Das Internet ist nicht nur eine Gefahr, sondern auch eine große Chance

Ganze Seiten oder nur bestimmte Rubriken einer Homepage sperren zu lassen, kann für die bestehenden Probleme nicht die einzige Lösung sein. Außerdem steht zu befürchten steht, dass verbotene Gruppen im Netz hierdurch eher noch interessanter werden. Dies bedeutet aber nicht, dass im Umgang mit dem neuen Medium die Hände gebunden sind. Präsentationen, die gegen die Gesetze verstoßen, müssen verfolgt und beseitigt werden. Wenn in öffentlichen Chats oder Foren Nutzer mit rechtsextremen Nicknames wie beispielsweise "Dr. Mengele", "Landser" oder "Türkenkiller" auftreten, sind die Moderatoren sofort zu informieren, damit sie diese Namen sperren und deren Benutzer "verbannen" können.

Zweifelhafte Angebote sollten immer den zuständigen Behörden, z. B. dem Verfassungsschutz, Szenekontaktbeamten oder anti-rassistischen Hotlines gemeldet werden, damit dort geprüft werden kann, ob eine Strafverfolgung möglich ist oder andere Maßnahmen eingeleitet werden sollten. Angesichts der Dynamik und der grenzüberschreitenden Struktur des Internets gibt es allerdings Schwierigkeiten bei der Strafverfolgung, da bis dato keine einheitlichen, länderübergreifenden InternetGesetze existieren (vgl. Parker 2004: 252).

Es gibt im Netz aber auch vielfältige Möglichkeiten, Zivilcourage zu zeigen, und das sollte gezielt genutzt werden. Vor allem Gästebücher und Foren liefern zwar auf der einen Seite Rechtsextremen die Chance, die Fußballfanszene mit ihrer Propaganda zu unterwandern und neue Mitglieder für ihre Zwecke zu werben, auf der anderen Seite machen jedoch gerade diese offenen Strukturen problematische Websites "verletzlich". Zur Vernetzung der Szene eingerichtet, stehen sie jedem Internetnutzer auch für anti-rassistische, anti-sexistische und gegen Gewalt gerichtete Beiträge offen. Regelmäßige Einträge, die sich kritisch mit den geschriebenen Hass-Tiraden auseinandersetzen, wirken nicht nur störend, sondern können auch die Propaganda-Funktion der Gästebücher und Foren angreifen.

Weiterhin kann im Internet auch kritisch Stellung bezogen und eine argumentative Auseinandersetzung im Netz vorangetrieben werden. Jugendliche Nutzer haben in vielen Fällen dem einfachen und in sich geschlossenen Weltbild der rechtsextremen und gewaltbereiten Überzeugungstäter nichts entgegen zu setzen und lassen Propaganda auch nicht zuletzt aus Unbeholfenheit unwidersprochen. An dieser Stelle müssten medienpädagogische Konzepte entwickelt und in der Praxis erprobt werden, die Jugendliche auf die Konfrontation mit derartigen Angeboten vorbereiten und ihnen aufzeigen, wie man auch im Netz Flagge dagegen zeigen kann (vgl. Glaser 2004). Hier stellt sich vor allem den Fan-Projekten eine wichtige Aufgabe und eröffnet sich den Sozialpädagogen und -pädagoginnen eine große Chance für sozialpädagogische bzw. medienpädagogische Interventionen, die es künftig stärker zu nutzen gilt.

 
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