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5.5.1.2 Industrie: Lebensmittelherstellung

Neben den Landwirten wird auch die Lebensmittelindustrie aufgerufen, Treibhausgasemissionen zu reduzieren und ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.1283 Hier konnten insgesamt 139 Attributionen ausgemacht werden. Einige dieser Attributionen gehen auf die Unternehmen zurück, die sich selbst in der Pflicht sehen.1284 Neben kritischen Aufforderungen beispielsweise von Umweltschutzorganisationen oder Verbrauchervertretern sind hier zudem auch Konsumenten bzw. Kunden stark vertreten, die von den Unternehmen ein klimafreundliches Wirtschaften verlangen.1285

Während der klimafreundliche Standort eines Unternehmens nur einmal erwähnt wird,1286 richten sich die Attributionen vorrangig auf die Wertschöpfungskette bzw. die Emissionen, die bei der Herstellung der Produkte entstehen. Es geht bei den Attributionen, erstens, um die Berechnung und Kenntnis des Product Carbon Footprint (PCF), also der Treibhausgasemissionen im gesamten Lebenszyklus der Produkte (siehe Kapitel 2.4.2.3). Die Berechnung des PCF soll, zweitens, dem effektiven Klimaschutzmanagement im Unternehmen dienen. Die Kenntnis der Emissionen soll, drittens, eine transparente Kommunikation an die Öffentlichkeit und die Konsumenten ermöglichen.

Berechnung, Management und Kommunikation des PCF

In den Artikeln werden verschiedene Projekte vorgestellt, an denen Unternehmen sich beteiligen, um den PCF ihrer Produkte zu berechnen.1287 Dies tun sie unter anderem auch, weil Umwelt- und Verbraucherschützer, Kunden und Politik danach verlangen.1288 Es geht dabei häufig um die Weiterentwicklung der sehr komplexen und noch nicht vereinheitlichten Berechnungsmethoden, weshalb an den Projekten nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Politik und wissenschaftliche oder wissenschaftsnahe Institutionen beteiligt sind.1289 Ein Beispiel ist das deutsche PCF Pilotprojekt, an dem neben Unternehmen wie Tengelmann, Tchibo, Rewe und Tetra Pak auch das Öko-Institut, das PotsdamInstitut für Klimafolgenforschung und Thema 1 mitwirken.1290 Die Berechnung des PCF und ein darauf aufbauendes effektives Emissionsmanagement sollen dabei helfen, die Stellschrauben für eine Verringerung der Treibhausgasemissionen in der eigenen Lieferkette zu identifizieren und anzugehen.1291 Beispiele hierfür werden im nächsten Abschnitt dargestellt.

Zusätzlich wird die Transparenz hinsichtlich Herkunft, Herstellungsverfahren und externer Effekte der Produktionsprozesse zu den zentralen Verantwortlichkeiten der Unternehmen gezählt (17).1292 Einer in der SZ zitierten Studie des Bundesverbands der Verbraucherzentralen zufolge verlangen sogar 86 % der Verbraucher danach.1293 Ernst & Young spricht daher auch von „einem steigenden Druck zu transparenter Emissionsberichterstattung“.1294

Reduktion von Emissionen in der Wertschöpfungskette

Die Anforderungen zur Reduktion von Emissionen unterscheiden sich je nach Produkt, wobei neben Fleisch insbesondere auch Produkte, die Palmöl enthalten und darum mit der Abholzung von Regenwäldern in Verbindung stehen, thematisiert werden. Des Weiteren spielt die Vermeidung von Transporten eine Rolle.

Eine Leserin der SZ fordert von den Herstellern beispielsweise „Fleischersatzprodukte(...), die gut schmecken, überall erhältlich und bezahlbar sind.“1295 Auch eine Gruppe von Tierschützern sieht hier einen großen Einfluss der Industrie, denn diese könne einen großen Effekt erzielen, wenn sie nur einen geringen Teil des Fleisches in Fertiggerichten austausche.1296

Die Palmölproduktion und -verwendung stößt vor allem bei Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace und WWF auf vehemente Kritik. Die Forderungen richten sich einerseits an diejenigen Unternehmen, die Palmöl in den tropischen Ländern anbauen und exportieren, und andererseits an die das Palmöl verarbeitenden Unternehmen (34). Erstere sollen das Palmöl möglichst nachhaltig anbauen, also beispielsweise brachliegende Flächen verwenden und keinen Regenwald für neue Plantagen abholzen (14),1297 während letztere nur das nachhaltig hergestellte Palmöl beziehen oder ganz darauf verzichten und auf alternative Öle umsteigen sollen (11).1298 Insgesamt, so die Forderung vor allem von Umweltschützern,1299 soll die Branche verstärkt mit strikten Kontrollen und Zertifikaten arbeiten, um einen nachhaltigen Palmöl-Anbau zu gewährleisten.1300

Bei anderen Produkten steht die Verringerung der Emissionen durch Transporte bzw. die Vermeidung langer Wege im Vordergrund (25).1301 Wenn Ware importiert wird, sollen Kompensationszahlungen für die Emissionen bei den Transporten vorgenommen werden. Bei solchen Zahlungen wird in Klimaschutzprojekte investiert, mit deren Hilfe so viel CO2 wieder eingespart wird, wie durch den Transport verursacht wurde.1302 Die Hersteller sollen sich zudem

möglichst kurze Vertriebswege suchen und beim Vertrieb Energie sparen.1303

Die Beispiele verschiedener Getränkehersteller1304 zeigen, dass die Unternehmen sich hier selber in der Verantwortung sehen (12) und sich bemühen, in „regionalen Kreisläufen zu denken und zu handeln.“1305 Während Slow Food insgesamt auf eine lokal organisierte Produktion Wert legt,1306 unterstreicht ein Redakteur der SZ die besondere Verantwortung von Bio-Herstellern.1307

Es werden ferner auch Möglichkeiten diskutiert, wie die Hersteller die von ihnen bei anderen Firmen beauftragten Transporte beeinflussen können. Den Ergebnissen eines Forschungsprojekts mit dem Titel „LOTOS“ zufolge, einer Kooperation des BMU, der TU Hamburg und dem Konzern Tchibo, könnten Unternehmen die von ihnen beauftragten Logistiker gezielt auffordern und dabei unterstützen, Emissionen zu vermeiden. Möglichkeiten werden z. B. in der Verwendung von Routenoptimierungssoftware, der Verringerung der Fahrtenzahl, dem Testen neuer Antriebstechniken, verstärkten Schifftransporten und einer geringeren Geschwindigkeit der Schiffe gesehen. Zudem können gezielt Reedereien ausgesucht werden, die dies ermöglichen.1308

 
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