Folgerungen, Herausforderungen für die Prävention im Profi

Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass – so wichtig es auch ist, Nulltoleranz gegenüber fremdenfeindlichen, rechtsextremistischen, rassistischen Äußerungen und Handlungen zu zeigen – die Lösung des Problems nicht allein in Verboten und Strafen liegen kann und darf. Dies umso mehr, als Repressionen zu Innovationen auf der anderen Seite führen können, also innovativ unterlaufen werden (Heitmeyer 2012).

Die Gegenstrategien lassen sich nach den jeweiligen Akteuren und den verfolgten Strategietypen unterscheiden. Als wichtige Akteure sind Fanprojekte, Polizei, Vereine, Verbände, Faninitiativen und Fans zu nennen.

In diesem Zusammenhang kommen neben pädagogischer Arbeit insbesondere Kampagnenarbeit, die Förderung von Selbstregulierungsmechanismen, das Festlegen von Regelwerken und Sanktionierungen sowie Vernetzungsarbeit zum Tragen. Für die Arbeit gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gibt es keine Patentrezepte; vielmehr ist eine kontinuierliche Arbeit mit unterschiedlichen Ansätzen und eine konstruktive, vernetzende Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure notwendig.

Selbstregulierungen stärken, mehr Diskursstatt Verbotspädagogik

Zunächst einmal gilt es, die Selbstregulierungsmechanismen aus der Fanszene nachhaltig zu unterstützen.

Für die Arbeit gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus lassen sich Rahmenbedingungen und Leitlinien formulieren, damit diese Arbeit nachhaltig wirksam wird. So ist in Bezug auf den Verein zentral, dass dieser sich eindeutig und rechtzeitig gegen Rassismus und Rechtsextremismus positioniert, um die erwähnten Sogwirkungen in der Fanszene zu vermeiden. Es darf in diesem Zusammenhang jedoch nicht das Ziel und Bestreben sein, rechtsorientierte Jugendliche aus dem Stadion zu verbannen, da das Problem auf diese Weise lediglich verlagert würde. Nicht die Verbotspädagogik, sondern die Diskurspädagogik ist gefordert: Es muss darum gehen, einen Diskussionsprozess einzuleiten, der sich mit den problematischen rechtsextremen Entwicklungen im Stadion und im Stadionumfeld kritisch auseinandersetzt.

Von großer Bedeutung ist hierbei die funktionierende Kommunikation zwischen den verschiedenen Akteuren rund um das Stadion. Praxisbeispiele zeigen, wie Kommunikationsstörungen beispielsweise zwischen Verein und Fanprojekt die Wirksamkeit der Arbeit schmälern oder gar Aktivitäten verhindern (vgl. Behn/Schwenzer 2006). Die präzise Festlegung von Verantwortlichkeiten und die Vernetzung der Akteure sind in diesem Zusammenhang sehr wichtig. Für alle Beteiligten gilt, dass Antirassismus als Querschnittsaufgabe und nicht als Pflichtprogramm verstanden werden muss. Gerade Kampagnenarbeit darf nicht einmalig sein, sondern muss von weiteren Maßnahmen flankiert werden. Kampagnen sind nur dann glaubwürdig, wenn sie Teil eines kontinuierlichen Konzeptes sind. Generell gilt, dass die soziale Verankerung von Maßnahmen ihre Wirksamkeit erhöht und sie dann besonders effektiv sind, wenn sie mit den Fans zusammen entwickelt oder zumindest von den Fans getragen werden. Antirassistische Arbeit bedeutet darüber hinaus auch, die eigene Institution beispielsweise hinsichtlich der Partizipation von Migrant/inn/en zu öffnen.

Fans reflektieren mitunter, dass rassistisches und rechtsextremes Verhalten dem Verein negative Schlagzeilen einbringt. Wenn es sich um vereinsidentifizierte Fans bzw. Zuschauer/innen handelt, dann achten sie darauf, dem Image des Vereins nicht zu schaden, und verhalten sich entsprechend, ohne sich aber inhaltlich unbedingt mit einer antirassistischen Haltung zu identifizieren. Deutlich wird aber auch, dass Teile der Fans bei rassistischem und rechtsextremem Verhalten couragiert einschreiten, weil sie solche Diskriminierungen und Äußerungen nicht tolerieren wollen. Dieser Teil der Fans muss von Verein und Fanprojekt unterstützt werden.

 
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