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2.3. (Fehlende) Niederschwelligigkeit und Alltagsnähe

Die mit der Umsetzung in den Programmgebieten Betrauten machen die Erfahrung, dass sich bei Partizipationsanlässen eher artikulationsmächtigere, häufig schon in Vereinen oder Parteien organisierte Personen und Gruppen wiederfinden. Während „… die Ansprache und Beteiligung nur schwer erreichbarer Bevölkerungsgruppen (Aussiedlerinnen und Aussiedler, Arbeitslose, Angehörige fremder Ethnien, Alleinerziehende) sowie von Geschäftsleuten“ (DIFU 2006: 20) eine Herausforderung darstellt. Dies ist eine Herausforderung, der sich auch Gemeinwesenarbeit in bottom-up-Kontexten gegenüber sieht.

Beteiligung von Menschen, die üblicherweise von Politik und Sozialer Arbeit mit den Vokabeln ‚benachteiligt', ‚bildungsfern', ‚migrantisch' beschrieben werden, wird, so die Erfahrung aus vielen Gemeinwesenarbeitsprojekten, am ehesten erreicht, wenn es gelingt, eine persönliche Beziehung aufzubauen, in der Menschen – häufig im Gegensatz zu ihrer bisherigen Lebenserfahrung – erleben können, dass ihre Meinung gefragt ist, wenn die Themen aufgegriffen werden, die für sie eine hohe Relevanz haben und wenn es gelingt, durch konkrete Veränderungen die Überzeugung, dass „die da oben ja doch machen, was sie wollen“, ins Wanken zu bringen. Oder wie Rausch (2002) schreibt:

„So gelingen GWA-Projekte nur dort, wo auch die jeweils Betroffenen in ihrer einzigartigen Individualität ernstgenommen, ganz persönlich angesprochen, in ihren individuellen Bewältigungsstrategien unterstützt und zur gemeinschaftlichen Teilhabe motiviert werden. Ohne die scheinbar selbstverständliche Präsenz der professionellen GemeinwesenarbeiterInnen im Alltag, ohne die vielen mühsamen Hingeh-Aktionen, um überhaupt ins Gespräch zu kommen (Unterschriften sammeln, Befragungen durchführen oder Infoständen anbieten), lässt sich ohnedies keine nachhaltige Aktivierung der BürgerInnen denken.“

2.4. Personelle Ausstattung und zeitlicher Rahmen

Hiermit sind wir bei einem weiteren Punkt, der häufig in Projektstrukturen und eben auch in den Programmen der integrierten Stadtentwicklung zum Problem wird: eine geringe personelle (und materielle) Ausstattung und eine fehlende zeitliche Perspektive (Vgl. DIFU 2006: 27). Die oben angesprochene Beziehungsarbeit erfordert Zeit. Wo Projekte auf wenige Jahre angelegt und die Arbeitsverträge entsprechend befristet sind, gelingt dies häufig nicht. Hinzu kommt, dass in vielen Projekten nur ein geringes Stellenkontingent zur Verfügung steht, das dann neben der Arbeit im Quartier auch noch die Vernetzung mit der Verwaltung leisten und die Information von Politik und Öffentlichkeit erfüllen soll. Häufig wird in diesem Zusammenhang auf bestehende Institutionen und ihre Personalressourcen verwiesen, die bereits im und für das Quartier tätig sind und die man synergetisch verknüpfen könnte. So wichtig es ist, möglichst viele involvierte Akteure zu vernetzen, liegt der Gewinn dabei weniger in freiwerdender Arbeitszeit, die es eher braucht, um die Vernetzung zu praktizieren, sondern in einer grösseren Perspektivenvielfalt und einer besseren Abstimmung der Aktivitäten. Durch knappe Mittelausstattung tendenziell unattraktive Arbeitsplätze leiden unter einer gewissen Fluktuation, und häufig gelingt es nicht, Fachpersonen mit einer spezifischen Berufserfahrung zu gewinnen, die es bei einer kurzen Laufzeit umso dringender bräuchte. Krummacher fasst dies anschaulich wie folgt zusammen:

„In den Ausschreibungen werden Multitalente mit den Fähigkeiten einer ´Eierlegenden Woll-Milch-Sau´ gefordert. Dazu passt es kaum, dass programmabhängig die Arbeitsverträge ganz überwiegend auf ein oder zwei Jahre befristet sind (ca. 2/3 der Verträge), in Teilzeitarbeit, manchmal auch in Form, von ´Ein-€-Jobs´ angeboten werden. Dementsprechend hoch ist die Personalfluktuation und können die – wesentlich auf persönlichem Vertrauen basierenden – Netzwerke oft nicht gesichert werden.“ (Krummacher 2007: 369)

 
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