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Handlungsfelder

Die Programme der integrierten Stadtund Quartiersentwicklung in Deutschland und der Schweiz und die Rolle der Gemeinwesenarbeit

Jutta Guhl

Programme zur integrierten Stadtund Quartiersentwicklung verfügen im europäischen Raum mittlerweile über eine gewisse Tradition. In Frankreich wird bereits seit den 1970er Jahren mit nationalen Programmen, bekannt v.a. unter dem Begriff politique de la ville, versucht, Problemen sozial segregierter Stadtquartiere zu begegnen. (Vgl. Glasze/Weber 2010: 456 ff.)

In Deutschland startete 1999 das Bundesprogramm Soziale Stadt. Länderprogramme der integrierten Stadtentwicklung, etwa in Nordrhein-Westfalen, gingen voraus. Hintergrund waren Entwicklungen in „benachteiligten“ städtischen Quartieren, in denen infolge zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung und eines Strukturwandels der Wirtschaft Arbeitslosigkeit und Verarmung sichtbar wurden. Die Situation stellte sich – auch bei unterschiedlichen Enstehungskontexten – sowohl in Westals auch in Ostdeutschland: In Westdeutschland wurde seit etwa Mitte der 1960er Jahre auf die damalige Wohnungsnot mit dem Bau von Grosswohnsiedlungen, häufig in Form des damals exisitierenden sozialen Wohnungsbaus, reagiert. Die hochverdichtete Bauweise galt als attraktiv, zumal die neuen Wohnungen in der Regel über einen höheren Ausstattungsstandard verfügten als die Altbauten dieser Zeit. Innerhalb weniger Jahrzehnte allerdings zeigten die Trabantenstädte Mängel (frühzeitige Renovierungsbedürftigkeit, Stadtrandlage mit mangelnder Erschliessung, fehlende Infrastruktur), was zu einem vermehrten Wegzug mittelschichtiger Bewohner und Bewohnerinnen führte. Die verbleibende Bevölkerung zeichnete sich häufig durch einen niedrigen sozio-ökonomischen Status aus und war damit dem vor allem ab den 1970er Jahren konstatierten Strukturwandel am deutlichsten ausgesetzt. Zunehmende Arbeitslosigkeit, Armut und Perspektivlosigkeit waren die Folge und wurden durch die räumliche Konzentration vor allem in den betroffenen Wohngebieten sichtbar. Diskutiert wurde und wird auch immer wieder die Frage der Kontexteffekte. (Vgl. etwa Farwick/Voges 1997, Dangschat 2002, Häußermann/Siebel 2004, Häußermann/Kapphan 2004)[1]. In der DDR hatten die Grosswohnsiedlungen ein noch grösseres Gewicht bei der Wohnversorgung der Bevölkerung. Nach der Wiedervereinigung setzten allerdings dann rasch auch in den ostdeutschen Grossüberbauungen Abwertungsprozesse ein, was verbunden mit der Abwanderung nach Westen zu teils gravierenden Leerständen führte.

1999 wurde das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt ins Leben gerufen.

„Ziele des Programms sind,

§ die physischen Wohnund Lebensbedingungen sowie die wirtschaftliche Basis in den Stadtteilen zu stabilisieren und zu verbessern,

§ die Lebenschancen durch Vermittlung von Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen zu erhöhen,

§ Gebietsimage, Stadtteilöffentlichkeit und die Identifikation mit den Quartieren zu stärken“ (Bundestransferstelle Soziale Stadt in Krummacher 2007: 361)

Bis Ende 2013 wurden insgesamt 617 Massnahmen in 378 Kommunen gefördert. (Vgl. BMUB, o.J.)

In der Schweiz startete 2008 das Programm „Projets urbains – Gesellschaftliche Integration in Wohngebieten“ mit dem Ziel, „die Lebensqualität und den gesellschaftlichen Zusammenhalt“ in „belasteten Wohngebieten“ zu verbessern. (Vgl. BWO, o.J.). Ideengeber war vermutlich zum einen das deutsche Programm Soziale Stadt. Aber auch in der Schweiz selbst gab es bereits vor der Entstehung des Programms Projets urbains Massnahmen integrierter Quartierentwicklung, z.B. Integrale Aufwertung Kleinbasel, BaBel in Luzern oder „Allons-y-Telli" in Aarau. Es handelt sich bei Projets urbains ebenfalls um ein die verschiedenen politischen Bereiche übergreifendes Programm, das sich an kleinere und mittelgrosse Städte sowie Agglomerationsgemeinden richtet. Die Finanzhilfe des Bundes setzt eine Beteiligung des Kantons voraus und finanziert – dies im Gegensatz zum deutschen Programm – keine Infrastrukturmassnahmen (Müller et. al 2012: 4).

In der ersten Pilotphase (2008-2011) wurden Projekte in elf Gemeinden gefördert, in der zweiten Pilotphase (2012 bis 2015) in zehn Gemeinden (vgl. ARE, o.J).

  • [1] Gemeint ist damit die Frage, ob die Quartiere nicht nur aufgrund der sozialen Segregation die Orte sind, an denen die ökonomische und soziale Spaltung der Gesellschaft sichtbar wird, sondern ob darüber hinaus benachteiligende Effekte von den Quartieren ausgehen, etwa in Form von Stigmatisierung oder fehlenden Rollenmodellen
 
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