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Wohnraumversorgung in einem Quartier und die Rolle der Sozialen Arbeit

Detlef Baum

1 Ausgangslage

Eine soziale Stadtentwicklung setzt auf ein gedeihliches Zusammenleben unterschiedlicher Gruppen. Das gemeinsame Interesse aller ist, dass jeder sich nach Maßgabe seiner Möglichkeiten entfalten kann und dazu die geeigneten sozialräumlichen Bedingungen vorfindet. Das geht nur mit der Beteiligung dieser unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen an den Prozessen der Stadtentwicklung. Das Ergebnis ist das eines Aushandlungsprozesses, in dessen Verlauf alle ihre Interessen artikulieren und ihre Bedürfnisse einbringen können.

Wohnraumversorgungskonzepte sollen aufzeigen, wie man sich in den nächsten Jahrzehnten das Wohnen in einer Stadt vorstellt, wer wo wohnen soll und unter welchen Bedingungen. Es geht also um eine Leitidee der Stadtentwicklung, der sich alle verpflichtet fühlen können, die alle mittragen können. Das setzt voraus, dass alle an seiner Entwicklung auch beteiligt sind.

In einem solchen Prozess werden Bewohnerinnen und Bewohner zu Akteuren, d.h., sie machen die Erfahrung, dass man die Lebensumstände beeinflussen kann, unter denen man lebt, dass man das Soziale in einem Quartier mitgestalten kann. Über einen solchen Prozess lernen die Bewohnerinnen und Bewohner, sich als Teil einer res publica zu verstehen, für die sie mitverantwortlich sind. Und diese Beziehung ist konstitutiv für soziale Integration.

Private Investoren lernen, dass sie Teil eines sozialpolitischen Integrationsprozesses sind, dessen Prämisse ist, dass eine geeignete Wohnung und ein angemessenes Wohnumfeld auch konstitutiv sind für ein gedeihliches Zusammenleben.

Die Stadtverwaltung und die Stadtpolitik lernen, dass Wohnraumversorgung nicht nur einfach den Bau von Wohnungen bedeutet, sondern auch eine stadtgestalterische und städtebauliche Komponente enthält, die auf die Gestaltung des Sozialen, der Stadt als Gemeinwesen gerichtet ist.

Die Konsequenz einer solchen Entwicklung ist, dass sich die Beziehungen der Politik und Verwaltung, aber auch der Investoren zu ihrer Klientel verändern müssen. Es geht weniger um die Durchsetzung von politischen oder ökonomischen Zielen, auch weniger um die sozialpolitischen Entscheidungen über das Quartier und seine Bewohnerschaft, als vielmehr darum, wie Handlungsziele über Parteiund Gruppengrenzen hinweg mit denjenigen ausgehandelt werden können, die von der Umsetzung dieser Ziele betroffen sind. Es geht nicht mehr um Government, sondern um Governance.

Unter diesen Bedingungen gestalten sich Kommunikationsund Entscheidungsprozesse der Politik, aber auch Verwaltungsabläufe völlig anders.

Nicht nur, dass die Interessen und Handlungsziele in ihrer Divergenz erkannt und moderiert werden müssen. Die Akteure bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit, was ihre Motivation und ihre Kompetenzen betrifft. Im Falle der Entwicklung eines Wohnraumversorgungskonzepts reicht die Palette der Akteure vom Bankdirektor über die Vertreter der Bauund Immobilienwirtschaft und die Hausbesitzer, die als Vermieter auftreten, bis hin zu den Bewohnern selbst, die als Mieter von den Entscheidungen betroffen sind.

Das ist der Hintergrund, vor dem in diesem Beitrag zunächst drei Fragen diskutiert werden müssen:

§ Welche Bedeutung kommt der kommunalen Wohnraumversorgung im Kontext einer kommunalen Sozialstaatlichkeit zu?

§ Welche Rolle spielen die unterschiedlichen Akteure in der Entwicklung eines Wohnraumversorgungskonzepts, welche Interessen vertreten sie und wie sind sie positioniert?

§ Welche Funktion hat in dieser Entwicklung ein Moderationsprozess, der die unterschiedlichen Akteure zusammenführt; was muss dabei bedacht werden, damit er erfolgreich sein kann?

Im Kontext der Erarbeitung eines integrierten Konzepts für Quartiere mit einem besonderen Entwicklungsbedarf – also in benachteiligten Quartieren – stellt sich dann noch eine weitere Frage, nämlich: Welche Rolle hat in einem solchen Prozess Soziale Arbeit?

Diese Frage stellt sich nur dort, wo eine Bewohnerschaft selbst um gesellschaftliche Anerkennung ringt, nach Zugehörigkeit sucht und nach einer Vertrauensbasis, die ihr signalisiert, dass man das Leben im Kontext des Quartiers und mithilfe der anderen bewältigen kann.

 
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