÿ Ein Leser betrachtet zum Beispiel Relativierungen des Einflusses der Konsumenten im Ernährungsbereich angesichts der katastrophalen Auswirkungen des Fleischkonsums auf die Umwelt als „nicht angebracht“ und kontraproduktiv.1259

Ÿ Auch wird die Verzichtproblematik teilweise wieder entkräftet. So betont vor allem Safran Foer, dass ein totaler Verzicht auf Fleisch nicht notwendig und dieses „Schwarzweißszenario“1260 nicht hilfreich sei. Safran Foer versucht daher, nicht den Verzicht, sondern die Entscheidungskompetenz des Einzelnen in den Vordergrund zu stellen: „Aber es muss ja nichts Absolutes sein. Ich glaube, wenn wir die Diskussion von einer Frage der Identität loslösen könnten entweder Vegetarier oder nicht - und sie zu einer Frage von Entscheidungen machen, wäre viel gewonnen.“1261

Ÿ Auch lassen Bioland-Präsident Dosch und Pollan den Kosteneinwand gegen eine verantwortliche Lebensmittelwahl nicht gelten, solange nicht die wahren Kosten der Produkte – damit sind die externen Kosten für Umwelt und Gesellschaft gemeint – einbezogen werden. Würde man die vollständige Kalkulation durchführen, müssten ökologische und klimafreundliche Produkte weit günstiger sein als die konventionellen Varianten.1262 Zudem betont Barbara Scheitz, Leiterin der Andechser Bio-Molkerei, dass laut Umfragen auch Hartz-IV-Empfänger zu ihren Kunden zählen würden.1263

Nicht zuletzt dienen auch die vielen positiven Handlungsbeispiele, die in den Artikeln genannt werden, als Bestärkung, dass die Umsetzung der Verantwortung entsprechend der jeweiligen Handlungsspielräume möglich ist. Hierzu zählen etwa die Biogärtner oder die Vegetarier. Besonders schlagkräftig dürften diesbezüglich zudem die vielen Prominenten sein, die sich für alternative Ernährungsweisen stark machen und sich selbst z. B. zum Vegetarismus bekennen.

 
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