Theorien der modernen Industriegesellschaft

Wieso kommt es zur Herausbildung moderner Industriegesellschaften und postindustrieller Gesellschaften? Aufbauend auf Modernisierungstheorien gehen Theorien der modernen Industriegesellschaft zumeist davon aus, dass die Ursache für eine Veränderung der Gesellschaft in dem Aufkommen neuer Technologien und der zunehmenden Organisation der Produktion in arbeitsteiligen Großunternehmen wie beispielsweise Fabriken liegt. So ermöglichen etwa die Erfindung der Dampfmaschine, des Verbrennungsoder Elektromotors nicht nur einen erhöhten und effektiveren Krafteinsatz, der die menschliche, auf Muskeln beruhende Arbeitskraft in vielen Bereichen ersetzt. Auch führen der Einsatz der Maschinen zu neuen Möglichkeiten und weiteren Erfindungen etwa in der Güterproduktion oder im Transportund Verkehrswesen wie etwa Eisenbahnen oder Kraftfahrzeuge, die in der Folge tief greifende gesellschaftliche Veränderungen mit sich bringen. In Theorien der Industriegesellschaft ist also eine Art „technologischer Determinismus“ enthalten. Alle wirtschaftlichen, politischen und sozialen Gesellschaftsstrukturen einschließlich der Sozialstruktur sowie der Denkund Verhaltensweisen der Menschen passen sich an die neuen Technologien und Produktionsweisen an, sodass letztlich „[a]lles Ständische und Stehende verdampft“, wie Karl Marx und Friedrich Engels (1971, S. 465) prägnant formulieren (Andorka 2001, S. 502; Strasser und Randall 1979, S. 85). Die Industrialisierung zieht somit die Entstehung der Industriegesellschaft nach sich.

Charakteristisch für die sich herausbildende Industriegesellschaft sind (Aron 1964; Toffler 1980, S. 58 ff.):

1. Die Standardisierung (Festpreise, kollektive Arbeitsund Anstellungsbedingungen, immer wiederkehrende Arbeits und Produktionsabläufe,

„Normalfamilien“)

2. Die Spezialisierung (etwa die Ausdifferenzierung der Berufe, die Trennung von Erwerb und Haushalt, von Produktion und Konsumption sowie der Rollen von Frau und Mann)

3. Die Synchronisierung und Rationalisierung, die sich beispielsweise an dem gemeinsamen Feierabend und der damit verbundenen „rush hour“, der Fabriksirene oder der Devise „Zeit ist Geld“ erkennen lassen

4. Die Konzentration (zum Beispiel der politischen Herrschaft, des Lebens in Städten, der Produktion in Fabriken und Konzernen sowie der Monopolbildung)

5. Die Zentralisierung (etwa von Bürokratien oder Unternehmensleitungen)

6. Die Maximierung (wie zum Beispiel immer höhere Gebäude und Produktionszahlen, immer mehr Autobahnen)

 
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