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2 Perspektiven auf das Konstrukt ,lebenslanges Lernen'

2.1 Lebenslanges Lernen als bildungspolitisches Konzept

Gesellschaftliche Begründungslinien für das bildungspolitische Konzept

,lebenslanges Lernen'

Seit Ende des Zweiten Weltkrieges haben sich in zunehmendem Maße grundlegende gesellschaftliche, politische, ökonomische sowie ökologische Veränderungen eingestellt, die sich auf alle Bereiche des menschlichen Lebens auswirken. Durch die Akzeleration des technologischen Fortschritts und der wissenschaftlichen Forschung werden in immer kürzeren Abständen innovative Erkenntnisse und Methoden entwickelt und vermittelt, die neue Möglichkeiten und Situationen generieren (vgl. Gerlach 2000: 9). Vor diesem Hintergrund gewinnt vor allem aus der bildungspolitischen Perspektive die Bildung für Individuen und Gesellschaft verstärkt an Bedeutung, um den ständigen Veränderungen in allen Lebensbereichen standhalten und die Beschäftigungsfähigkeit der einzelnen Gesellschaftsmitglieder aufrechterhalten zu können. Kell (1996) beschreibt diese Situation folgendermaßen:

„Die Entwicklung von ,Anthropologischen Zeitzonen' (von biologischen Rhythmen) zur neuen ,Nanosekunden-Kultur' (zur von der Computertechnik bestimmten Zeit) führt zu Wahrnehmung von Veränderungsgeschwindigkeit als Grundphänomen, das ein Lernen auf Vorrat für die Zukunft immer schwieriger werden lässt und deshalb lebenslanges Lernen notwendig macht – vorwiegend als Anpassung an die schnell abgelaufenen Veränderungen“ (Kell 1996: 49).

Lebenslanges Lernen als ein übergreifendes Bildungskonzept, das dem Menschen ermöglichen soll, „während seines gesamten Lebens durch Lernprozesse seine Bestimmung als Individuum und kollektives Wesen einer Gesellschaft wahrzunehmen und zu entfalten“ (Gerlach 2000: 9), wird im 21. Jahrhundert als Axiom in allen politischen Bereichen anerkannt. Vor dem Faktum, dass sich das heutige Verständnis von Lernen stark an Beschleunigungsund Entgrenzungsdiskursen (vgl. Harney & Rahn 2003) orientiert, zieht Kell (1996) eine Verbindung zur Evolutionstheorie und formuliert die These:

„Die Übertragung dieser Überlegungen auf die Evolutionstheorie führt zu einer Erweiterung der Darwinschen Sicht vom ,Überleben des am besten angepassten Lebewesens' zur neuen Sicht vom ,Überleben des am besten Informierten'. Der am besten Informierte ist derjenige Organismus, der mehr Informationen in kürzerer Zeit verarbeiten kann“ (Kell 1996: 54).

 
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