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5.4.6 Zusammenfassung

Die Attribution von Verantwortung an Konsumenten kann angesichts der Vielzahl an Einwänden teilweise als ambivalent bezeichnet werden. Den Einwänden stehen aber auch viele Fürsprachen gegenüber, sodass insgesamt die Schlussfolgerung gezogen werden kann, dass eine ConSR für den Klimaschutz im Bedarfsfeld Ernährung in der öffentlichen Wahrnehmung durchaus eine Rolle spielt und als wichtig und relevant anerkannt wird. Hierfür spricht, dass von den 169 Artikeln, in denen Zuständigkeitsattributionen an Konsumenten identifiziert werden konnten, 138 mit einem positiven Fazit hinsichtlich der Konsumentenverantwortung schließen, d. h. sie für notwendig und begründet befinden. In 24 Artikeln führen die Einwände hingegen dazu, dass insgesamt eine ambivalente Bewertung vorgenommen wird bzw. keine eindeutige Zuschreibung oder Zurückweisung für die Gesamtaussage des Artikels feststellbar ist. Lediglich in sieben Artikeln wird die Konsumentenverantwortung im Fazit abgelehnt.1264

Hinsichtlich der konkreten Ausgestaltung der Konsumentenverantwortung ist vor allem die Reduktion des Fleischkonsums der Bereich, der nicht nur als besonders relevant, sondern auch – trotz Verzichtsproblematik – als zumutbar angesehen wird, zumal sich für den Konsumenten gesundheitliche Vorteile ergeben. Die Zuschreibungen sind hier vorrangig dem zweiten Handlungsbereich der ConSR (individuelle Handlungsveränderung, siehe zu den Bereichen Kapitel 4.4) zuzuordnen.

Es wird drüber hinaus deutlich, dass es sich beim Ernährungssystem um ein komplexes System handelt, in das verschiedene Akteure involviert sind. Auch wenn die Dimension der individuellen Kausalbegründung überwiegt, klingen die Systeminterdependenzen und die Notwendigkeit, Verantwortung kollektiv wahrzunehmen und auch als individueller Konsument Einfluss auszuüben, vielfach an, sodass auch der dritte Handlungsbereich der horizontalen und vertikalen Strukturveränderung eine Rolle spielt. Kaum erwähnt wird hingegen der vierte Bereich (Einfluss von außerhalb des Systems), während der erste Bereich der Information weniger als Verantwortung der Konsumenten denn als Vorbedingung thematisiert und insofern vor allem dann angesprochen wird, wenn diese Bedingung nicht erfüllt ist und Informationen nicht zur Verfügung stehen.

Bezüglich der Interaktionslinien zu anderen Akteuren des Systems ist es interessant, dass vor allem zwischen der Konsumentscheidung und dem Handeln der Unternehmen bzw. der Landwirte eine direkte Verbindung gesehen wird und Konsumenten hier somit ein sehr großer Einfluss auf die Angebotsseite zugetraut wird. Diese Verbindung wird jedoch kaum expliziert, da sie beispielsweise bei der Reduktion des Fleischkonsums sowie beim Kauf von ökologischen oder regionalen Produkten vorausgesetzt wird. Immerhin wäre es, wie im Rahmen des restrospektiven Beitragsmodells diskutiert wurde (siehe Kapitel 4.3.1.1 und 4.3.1.2), denkbar und auch nicht unwahrscheinlich, dass Unternehmen nicht direkt auf die Nachfrage reagieren. Die Fähigkeit der Konsumenten zur Bedarfsreflexion, die in Kapitel 4.3.4.1 als ein unterstützendes Kriterium für die Zuschreibung von Verantwortung an Konsumenten identifiziert wurde, wird besonders in der Diskussion des Fleischkonsums deutlich, denn dabei geht es nicht um spezifische Produktionsweisen, sondern um den Bedarf an einem bestimmten Gut zur Befriedigung eines Bedürfnisses an sich.

Bei der Verantwortungsattribution an Konsumenten und der Diskussion ihrer Einschränkungen wurde schlussendlich ersichtlich, dass gerade Unternehmen gefragt sind, die Verantwortung der Konsumenten sinnvoll zu ergänzen, zu unterstützen und Verantwortung zu übernehmen. Die Verantwortung der Unternehmen im Ernährungssektor ist Inhalt des nächsten Kapitels.

 
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