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5.4 Datenbasis

5.4.1 Vorbemerkung zur Quellenlage

Die Herkunft und Validität der Daten ist – wie für alle Formen empirischer Untersuchung – auch für diese Arbeit ein entscheidendes Kriterium. Dies führt zu der Herausforderung, das Untersuchungsobjekt abzugrenzen und insbesondere eine Definition der Grundgesamtheit der untersuchbaren Organisationen zu bieten.

Der Organisationstyp, der in dieser Arbeit den Untersuchungsgegenstand bildet, sind Clusterorganisationen. In den vorangegangenen Kapiteln wurde ausführlich auf die Spezifika dieses Organisationstyps eingegangen und eine Definition erstellt, mit der Clusterorganisationen von anderen Organisationstypen abgegrenzt werden können. Es wurde jedoch auch deutlich, dass in der Praxis und teilweise auch in der Literatur eine uneinheitliche Verwendung und ein unterschiedliches Verständnis dessen vorherrschen, was mit einer Clusterorganisation gemeint ist. Gleichzeitig Clusterorganisationen auch nicht immer explizit so genannt, sondern z.B. als Netzwerk, Verein oder öffentliche Agentur bezeichnet.

Was die Zahl existierender Clusterorganisationen weltweit angeht, ist es nahezu unmöglich, diese zu beziffern. Neben definitorischen Unterschieden macht auch die Vielfalt clusterpolitischer Programme auf allen politischen Maßstabsebenen eine Gesamtschau unmöglich. Die Anzahl der Clusterorganisationen in einem Land wird maßgeblich auch durch die politische Verfasstheit des Standorts beeinflusst. In föderalen Systemen wie der Bundesrepublik Deutschland ist Clusterpolitik eine Steuerungsaufgabe unterschiedlicher Maßstabsebenen. Diese Multilevel Governance (vgl. Benz 2007, Kiese 2008a) hat zur Folge, dass clusterpolitische Aktivitäten auf allen politischen Ebenen auffindbar sind, von der Europäischen Union über die Bundesebene bis hin zu den Kommunen. Dabei nimmt die Vielfalt von oben nach unten stetig zu. Während sich Initiativen auf den oberen politischen Steuerungsebenen noch eindeutig identifizieren lassen, sind die Programme auf Ebene der Regionen und Kommunen unüberschaubar. Für einzelne Regionen existieren Übersichten und Listen, in anderen existieren keine Daten. Zudem existieren Vernetzungen und Verschränkungen der Initiativen auf den unterschiedlichen Maßstabsebenen, so dass etwa Programme der Kommunen gleichzeitig aus europäischen Strukturfonds oder Bundesprogrammen finanziert werden.

Der Global Cluster Initiative Survey kam nach seiner eigenen Definition im Jahr 2003 auf 509 Clusterorganisationen weltweit, wobei auch diese Sammlung aus methodischen Gründen keine Vollerhebung war (vgl. Sölvell et al. 2003: 31). Beim zweiten Global Cluster Initiative Survey aus dem Jahr 2006 belief sich die Zahl der untersuchten Initiativen auf mehr als 1.400 (vgl. Ketels et al. 2006). Diese annähernde Verdreifachung der Zahl der Clusterorganisationen ist zum Teil sicherlich auch auf eine gründlichere Erfassung der existierenden Clusterorganisationen zurückzuführen, aber trotz allem drückt sich in dieser Zahl auch ein starkes Wachstum von Clusterorganisationen weltweit innerhalb weniger Jahre aus – und damit die Popularität des Clusterkonzepts als wirtschaftspolitischer Maßnahme.

Um nun zu einer Abgrenzung von Clusterorganisationen zu kommen, die theoretisch fundiert und pragmatisch anwendbar ist, soll auf die für diese Arbeit erstellte Definition von Clusterorganisationen zurückgegriffen werden. Wesentliche Kennzeichen von Clusterorganisationen sind danach, dass die Organisationen mitgliederbasiert und in Form einer Public-Private-Partnership realisiert sind, d.h. Mitglieder stammen sowohl aus der öffentlichen, politischen Sphäre (inklusive öffentlichen Forschungseinrichtungen z.B. an Universitäten) wie auch der Privatwirtschaft. Zudem müssen die Organisationen einen räumlichen bzw. regionalen Bezug haben, d.h. ihre branchenbezogenen Aktivitäten auf einen bestimmten Standort beziehen, um so der Maxime der Clusterentwicklung Rechnung zu tragen.

Was dadurch ausscheidet, sind etwa Verbände oder reine Wirtschaftsunternehmen, die nicht mitgliederbasiert sind, ebenso aber auch reine politische Förderinitiativen im Sinne von Clusterprogrammen. Clusterorganisationen können wie erläutert eine Folge solcher Clusterinitiativen sein, sind aber nicht mit diesen identisch (vgl. Kap. 3.3.1: 107). Es ist auch im Sinne des Forschungsdesigns erforderlich, dass die Clusterorganisation als handelnder Akteur verstanden werden kann, der Kommunikationsmanagement betreibt und damit in den Lauf der sozialen Welt eingreift. Entsprechend muss eine klar identifizierbare Geschäftsstelle oder ein Clustermanager existieren, der eine Adresse besitzt und über die Handlungen der Clusterorganisation Auskunft geben kann. Auch kommen nur aktuell noch existierende Clusterorganisationen für die Untersuchung in Frage, nicht solche, die bereits wieder aufgelöst sind, da nur bei aktuell existierenden Organisationen angenommen werden kann, einen Akteur zu identifizieren, der für die Organisation spricht.

Wie oben dargestellt, ist die Datenherkunft bei der Analyse von Clusterorganisationen ein Problem, da eine Clusterorganisation in der Realität vielfältig ausgeprägt sein mag. Dies kann vom Management eines Technologieund Innovationsparks über die branchenspezifischen Aktivitäten einer kommunalen oder regionalen Wirtschaftsförderung mit einem Netzwerk von Mitgliedern bis hin zu landesweit agierenden eigens eingerichteten Clusterorganisationen reichen. Zudem mögen manche Organisationen im Sinne dieser Definition Clusterorganisationen sein, auch wenn sie sich selber nicht so bezeichnen (z.B. manche Inkubatoren), während andere Organisationen sich als Clusterorganisation bezeichnen würden, während sie es streng genommen nicht sind (z.B. Wirtschaftsförderungen, die nicht mitgliederbasiert sind).

 
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