< Zurück   INHALT   Weiter >

6.1.5 Zusammenfassung

Die vier Modelle (siehe Abbildung 5) stellen mögliche Ausprägungen einer gemeinsamen Verantwortung von Unternehmen und Konsumenten dar. Dabei kann die Verantwortungsgemeinschaft die Funktion einer Leitidee einnehmen, da sie das größte Potenzial für einen Umbau der marktwirtschaftlichen Strukturen weg vom Konsum- und Wachstumsparadigma hin zu einem nachhaltigen Paradigma in sich birgt. Der Gedanke der Gegenmacht, der die Beziehung von Unternehmen und Konsumenten stark prägt, wird dabei ersetzt durch den Gedanken der Kollaboration,1463 wodurch das Engagement nicht gegeneinander, sondern gemeinsam für eine nachhaltige Entwicklung eingesetzt werden kann.

Abbildung 5: Szenarien geteilter Verantwortung von Unternehmen und Konsumenten, eigene Darstellung.

Auch wenn dieses Modell sich vorrangig auf in der Literatur dargestellte Praxisinitiativen beruft, sollte dies nicht darüber hinweg täuschen, dass diese Beispiele bisher nur sehr vereinzelt existieren und keinesfalls einen „Trend“ oder gar einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel anzeigen. Dies hat sich unter anderem in den in Kapitel 5 analysierten Zeitungsartikeln gezeigt, in denen nur sehr wenige Beispiele genannt wurden, die in diese Richtung weisen.

So ist es denkbar, dass gerade die Integration der Szenarien in Form eines Entwicklungsprozesses für eine gemeinsame Consumer und Corporate Social Responsibility notwendig ist. Bei diesem würde zunächst die Gegenmacht der Konsumenten geweckt (z. B. von NGOs), die sich gegenüber Unternehmen positionieren und sie zu einem Umdenken auffordern. Gleichzeitig wären dadurch jedoch auch die Konsumenten aufgerufen, eigene Konsummuster und ihre Rolle für die Gestaltung nachhaltigerer Produktlebenszyklen zu überdenken. Effizienzmodelle wie das des Grünen Wachstums können einen Zwischenschritt darstellen, um einerseits Angebot und Nachfrage für Nachhaltigkeit aufgeschlossener zu machen und Resistenzen gegenüber dem Suffizienzmodell zu überwinden und andererseits auch gegenseitiges Vertrauen zu stärken. Wichtig ist dann wiederum der Impuls von engagierten Konsumenten oder Unternehmern, um neue Wege jenseits des Wachstumsmodells zu finden.

Durch dieses gegenseitige Herausfordern auf verschiedenen Ebenen und im Wechselspiel verschiedener Sektoren kann unter Umständen erst die notwendige Innovationskultur geschaffen werden, auf der Verantwortungsgemeinschaften langfristig aufgebaut werden können. Gemeinsame Verantwortung bedeutet schließlich nicht nur Kooperation, sondern auch Konflikt: „Sharing responsibility partly means that agents challenge one another and call one another to account for what they are doing or not doing.“ (Young 2007, S. 186)

 
< Zurück   INHALT   Weiter >