Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Sozialwissenschaften arrow Soziale Arbeit und Stadtentwicklung
< Zurück   INHALT   Weiter >

5 Die Schnittstellen

Die Frage ist, wo die Schnittmengen liegen, wenn man auch die anderen beteiligten Akteure betrachtet.

Was interessiert die Stadt als politische Einheit oder als Gebietskörperschaft an der Entwicklung eines integrierten Handlungskonzepts für die Gestaltung der Wohnraumentwicklung?

Städte haben zunächst zwei Ziele, die sie strategisch miteinander verknüpfen müssen.

1. Sie wollen für eine Wohnbevölkerung attraktiv sein und bleiben, die aktiv am Wirtschaftsleben, am Arbeitsleben und am Konsum teilnimmt und die bereit ist, sich für die res publica verantwortlich zu zeigen und sie mitzugestalten.

2. Sie wollen durch die Gestaltung des Sozialen auch alle die einbinden, die in den genannten Bereichen nicht oder nicht mehr aktiv integriert sind und deshalb Wohnraum suchen, der auf dem freien Markt möglicherweise nicht mehr erschwinglich ist.

Bezogen auf die Wohnraumversorgung erfordert das Gebot der kommunalen Sozialstaatlichkeit, sich mit denen auseinanderzusetzen, die nicht unbedingt

„gebraucht“ werden, um die Attraktivität der Stadt zu erhöhen. In diesem Kontext muss die Stadtpolitik auf sozialräumliche Segregationsprozesse und ihre negativen Folgen achten und sie darf benachteiligte Quartiere nicht von der ökonomischen, kulturellen und sozialen Kerndynamik der Stadt abkoppeln.

Ob die Städte diesen Aufgaben immer gerecht werden, kann manchmal bezweifelt werden.

Welche Interessen haben die Bewohner?

Im Moderationsprozess geht es nicht um mietvertraglich regelbare Rechte und Pflichten. Vielmehr geht es um die Erwartungen an ein angenehmes Wohnumfeld, an eine angemessene Infrastruktur; es geht um Fragen, die mit Belastungsindikatoren zusammenhängen: um Verkehrsund Industrielärm, um (Verkehrs-) Sicherheit, um die Aufenthaltsqualität öffentlicher Räume, um eine wohnraumnahe Versorgung von älteren Menschen und um vieles mehr.

Es geht oft auch um die Freizeitqualität eines Quartiers, um seine Integrationspotenziale durch Vereine und Organisationen sowie die gute verkehrstechnische Anbindung an die Kernstadt, die dann eine mentale und soziale Nähe zur Kernstadt fördert.

Wenn wir nach Schnittmengen zwischen privaten Investoren, der Stadt als kommunalem Wohnungsanbieter und der Bewohnerschaft suchen, wenn wir auch noch einmal die Frage nach dem Verständnis stellen, das die einzelnen Akteure von ihrer Stadt als Gemeinwesen haben, dann schälen sich folgende Punkte heraus:

§ Im Rahmen einer sozialen Stadtentwicklung sind private Investoren an einer zufriedenen Mieterschaft interessiert, wobei die Wohnzufriedenheit sich sowohl auf die Ausgestaltung der Wohnung als auch auf die Strukturen des Wohnumfelds beziehen, die nur in Verbindung mit Stadtplanung und Stadtentwicklung hergestellt werden können. Die Stadt ist auf der einen Seite daran interessiert, allen Bürgern ein „gutes Leben“ nach Maßgabe ihrer Möglichkeiten zu sichern, auf der anderen Seite will sie auch attraktiv sein für bestimmte Bevölkerungsgruppen, die sie integrieren möchte.

§ Dies trifft sicher auch auf die Bewohnerschaft zu, die in der Regel neben dem sozioökonomischen Interesse (wie gestaltet sich das Verhältnis zwischen Mietpreis, Wohnqualität und ökonomischen Ressourcen) ein soziokulturelles Interesse der sozialen Verortung hat.

§ Ökonomische Interessen der privaten Investoren sind für die Stadt auch insofern von Bedeutung, als die Stadt an ökonomisch privilegierten Quartieren, also gehobenen Quartieren für eine wirtschaftlich „kräftige“ Bewohnerschaft interessiert sein muss, um sich als Konsumund Wirtschaftsstandort zu profilieren.

§ Dort, wo die Stadt ihrer Sozialstaatsverpflichtung nachkommt, ist die Frage gemeinsamer und zugleich divergierender Interessen eine Frage des Aushandlungsprozesses, der von der Stadt gesteuert werden muss, um private Investoren nicht abzuschrecken. Es geht also auch um Erleichterungen, die eine Stadt anbieten muss, um den Wohnraum in benachteiligten Quartieren so attraktiv wie möglich aufrechtzuerhalten, und zwar sowohl für die privaten Investoren wie auch für die Bewohnerschaft.

§ Das setzt allerdings ein anderes Verhältnis zwischen Stadt und privaten Investoren voraus. Bislang war die Stadt für die privaten Investoren „Behörde“, Bürokratie, Anlaufstelle für Anträge etc., und die Stadt wiederum betrachtete die privaten Investoren als Klienten – sicher auch als willkommene Klienten. Was sich ändern muss, ist der Kommunikationsstil zwischen beiden. Sie müssen voneinander lernen und jeweils erkennen, dass sie möglicherweise grundsätzlich das gleiche wollen: eine Stadt, in der es sich zu leben lohnt.

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften