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Chancen

Die Chancen des Ansatzes liegen vor allem darin, dass er am stärksten in Richtung Auflösung etablierter und festgefahrener Strukturen hinwirkt und so den Wirtschaftsakteuren und der Gesellschaft echte Alternativen zum Wachstumsparadigma im Sinne einer an Suffizienz orientierten Postwachstumsökonomie bietet. Es handelt sich um einen Ansatz, der langfristig das strukturelle Problem zu überwinden hilft, das sich der Wirtschaft in nachhaltiger Hinsicht stellt: Wie kann die Wirtschaft mit Notwendigkeiten der Suffizienz umgehen? Mit dem Ansatz der Verantwortungsgemeinschaft besteht die Möglichkeit, durch die gegenseitige Erweiterung von Handlungsspielräumen eine Nachhaltigkeitsspirale in Gang zu setzen, die eine Nachhaltigkeitstransformation bewirkt1459 und den Akteuren gleichzeitig Zukunftsperspektiven bietet: „[A] co-operation and mutual responsibility sharing situation is best for all, in the long run“ (Brinkmann 2007, S. 98). Dieser Ansatz entspricht somit der in Kapitel 4 entwickelten Perspektive einer positiven, zukunftsgerichteten gemeinsamen Verantwortung.

Grenzen

Auf den ersten Blick lassen sich bei diesem Modell kaum Nachteile finden. Es stellt eine sinnvolle, langfristige Strategie für einen nachhaltigen Umbau der Marktwirtschaft dar. Allerdings muss deutlich gemacht werden, dass diese auf mentalen Strukturen aufbaut, die sich sehr stark, und vor allem mehr als die anderen Szenarien, vom aktuellen „business as usual“ unterscheidet. Zwar sind Ansätze vorhanden, doch sind sie deshalb keinesfalls als verbreitet zu bezeichnen. Dies gilt vor allem auch für ihre kulturellen Grundlagen – dazu gehören insbesondere gegenseitiges Vertrauen und die Abkehr vom Wachstumsgedanken. So sei auch die Politik noch sehr zurückhaltend beispielsweise hinsichtlich des Themas Sharing Economy, wie Harald Heinrichs von der Universität Lüneburg in der SZ zitiert wird.1460 Die Hindernisse zeigen sich zudem etwa darin, dass Konsum in Politik und Medien weiterhin als „Motor der Wirtschaft“ propagiert wird,1461 wodurch ein normativ-kultureller Widerspruch entsteht, der nicht ohne Weiteres überwunden werden kann. Selbst wenn sich für Unternehmen langfristig stabile Geschäftsmöglichkeiten eröffnen,1462 erscheint ein vorsichtiger Umgang mit dem notwendigen nachhaltigen Umbau von Geschäftsmodellen allein aufgrund der davon unter Umständen betroffenen Arbeitsplätze geboten. Davon abgesehen bestehen die Gefahren des sogenannten „System-Rebounds“ (Schneidewind/Palzkill 2012, S. 12) von Suffizienzstrategien: „Sie schaffen durch den Verzicht in einem Bereich finanzielle Freiräume, die für Mehrkonsum in anderen Bereichen genutzt werden könnten: Entrümpelung im Wohnbereich oder der Verzicht auf das eigene Auto könnten finanzielle Spielräume für Fernreisen schaffen“ (ebd.).

 
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