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5.5.2.3 Gesellschaftliche Funktion von Unternehmen

Ein Großteil der Zuschreibungen an Unternehmen hat weiterhin mit der Rolle zu tun, die ihnen in der Gesellschaft zugewiesen wird. So bestünden die Aufgaben sowohl der Landwirtschaft als auch der Industrie vorrangig in der Ernährungssicherheit und der Förderung des Wohlstands der Menschen.1343 Es kommt zwar die Meinung vor, dass Klimaschutzaktivitäten dadurch eher zweitrangig, wenn nicht sogar vernachlässigbar werden – so etwa Ministerin Aigner, nachdem von Experten die „stärkere Ausrichtung auf eine ökologische Landwirtschaft“ gefordert wird:

„‚Die Weltbevölkerung wächst rapide', sagt sie. In den kommenden vier Jahrzehnten müsse die Produktion von Nahrungsmitteln um 70 Prozent gesteigert werden.

‚Fest steht: Wir werden die Welt nicht allein mit Bioprodukten ernähren können.' Flächen, auf denen ökologisch produziert werde, seien häufig weniger ertragreich und die Treibhausgas-Emissionen pro Liter Milch höher.“1344

Es wird jedoch häufiger die Vorstellung vertreten, dass Landwirte zum Klimaschutz und Wohl der Menschen gleichzeitig beitragen bzw. letzteres mit Klimaschutzmaßnahmen fördern können. Besonders deutlich wird diese Auffassung im Rahmen der Forderung von EU-Politikern, die EU-Agrarsubventionen für Landwirte stärker an gesellschaftliche Leistungen wie Klimaschutzmaßnahmen zu koppeln und entsprechend als Lohn zu verstehen.1345

Während diese Argumentation im Hinblick auf die Verantwortung von Landwirten dominiert, wird mit Bezug auf andere Unternehmen in den Zeitungsartikeln verstärkt die Ansicht vertreten, dass ihre Aufgabe nicht nur darin besteht, den gesellschaftlichen Wohlstand zu gewährleisten, sondern dies mit einer langfristig angelegten, nachhaltigen Geschäftsstrategie zu tun.1346 Unternehmen werden somit dazu aufgefordert, rentabel und strategisch zu wirtschaften. Der Beitrag zum Klimaschutz wird insofern als genuiner Bestandteil einer solchen Geschäftsstrategie aufgefasst, womit es den Unternehmen zukommt, ökonomische und ökologische Ziele gewinnbringend miteinander in Einklang zu bringen.1347 Diese Position kann durch die Beschreibung der Strategie des japanischen Konzerns Panasonic verdeutlicht werden, die das Ziel hat, Klimaschutz und Wohlstand durch die Verbindung von ökonomischen und ökologischen Zielen zu integrieren:

„Der Klimawandel sei die größte Herausforderung für die Menschheit, betont Ohtsubo [Konzernleitung von Panasonic; I. S.]. ‚Wenn Panasonic es nicht schafft, darauf eine Antwort zu geben, dann würden wir unser Kerngeschäft infrage stellen.' (...) Und mit Systemen, die den Energieverbrauch steuern und so gering wie möglich halten, will Panasonic dann mindestens 10 Trillionen Yen, etwa 87 Milliarden Euro, umsetzen.“1348

Auch wenn diese integrierte Sichtweise der Verantwortung von Unternehmen selten so deutlich dargestellt wird, basiert doch ein Großteil der Zuständigkeitsattributionen auf diesem Rollenverständnis der Unternehmen. So ist auch die Argumentation für die Zuständigkeitsattributtion aus den Ansprüchen der verschiedenen strategischen, also für den Unternehmenserfolg relevanten Stakeholder, heraus zu verstehen, die im nächsten Abschnitt dargestellt werden. Als strategisch relevante Stakeholder sind in den Artikeln die Politik, die Investoren und vor allem die Kunden vertreten.

 
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