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5.5.4 Zusammenfassung

Zusammenfassend zeigt sich, dass wie bei der Konsumentenverantwortung auch bei der Unternehmensverantwortung etliche Probleme und Schwierigkeiten kontrovers diskutiert werden. Der Einwand von Ministerin Aigner etwa, die Landwirtschaft sei für den Klimawandel nicht besonders relevant, wird nicht nur von Gerd Billen, dem damaligen Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, widerlegt.1384 Auch der zu der Zeit amtierende „Präsident des Umweltbundesamts, Jochen Flasbarth, korrigierte Aigner. (...) ‚Wenn jeder Teilbereich für sich in Anspruch nimmt, nicht relevant zu sein, dann werden wir nie schaffen, den Ausstoß von Klimagasen zu senken.'“1385

Die Gesamtfazits der Artikel fallen bei 106 von 120 Artikeln positiv aus und erachten eine Corporate Social Responsibility für den Klimaschutz im Ernährungsbereich somit als notwendig und begründet. 14 Artikel schließen mit einem ambivalenten Fazit, während eine gänzliche Zurückweisung von CSR nicht festgestellt wurde.

Während bei den Landwirten vor allem die Politik als Attributionssender auftritt und die Landwirte über eine Veränderung der Subventionspolitik zu einem klimafreundlicheren Handeln bringen will, ergreifen in der Lebensmittel verarbeitenden Industrie, bei den Herstellern von Haushaltsgeräten, bei Stromanbietern und auch im Handel Unternehmen selbst die Initiative, da sie auf gesellschaftliche Anspruchshaltungen reagieren. Dass neben den Bauern vor allem große Handels- und Industriekonzerne als Adressaten der Verantwortungsattribution auftreten, dürfte ihrer Machtposition in der globalen Lebensmittelwertschöpfungskette geschuldet sein, auch wenn diese vereinzelt von den Unternehmen zurückgewiesen wird.1386

Ein wichtiger Bestandteil der CSR im Ernährungsfeld ist – entsprechend der Expertenmacht der Unternehmen – die Unterstützung nachhaltiger Konsummuster durch ein klimafreundliches Angebot von Produkten und Dienstleistungen sowie die Bereitstellung von Informationen. Deutlich hat sich auch die gesellschaftliche Rolle von Unternehmen gezeigt, die nicht nur die Bevölkerung mit Lebensmitteln versorgen soll, sondern auch den Interessen weiterer Stakeholder verpflichtet ist.

Insgesamt lässt sich vor allem bei einer Betrachtung der Grenzen von ConSR und CSR im Vergleich erkennen, dass viele der Probleme, mit denen sich die Unternehmen bei der Wahrnehmung ihrer Verantwortung auseinandersetzen, die Probleme der Konsumentenverantwortung spiegeln: Die komplexe Berechnung des PCF von Produkten beispielsweise stellt für Unternehmen und ihre Reduktions- und Kommunikationsziele ebenso ein Problem dar wie für Konsumenten, die keine belastbaren Daten erhalten, auf die sie ihre klimabewusste Entscheidung stützen können. Sind bestimmte Zutaten für ein Produkt in der Region nicht verfügbar, ist dies nicht nur ein Problem für die regionale Produktion, sondern auch für den regionalen Konsum. Fehlt bei Kunden hingegen die Zahlungsbereitschaft oder ändern sie ihr Einkaufsverhalten aus Gewohnheitsgründen nicht, stellt sich dies als Begrenzung des Handlungsspielraums der Unternehmen dar.

Daraus ergeben sich entsprechende Hinweise auf die Gemeinsamkeiten von CSR und ConSR. Im nächsten Abschnitt wird aus diesem Grund noch einmal zusammenfassend dargestellt, inwiefern die gemeinsame Verantwortung in den Zeitungen diskutiert wird und wie CSR und ConSR aufeinander bezogen werden.

 
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