Bevölkerungszahlen im internationalen Vergleich

Deutschland war 2012 mit geschätzten 82 Mio. Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Europäischen Union. Es folgten Frankreich mit knapp 64 Mio., Großbritannien mit etwa 63 Mio. und Italien mit ungefähr 61 Mio. Bewohnern. Diese vier Länder umfassten mit ihren rund 270 Mio. Einwohnen etwas mehr als die Hälfte der auf 503 Mio. geschätzten Einwohner der 27 Länder der Europäischen Union. Wenn man die Europäische Union als eine politische Einheit versteht, so ist sie die bevölkerungsreichste moderne politische Region der Welt. Die Vereinigten Staaten folgten mit ca. 315 Mio. und Japan mit etwa 126 Mio. Menschen. Gleichwohl ist die Europäische Union von den Bevölkerungszahlen der bevölkerungsreichsten Länder der Welt weit entfernt. In China lebten 2012 in etwa 1353 Mio. und in Indien ungefähr 1258 Mio. Menschen. Zusammen lebten in China und in Indien somit etwas mehr als ein Drittel der 7 Mrd. Menschen weltweit (Statistisches Bundesamt 2012b, S. 634 ff., Abb. 3.16).

Während die Bevölkerung Deutschlands trotz Zuwanderung leicht rückläufig ist, steigen die Bevölkerungszahlen der Mehrzahl der europäischen Länder leicht an. Dies ist jedoch zumeist auf Zuwanderungen und weniger auf die Geburtenzahlen zurückzuführen. Da aber in allen Ländern der Europäischen Union seit mehreren Jahren geburtenschwache Jahrgänge zu verzeichnen sind und je Frau die

Abb. 3.16 Entwicklung der Globalbevölkerung, 1700–2050. (Quelle: Deutsche Stiftung Weltbevölkerung)

Kinderzahl unter dem Bestanderhaltungsniveau liegt, werden in den Ländern der Europäischen Union sich in Zukunft die Bevölkerungszahlen reduzieren. Hinzu kommt, dass die Mehrzahl der Zuwanderung sich auf wenige Regionen beschränkt wie etwa Italien, Spanien oder Großbritannien. Demnach sind die Bevölkerungsrückgänge in diesen Regionen schwächer ausgeprägt beziehungsweise gehen die Prognosen zum Teil sogar von einem Bevölkerungswachstum aus (Statistisches Bundesamt 2012b, S. 634).

Im Unterschied zu der Bevölkerungsentwicklung der europäischen Gesellschaften steigen die Bevölkerungszahlen in den außereuropäischen Gesellschaften zumeist an. Auch wenn weltweit in der Regel die Geburtenraten zurückgehen, liegen sie zumeist immer noch über dem Bestandserhaltungsniveau, sodass schon in Folge der Geburtenzahlen die Bevölkerungen anwachsen. Zudem lässt sich auch ein Anstieg der Lebenserwartungen in fast allen Regionen der Welt beobachten mit der Konsequenz, dass die Menschen immer länger leben. Dementsprechend verzeichnen viele weniger moderne Gesellschaften einen starken Bevölkerungsanstieg. Nach verschiedenen Vorausberechnungen ist zu erwarten, dass in Zukunft vor allem die Bevölkerungen in den ärmsten Regionen der Welt am stärksten anwachsen. Da der Geburtenrückgang in den weniger entwickelten Gesellschaften derzeit aber schneller abläuft als etwa im 19. Jahrhundert in Europa, ist davon auszugehen, dass der weltweite Bevölkerungsanstieg in den nächsten Jahrzehnten immer weiter abnimmt und in der Hälfte des 21. Jahrhunderts voraussichtlich endet. Wenn dann in den derzeit bevölkerungsanwachsenden Gesellschaften die geburtenschwachen Jahrgänge Eltern sein werden, wird die Weltbevölkerung abnehmen (Birg 2001, S. 29).

Der Bevölkerungsanstieg in den weniger und vor allem in den am wenigsten entwickelten Gesellschaften ist jedoch mit verschiedenen Problemen verbunden. So ist zum Beispiel in einigen Ländern die Ernährungssituation phasenweise sehr unsicher und je nach Ernährungslage müssen unterschiedliche hohe Anteile der Bevölkerung Hunger leiden oder gar verhungern. In Folge globalisierter Märkte und verschiedenen wirtschaftlichen und finanziellen Abhängigkeiten ist auch die wirtschaftliche Situation in den bevölkerungswachsenden Regionen zumeist unzureichend. Dementsprechend ist die Wahrscheinlichkeit von Auswanderungen sehr hoch. Dadurch, dass für arme Bevölkerungsgruppen Auswanderungen in der Regel nicht möglich sind und vor allem gut ausgebildete Menschen auswandern, verschärft sich die Situation in den ärmsten Regionen (Abb. 3.17).

Abb. 3.17 Anteil der Weltbevölkerung (in %) in ausgewählten Regionen 1960–2050. (Quelle: Europäische Kommission 2007, S. 57)

 
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