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Katholische Kirche

In den letzten Jahren musste die katholische Kirche durch die seither aufgedeckten Skandale eine erhebliche Steigerung der Zahl der Kirchenaustritte hinnehmen. In Niedersachsen sind allein 2013 rund 10.700 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten – und damit knapp fünfzig Prozent mehr als 2012.89

Auf dem Gebiet des Landes Niedersachsen liegen zwei katholische Bistümer sowie ein großer Teil eines dritten Bistums. Das Bistum Hildesheim umfasst den östlichen Teil Niedersachsens (sowie Bremerhaven und Teile von Bremen). Damit hat die katholische Kirche in Niedersachsen im deutschlandweiten Vergleich eine der größten Flächen zu betreuen.90 So ist die im Wortsinne gemeinte „Nähe“ zum Kirchenmitglied von jeher bereits schwierig gewesen, und durch die vielen Kirchenaustritte musste im Bistum Hildesheim innerhalb von zehn Jahren die Zahl der Kirchengemeinden um fast zwei Drittel reduziert werden. 2015 betrug die Zahl der Kirchengemeinden nur noch 119, 2004 hatte es noch 350 Gemeinden gegeben.91 Zum Bistum Osnabrück gehören derzeit noch über 250 Gemeinden im Westen Niedersachsens mit rund 570.000 Katholiken.92 Daneben ist noch das Bistum Münster anzusprechen, dessen größter Teil jedoch auf dem Gebiet Nordrhein-Westfalens liegt – allein das Bischöflich Münstersche Offizialat in Vechta, das rund 265.000 Katholiken im Oldenburger Land betreut, gehört zu Niedersachsen.93

Auch die katholische Kirche übernimmt staatliche Aufgaben, so ist sie Trägerin von zahlreichen Schulen und Kindertagesstätten. Des Weiteren gewährleistet die katholische Kirche zusammen mit den evangelischen Landeskirchen die Gefängnisseelsorge in den niedersächsischen Haftanstalten. Ähnlich wie die evangelische Kirche betreibt auch die katholische einen sozialen Dienst. Die Caritas ist zwar ein Bundesverband, die Arbeit wird aber in der Regel durch die Geschäftsstellen vor Ort organisiert, die wiederum im jeweiligen Diözesanverband zusammengeschlossen sind. Die Caritas hat in Niedersachsen und Bremen etwa 40.000 Beschäftigte, ist also ein wichtiger Arbeitgeber.94

Die Aufgabe, diese ausdifferenzierte Struktur einstimmig zu vertreten, hat das „Katholische Büro Niedersachsen“ in Hannover übernommen. Das Büro ist die gemeinsame Vertretung der katholischen Bistümer Hildesheim und Osnabrück und des Bischöflich Münsterschen Offizialats Vechta bei der Niedersächsischen Landesregierung und beim Niedersächsischen Landtag.95 Katholische Büros sind allgemein Kontaktstellen der katholischen Kirche in Deutschland zu den Landesregierungen, der Bundesregierung und den Ministerien und zuständig für die Lobbyarbeit. Sie stellen eine „Schnittstelle zur Politik“ dar, die Positionen der katholischen Kirche insbesondere zu Gesetzesvorhaben nach außen darstellen und vertreten soll. Die Büroleiter haben protokollarisch den Rang eines Ministers. Hintergrund für die Einrichtung der Büros in den Bundesländern ist die Tatsache, dass die in den Konkordaten geregelten Bereiche meist in deren Zuständigkeit fallen (Unterrichtsund Bildungswesen von Kindergärten bis hin zu Hochschulen, Religions- unterricht und katholisch-theologische Fakultäten an den Hochschulen). Das Büro dient auch der Kooperation mit den evangelischen Kirchen auf Landesebene.

Im sog. Niedersachsenkonkordat haben die katholische Kirche und das Land Niedersachsen im Jahr 1965 vereinbart, über alle Fragen ihres Verhältnisses ständigen Kontakt zu halten. Eventuell entstehende Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung einer Bestimmung dieses Vertrages sollen auf freundschaftliche Weise beseitigt werden. Auftrag und Bedeutung des Büros ergibt sich somit insbesondere durch die sog. Freundschaftsklausel.96

Islamische Organisationen

Wie bereits erwähnt, organisieren rund zweihundert Moscheevereine das religiöse Leben der im Land lebenden 0,25 Mio. Muslime (sechs Prozent der Gesamtbevölkerung), unter ihnen eine türkischstämmige Mehrheit sowie deutsche, arabische, bosnische, iranische und afghanische Musliminnen und Muslime. Die Gemeinden verteilen sich auf die fünf unterschiedlichen islamischen Glaubensrichtungen (Sunniten, Schiiten, Sufis, Aleviten, Ahmadiyya).

Seit Herbst 2013 ist Niedersachsen nach Hamburg und Bremen das dritte Bundesland, das einen Staatsvertrag mit der muslimischen Gemeinschaft vorbereitet. Den Staatsvertrag will das Land Niedersachsen 2015 mit den drei Islamverbänden im Land unterzeichnen (neben der noch darzustellenden „Schura“ sind die „Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.“ (DiTiB) sowie die „Alevitische Gemeinde Deutschland e.V.“ Verhandlungspartner).97

Der nach außen hin aktivste Islamverband ist die „Schura Niedersachsen“98, so der Beiname des 2002 gegründeten „Landesverbands der Muslime in Niedersachsen e.V.“. Die Schura Niedersachsen ging hervor aus einem im Sommer 2001 gegründeten „Arbeitskreis Islamischer Religionsunterricht“. Der eingetragene Verein beansprucht, die niedersächsischen Muslime zu vertreten, und verfügt nach eigenen Angaben über 92 Mitgliedsvereine.99

 
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