Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Politikwissenschaft arrow Politik und Regieren in Niedersachsen
< Zurück   INHALT   Weiter >

Die FDP in Niedersachsen

Wandlungsfähige Partei mit ungewisser Zukunft

Jan Treibel

1 Einleitung

Seit der historischen Niederlage der FDP bei der Bundestagswahl 2013 gelten die Liberalen als existenziell bedroht. In nur noch sieben deutschen Landtagen sind die Freien Demokraten vertreten, darunter auch Niedersachsen. Mit 9,9 Prozent der Zweitstimmen feierte die FDP zwar 2013 hier ihr bestes Wahlergebnis aller Zeiten. Doch auch im Land zwischen Weserbergland und Nordseeküste müssen die Liberalen um ihre Zukunft bangen. Die Gründe dafür und die Entwicklung dorthin analysiert der folgende Beitrag, der die FDP Niedersachsen hinsichtlich ihrer Geschichte, ihrer internen Organisation und ihrer Programmatik porträtiert.

2 Historische Entwicklung

Die Geschichte der FDP war in Niedersachsen genauso wie in anderen Bundesländern durch mehrmaliges Wechseln der Koalitionspartner, Veränderung der programmatischen Schwerpunkte und Austauschen der Wählerund Mitgliederreservoirs gekennzeichnet. Ein schlaglichtartiger Blick auf die historische Entwicklung, auf die Wahlergebnisse und Regierungszeiten kann vier unterschiedliche Phasen der Parteigeschichte identifizieren:

2.1 Gründungsphase

Die Gründung der FDP in Niedersachsen knüpfte an die Tradition der liberalen Parteien des Kaiserreichs und der Weimarer Republik an. Bis 1945 hatten auch in Norddeutschland mindestens zwei, meist sogar deutlich mehr liberale Parteien firmiert. Die beiden wichtigsten waren die linksliberale Deutsche Demokratische Partei (DDP) und die nationalliberale Deutsche Volkspartei (DVP).1 Nach Ende des Nationalsozialismus waren aber praktisch keine Organisationsstrukturen von DDP und DVP mehr vorhanden, auf die man sich bei den (Neu-)Gründungen hätte stützen können. Analog zu den Entwicklungen bei den anderen deutschen Parteien wurde die Gründung der FDP daher maßgeblich von der Zulassungsund Lizenzierungspolitik der alliierten Besatzungsmächte bestimmt und erfolgte von der kommunalen Ebene aufwärts und in jeder Zone separat. Im Gebiet des heutigen Niedersachsens kam es zwar schon ab 1945 zu zahlreichen Neugründungen liberaler Parteien, diese erfolgten aber weitgehend isoliert und sporadisch voneinander anstatt abgestimmt und synchron.2 Noch bevor ein einheitlicher Landesverband für das neue Bundesland Niedersachsen gegründet werden konnte, schlossen sich die Liberalen in der gesamten britischen Zone am 7. Januar 1946 in Opladen zur Freien Demokratischen Partei der britischen Zone zusammen.3 Damit war zumindest organisatorisch die traditionelle Spaltung von Linksund Rechtsliberalen überwunden. Der Landesverband FDP Niedersachsen wurde erst am 28. Mai 1947 durch den Zusammenschluss der zuvor eigenständigen Landesverbände Braunschweig, Hannover und Oldenburg gegründet.4

Bei der ersten niedersächsischen Landtagswahl 1947 erreichte die FDP 8,8 Prozent der Stimmen und zog mit 13 Abgeordneten in den Landtag in Hannover ein. Das Wahlergebnis war vor allem auf den starken Rückhalt in den alten liberalen Hochburgen der DVP und DDP in Nordoldenburg, Ostfriesland und Südniedersachsen zurückzuführen.5

Dort rekrutierte auch die FDP in den 1950er Jahren den Großteil ihrer Wähler. Es waren in erster Linie Landwirte, Handwerker und Einzelhändler protestantischen Glaubens. Die niedersächsischen Liberalen waren somit in ihrer Gründungsphase keine Partei des urbanen Raums, sondern eindeutig ländlich und durch die bäuerliche Mittelschicht geprägt.6

Tab. 1 Wahlergebnisse der FDP Niedersachsen 1947–2013

Landtagswahl

FDP-Stimmen in Prozent

FDP-Sitze im Landtag

Rolle im Landtag

1947

8,8

13

Regierung mit SPD, CDU, DP, KPD, DZP, ab 1948 Opposition

1951

8,4

12

Opposition

1955

7,9

12

Regierung mit DP, CDU, GB/BHE, ab 1957 Opposition

1959

5,2

8

Regierung mit SPD, GB/BHE

1963

8,8

14

Regierung mit SPD, ab 1965 Opposition

1967

6,9

10

Opposition

1970

4,4

Nicht im Landtag vertreten

1974

7,0

11

Regierung mit SPD, ab 1976 Regierung mit CDU

1978

4,2

Nicht im Landtag vertreten

1982

5,9

10

Opposition

1986

6,0

9

Regierung mit CDU

1990

6,0

9

Opposition

1994

4,4

Nicht im Landtag vertreten

1998

4,9

Nicht im Landtag vertreten

2003

8,1

15

Regierung mit CDU

2008

8,2

13

Regierung mit CDU

2013

9,9

14

Opposition

Quelle: Eigene Darstellung.7

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften