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1.2 Reichweite der Zivilgesellschaft in Niedersachsen

In Niedersachsen sind in etwa 75 Prozent der EinwohnerInnen in einem Verein, einer Initiative oder anderen öffentlichen Organisationen der Zivilgesellschaft beteiligt. Der Anteil der zivilgesellschaftlich assoziierten Menschen ist damit in den letzten Jahren beständig gestiegen und liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 71 Prozent. Die wichtigsten Bereiche, in denen Menschen in Niedersachsen aktiv werden, sind Sport und Bewegung, Freizeit und Geselligkeit sowie Kultur, Kunst und Musik. Auch der Anteil der freiwillig Engagierten, die eine feste Aufgabe innerhalb ihrer Vereine übernehmen oder ein Amt bekleiden, ist in den letzten Jahren stetig gestiegen und liegt mit nunmehr 41 Prozent der Bevölkerung ebenfalls über dem bundesdeutschen Durchschnitt (36 Prozent). Damit liegt Niedersachsen in Bezug auf aktive und engagierte Menschen gemeinsam mit BadenWürttemberg und Rheinland-Pfalz an der Spitze der deutschen Bundesländer. Darüber hinaus ist der Anteil der Engagierten in Niedersachsen in den letzten Jahren bundesweit am stärksten gestiegen, von beachtlichen 31 Prozent Engagierten im Jahre 1999 auf 41 Prozent im Jahre 2009.9

Die Gründe für diese im Deutschland-Vergleich auffallend hohen Zahlen liegen in der demografischen Struktur des Landes: Nach wie vor ist das zivilgesellschaftliche Engagement in ländlichen Regionen stärker ausgeprägt als in den Städten. Damit verzeichnen neben Niedersachsen vor allem die anderen Bundesländer mit ländlichem Charakter besonders hohe Steigerungen. Auch in Niedersachsen selbst war längere Zeit ein deutliches Nord-Süd-Gefälle zu beobachten: Der stark ländlich geprägte Norden hatte einen deutlich höheren Anteil an Engagierten als der städtischer geprägte Süden. Mittlerweile hat sich diese Differenz ausgeglichen, auch wenn nach wie vor besonders ländliche Gebiete starke Zuwächse zu verzeichnen haben. Dennoch muss insbesondere im bundesdeutschen Vergleich die hohe Reichweite der Zivilgesellschaft in den größeren südniedersächsischen Städten betont werden: Im restlichen Deutschland stagnieren die Beteiligungszahlen auf relativ niedrigem Niveau, in Niedersachsen dagegen konnten auch diese Regionen kontinuierlich zulegen.10

In Niedersachsen gilt genau wie in der Bundesrepublik allgemein, dass Männer zu einem höheren Anteil zivilgesellschaftlich engagiert sind als Frauen, mit 46 Prozent Engagierten bei den Männern und 36 Prozent bei den Frauen liegen aber beide Gruppen deutlich über dem deutschen Durchschnitt. Die Frauen konnten seit den ersten statistischen Erhebungen 1999 ihre Engagement-Quote deutlicher steigern als die Männer, wobei besonders die Altersgruppe der 31bis 45-jährigen Frauen einen starken Anstieg zu verzeichnen hatte. Bei den Männern waren es dagegen besonders die Älteren (über Sechzigjährige) und die Jüngeren (unter Dreißigjährige), die nun verstärkt zu den Engagierten zählen.11 Bei der Betrachtung der Altersstruktur fallen besonders zwei Aspekte auf: Erstens ging die Quote der Engagierten bei den 46bis 59-Jährigen nach Jahren des stetigen Anstiegs erstmals leicht zurück (von 37 Prozent im Jahr 1999 stieg die Quote bis 2004 auf 47 Prozent, fiel dann aber auf 42 Prozent im Jahr 2009), wodurch nun Menschen zwischen 31 und 45 Jahren am stärksten engagiert sind. Dies ist besonders wichtig, weil die Altersgruppe zwischen 46 und 59 Jahren häufig in leitenden Positionen tätig ist; ihr Rückzug könnte also negative Folgen für die Rolle der niedersächsischen Zivilgesellschaft haben. Zweitens ist das Engagement bei jüngeren Menschen zwischen 14 und dreißig Jahren erneut angestiegen und liegt nun bei 39 Prozent, was besonders mit Blick auf die im Bundesdurchschnitt stagnierenden Zahlen in dieser Altersgruppe ein großer Erfolg ist.12

Die Reichweite der Zivilgesellschaft hängt allgemein stark von der Berufssituation der Befragten ab, in Niedersachsen ist dieser Zusammenhang sogar besonders stark ausgeprägt. So sind es hier besonders häufig Erwerbstätige, die sich aktiv in die Zivilgesellschaft einbringen, achtzig Prozent von ihnen beteiligen sich aktiv an der Zivilgesellschaft, mit 45 Prozent ist auch das freiwillige Engagement in dieser Gruppe auffallend hoch. Dagegen sind Nicht-Erwerbstätige in sehr viel geringerem Ausmaß engagiert.13 Die soziale Ungleichheit, die sich auch in der Zivilgesellschaft fortsetzt, wird unter den Punkten 2.1 bis 2.3 genauer aufgegriffen.

 
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