Wissenssoziologische Diskursanalyse in ihrer Funktion als Forschungsperspektive

Die Betrachtung der diskursiven Prozesse im Kontext der Experteninterviews erfolgt in Anlehnung an die wissenssoziologische Diskursanalyse nach Keller (2004; 2005; 2007). Diese stellt eine Forschungsperspektive dar, die als Diskurse bezeichnete Gegenstände näher fokussiert. In dieser Funktion gibt sie den Forschenden ,theoretisches Vokabular' [1] sowie diesbezügliche Forschungsfragen [2] an die Hand (vgl. Keller 2005: 181). [3] Sie verfügt jedoch nicht über eine einheitliche Methode zur Analyse diskursiver Prozesse, sondern je nach forschungsleitender Fragestellung gilt es, ein entsprechendes Auswertungsverfahren zu entwickeln:

„Die konkreten Analysen schließen in der Regel entweder an Verfahren der qualitativen Sozialforschung wie der Grounded Theory, Inhaltsanalyse, Biographieanalyse oder Ethnographie an, oder an Textanalysepraktiken der französischen ‚analyse du discours', der Sprechakttheorie der Rhetorik und der Textsemiotik. Durch diese differenten Analysepraktiken, die diskurstheoretisch rekonstelliert werden, kann von einem einheitlichen diskursanalytischen Ansatz ebenso wenig die Rede sein wie von einem homogenen Diskursbegriff.“ (Langer & Wrana 2010: 335)

  • [1] Zu dem theoretischen Vokabular gehören beispielsweise Akteure, Sprecherposition, Subjektposition, Diskursformation, diskursive Praktiken, Diskursstrategien etc. (vgl. Keller 2005: 229230).
  • [2] Beispiele für mögliche Fragestellungen (von der Verfasserin entsprechend der forschungsleitenden Fragestellung der vorliegenden Studie ausgewählt) sind: „Welche sprachlichen und symbolischen Mittel und Strategien werden eingesetzt? Welche manifesten und/oder latenten typisierbaren Inhalte kognitiver, moralisch-normativer und ästhetischer Art werden vermittelt? Welches Wissen (Deutungen und Problemlösungen) wird also erzeugt und verbreitet? Welche Phänomenbereiche werden dadurch wie konstituiert?“ (Keller 2005: 257). Weitere Fragestellungen siehe Keller 2005; Keller 2004
  • [3] Die Ableitung der wissenssoziologischen Diskursanalyse aus der Wissenssoziologie von Peter L. Berger und Thomas Luckmann sowie ihre Verbindung zur Diskurstheorie von Michel Foucault werden ausführlich in Keller 2005 dargelegt
 
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