Fazit

Kommunale Planung, Soziale Arbeit und Gemeinwesenarbeit, Sozialpolitik und Planungen im Infrastrukturbereich müssen zukünftig mehr zusammengedacht und unter die gemeinsame Zielsetzung geschlechterdemokratischer Verbesserungen gestellt werden. Forschungen, Erfahrungsberichte und Planungsinstrumente hierzu sollen künftig weiterentwickelt werden. Geschlechterdemokratie zielt dabei auf ein Geschlechterverhältnis ab, das frei ist von Dominanz und Hierarchie. Demokratie ist demzufolge erst erreicht, wenn „weibliche und männliche Dimensionen – in all ihrer Unterschiedlichkeit – auf allen Ebenen, d.h. gesellschaftlich, politisch, ökonomisch und kulturell gleichberechtigt von vornherein berücksichtigt werden“ (Blickhäuser 2002: 7).

Bisher gerät die arrangierte Beteiligung allzu leicht in die Logik eines Managements der Einbindung von unterprivilegierten Bevölkerungsgruppen entsprechend der im neoliberalen, aktivierenden Sozialstaat erhobenen Forderung nach Selbstorganisation. Diese aber beraubt letztendlich die Betroffenen ihrer Stimme, statt sie zur Aktivierung ihrer eigenen Interessen zu motivieren. Denn das staatlich inszenierte Hochhalten von Selbsthilfe und Eigenverantwortung setzt sich gerade nicht mit den Voraussetzungen und existenziellen Bedingungen von Engagement auseinander, sondern verbrämt öffentliche Nichtzuständigkeit als Selbstorganisation. Echtes Empowerment verträgt keine Abkürzungen der Beteiligungsprozesse – Partizipation ist und bleibt eine politische Schlüsselfrage, die ohne geschlechtersensible (und andere) Differenzierung nicht adäquat angegangen werden kann.

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