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3 Cluster, Clusterpolitik und Clusterorganisationen

3.1 Cluster

3.1.1 Definition und Abgrenzung

Den wesentlichen Impuls für die heutige Popularität des Clusterkonzepts gab der HarvardÖkonom Michael Porter durch sein Werk „The Competitive Advantage of Nations“ (Porter 1990). Porters Entwicklung des Cluster-Gedankens ist einer Mikroökonomik des Wettbewerbs verhaftet und dreht sich ursächlich um den Erhalt der Wettbewerbsvorteile von Unternehmen. Die Wettbewerbsfähigkeit werde sowohl durch die Beziehungen zu anderen Wettbewerbern in derselben Industrie als auch die Beziehungen zu überoder untergeordneten Akteuren beeinflusst. Das Verständnis eines Clusters bei Porter besteht aus miteinander über Wertschöpfungsketten verknüpften Industriezweigen und Unternehmen, die sowohl kooperieren als auch in Wettbewerb zu einander stehen.

In „The Competitive Advantage of Nations“ liegt der Fokus noch auf der einzelnen Unternehmung und ihrer strategischen Entwicklung (vgl. Pratt 2004). Clusterbildung ist hier noch eher eine Begleiterscheinung der Unternehmensstrategien: Durch zahlreiche Lieferund Kompetenzverflechtungen sowie Kooperationen zwischen Unternehmen entstehen branchenübergreifende Industrieund Dienstleistungskomplexe, die er Cluster nennt. Die Rolle des Ortes oder eine räumliche Dimension fällt hier noch kaum ins Gewicht: Erst in der späteren Weiterentwicklung wird das Clusterkonzept durch Porter zunehmend „regionalisiert“ (vgl. Porter 1998, 2000).

Porter definiert Cluster schließlich folgendermaßen:

„Clusters are geographic concentrations of interconnected companies, specialized sup-pliers and service providers, firms in related industries, and associated institutions (e.g. universities, standards agencies, and trade associations) in particular fields that compete but also cooperate“ (Porter 2000: 253).

Ein Cluster lässt sich damit als ein Netzwerk von Produzenten, Zulieferern, Forschungseinrichtungen, Dienstleistern, Handwerkern und verbundenen Institutionen in aufeinander bezogenen Industriezweigen fassen, das sich durch eine geringe räumliche Distanz der Akteure zueinander definiert. Im Netzwerk herrschen gemeinsame Austauschbeziehungen entlang einer Wertschöpfungskette. Die Mitglieder stehen dabei über Lieferoder Wettbewerbsbeziehungen oder gemeinsame Interessen miteinander in Beziehung.

Das Clusterkonzept stellt die regionale Wirtschaftssituation damit nicht in der Form von klassischen Bestandsgrößen (z.B. Zahl der Unternehmen, Beschäftigungsrate, etc.) dar, sondern bildet die Austauschbeziehungen zwischen ökonomischen Akteuren ab. Damit wird die Stärke eines Wirtschaftsraums nicht durch die lokale Ansammlung von Betrieben und ihrer räumlichen Konzentration bestimmt, sondern vor allem durch die zwischenbetriebliche Zusammenarbeit. Der Fokus auf diese Netzwerk-Dimension unterscheidet Porters Ansatz auch von der älteren Diskussion über Agglomerationen und industrielle Distrikte, die insbesondere auf die Arbeiten von Alfred Marshall (1920, erstmals 1890) und Jane Jacobs (1969) zurückgeht (vgl. dazu im Folgenden Lindqvist 2009: 14f.; van der Panne 2004: 594f.). Marshall untersuchte die Ballungserscheinungen einer Industrie an einem Ort und identifizierte Lokalisierungsvorteile, die sich für die Unternehmen ergeben, während Jacobs den Schwerpunkt auf die Ballung von unterschiedlichen Industrien an einem Ort legte und durch diese Vielfalt Urbanisierungsvorteile erkannte. Jacobs argumentierte in The Economy of Cities (1969) dafür, dass insbesondere Städte dadurch, dass auf engem Raum eine große Vielzahl an Unternehmen und Branchen konzentriert sind, zu den Brutstätten von Innovation würden. Die gegenseitige Befruchtung vielfältiger Geschäftsmodelle und Branchen wird in dieser Perspektive zum eigentlichen Wachstumsmotor. Porters Clusterkonzept hingegen rückt die Vernetzung mehrerer Industrien entlang einer Wertschöpfungskette in den Fokus (vgl. Lindqvist 2009: 15).

 
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