Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im Fußballumfeld – Herausforderungen für die Prävention

Gunter A. Pilz

Einleitung

Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sind und bleiben eine Gefahr für die Demokratie und die politische Kultur Deutschlands, dies gilt auch für den Fußball als "Brennglas" gesellschaftlicher Entwicklungen und Problemfelder.

Die Perspektivlosigkeit junger Menschen, die in Teilen der Fußballszene schon seit jeher zumindest vorhandene rechte Gesinnung, die Verherrlichung und Faszination der Gewalt sowie die bei Nationalmannschaftsund Europacupspielen sich anbietende nationalistische Bühne haben die Fans, Hooligans, Ultras und den organisierten Rechtsextremismus näher zusammengebracht und in manchen Fällen zu einer gefährlichen Symbiose geführt. Der latente Rassismus eines Teils der Gesellschaft manifestiert sich im Fußballumfeld.

Ja mehr noch: die zu beobachtende Bedeutungslosigkeit des organisierten Rechtsextremismus in der Gesellschaft scheint dazu zu führen, dass sich die Rechtsextremisten in gesellschaftliche Nischen und hier u. a. in die Fankurven zurückziehen. Oder anders ausgedrückt: Rechtsextreme kommen auch deswegen zunehmend ins Stadion, weil sie den Eindruck haben, dass das Stadion zunehmend eine gute Bühne für ihren gesellschaftlichen Kampf bietet, was oft auch im "antifaschistischen Lager" so gesehen wird, sodass es immer häufiger zu politischen Stellvertreterkämpfen in den Fußballarenen kommt.

Erscheinungsformen und Entwicklungstendenzen

Erscheinungsformen im Amateurfußball

Aufgrund der in unserer vom Bundesministerium des Innern in Auftrag gegebenen Expertise "Rechtsextremismus im Sport in Deutschland und im internationalen Vergleich" (Pilz u. a. 2009) zusammengetragenen Daten kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt festgestellt werden, dass in den vergangenen Jahren zwar Fälle öffentlich wurden, in denen rechtsextreme Personen und/oder Gruppen im Sport in der Form aufgefallen sind, dass sie aktiv Sportvereine, Sportveranstaltungen und Wettbewerbe als Plattform für ihre politische Gesinnung und zur Agitation zu nutzen suchten. Allerdings können keine verlässlichen Aussagen darüber getroffen werden, wie intensiv sich die tatsächliche Einflussnahme rechtsextremistischer Gruppen oder Personen im Sport darstellt bzw. wie gefährlich die Tendenzen eingeschätzt werden müssen. Rechtsextreme Vorfälle lassen sich dabei in folgenden Bereichen beobachten:

• Im Rahmen von sog. "Zeltlagern" werden Kindern und Jugendlichen Sportangebote unterbreitet, die sie "stählen" und "selbstbewusst machen" sollen;

• besonders in ländlichen Räumen werden "Freizeitturniere" in populären Sportarten initiiert, um sich als Teil des "normalen Sportbetriebes" darzustellen;

• Sportveranstaltungen werden gezielt für öffentlichkeitswirksame Präsentation von rechtsextremen Aussagen genutzt;

• Rechtsextremisten streben ehrenamtliche Funktionen in Sportvereinen an (Trainer, Betreuer, Posten im Vereinsvorstand);

• Rechtsextremisten treten als Sponsoren auf, versprechen finanzielle Förderung (in Sachsen bekam einen C-Jugend-Mannschaft Trikots mit der Aufschrift "Fit fürs Reich" gesponsert);

• Gezielte – schleichende – Infiltration von Rechtsextremisten in bestehende Vereine bzw. der Versuch aktiver Teilnahme an Wettbewerben;

• Vereinsmitglieder fahren mit Vereinsbus zur NPD-Versammlung, Vereins-Gaststätten werden für Parteiversammlungen oder Kameradschaftstreffen vermietet;

• Rechtsextremisten gründen eigene Sport-/Fußballvereine.

 
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