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5.5 Corporate Social Responsibility für den Klimaschutz im Ernährungsfeld

Auch die Attributionen an die Unternehmen werden in den nächsten Abschnitten zunächst zusammenfassend beschrieben, um im Anschluss daran die Begründungslinien nachzuzeichnen, die sich in den Artikeln gefunden haben. Wie bei den Konsumenten wird zudem auch die Unternehmensverantwortung in den Artikeln diskutiert, weshalb ich die verschiedenen Positionen hierzu in Abschnitt 5.5.3 wiedergebe. Da der Fokus dieser Arbeit auf der Konsumentenverantwortung liegt, ist der Teil zur Unternehmensverantwortung insgesamt kürzer gehalten, zumal auf diese Weise Dopplungen, die durch das gemeinsame Hintergrundthema „Ernährung und Klimaschutz“ entstehen, vermieden werden.

5.5.1 Zuständigkeitsattributionen an Unternehmen

Die Zuständigkeiten von Unternehmen beziehen sich nur in einigen seltenen Fällen auf den Ernährungssektor allgemein, sodass die Analyse in unterschiedliche Teilsektoren der Branche wie Landwirte, die Lebensmittelindustrie, den Handel usw. unterteilt wird. Die Reihenfolge der Darstellung ergibt sich, soweit möglich, aus den unterschiedlichen Wertschöpfungsstufen, also von der Ressourcengewinnung (Landwirtschaft) bis hin zu den Haushaltsgeräten, die für die Lagerung und den Gebrauch der verarbeiteten Produkte bei den Konsumenten notwendig sind.

5.5.1.1 Landwirte

Vor allem die EU-Kommission bzw. die Agrarkommissare Mariann Fischer Boel und Dacian Ciolo�1265 sowie das EU-Parlament treten im Zusammenhang mit der Diskussion einer möglichen Neuausrichtung der EU-Agrarsubventionspolitik als Attributionssender gegenüber Landwirten auf. Die Pläne der Kommissare sehen vor, die Beitragszahlungen an Landwirte stärker an gesellschaftlich erwünschte Leistungen wie etwa den Umwelt- und Klimaschutz zu koppeln.1266 Bei den politischen Akteuren ist zudem Ministerin Aigner als Attributionssenderin zu nennen, wobei ihre Aussagen teilweise als ambivalent zu werten sind.1267 Des Weiteren sind Wissenschaftler, Experten und das Umweltbundesamt sowie unterschiedliche Umweltschutz- und Entwicklungsorganisationen unter den Attributionssendern vertreten. Agrarverbände, also die Vertreter der Landwirte, und Landwirte selbst werden ebenfalls als Sender genannt.1268 Insgesamt konnten 105 Aussagen analysiert werden, die Landwirten eine Verantwortung für den Klimaschutz zuschreiben.1269 Die Auslegung, wie Landwirte dieser nachkommen können, fällt dabei unterschiedlich aus.

Ganz allgemein besteht die Aufforderung an die Landwirte, die von ihren Betrieben verursachten Emissionen zu senken und so einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.1270 Wenige Attributionssender fordern dafür eine Intensivierung und Technisierung der Landwirtschaft von den Bauern „unter Berücksichtigung der Umweltbelange, dazu gehört die intelligente Anwendung moderner Technik und vor allem eine Umkehr bei Freiheit und Förderung der Agrarforschung.“1271 Diese Position – hier wurde der Leserbrief eines Landwirts zitiert –, wird auch vom Deutschen Bauernverband vertreten.1272 In der Regel zielen die Attributionen jedoch auf eine Abkehr von der intensiv-industriellen hin zu einer an ökologischen Prinzipien orientierten Landwirtschaft ab.1273

Beim Landbau (22) wird von den Landwirten insbesondere eine Umstellung auf eine nachhaltige Bewirtschaftung der Böden, z. B. Ökolandbau, gefordert.1274

Hierfür treten vor allem Wissenschaftler und auch das Umweltbundesamt ein.1275 Zudem soll die Tierzucht klimafreundlicher gestaltet werden (21).1276 Während die Tierzucht nach ökologischen Kriterien zwar generell eher als klimafreundlich gilt,1277 ist diese Frage hinsichtlich der ökologischen Rinderhaltung nicht eindeutig zu beantworten.1278 Für Karl Schweisfurth, ein ökologischer Landwirt und ehemaliger Unternehmer der Fleischindustrie,1279 spielt die Art der Haltung eine wichtige Rolle: Werden die Rinder auf der Weide gehalten und nicht mit importiertem Futter gefüttert, scheint die Klimabilanz besser zu sein, weshalb dazu geraten wird.1280

Es werden zudem auch Maßnahmen angesprochen, mit deren Hilfe die Methanemissionen von Rindern reduziert werden können. Sowohl Ministerin Aigner als auch das EU-Parlament sprechen sich für alternative Futtermittel aus, die in den Mägen der Rinder weniger Methan entstehen lassen.1281 Die Schadwirkungen durch die Tierhaltung können überdies von den Bauern reduziert werden, indem sie in Biogasanlagen die Gülle und andere Reststoffe verwerten und sie so energetisch nutzen.1282

 
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