< Zurück   INHALT   Weiter >

5.4.2 Herkunft und Auswahl der Daten

Lange Zeit existierte kein Versuch, Clusterorganisationen zentral zu erfassen und in einer Datenbank bereitzustellen, weshalb das hier verfolgte Anliegen auf eine eigene Recherche und die damit einhergehenden Probleme bei der Inklusion und Exklusion von Clusterorganisationen angewiesen wäre. Seit 2007 existiert aber das erwähnte European Cluster Observatory, das den Versuch in Angriff genommen hat, neben der Identifizierung von Clustern in Europa auch eine Datenbank von Clusterorganisationen bereitzustellen. Auch wenn diese Datenbank noch im Aufbau ist und entsprechende Sorgfalt bei der Datenauswahl und Datenverwendung geboten ist, bietet sich damit diesem Forschungsvorhaben eine hervorragende durch die Europäische Kommission legitimierte und damit autoritative Datenquelle dar. Die Konzentration auf die darin enthaltenen Daten der 27 EU-Mitgliedsstaaten sowie der Schweiz und Norwegen ist zudem auch aus Perspektive der Vergleichbarkeit der Ergebnisse sinnvoll, da die Datengrundlage für die EU-Mitgliedsstaaten vergleichsweise gut ist und zudem die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für das Agieren von Clusterorganisationen in der EU 27 aufgrund der harmonisierten Gesetzgebung vergleichbar sind. Zwar wäre es ebenso wünschenswert, Clusterorganisationen nicht nur in Europa untereinander zu vergleichen, sondern auch mit Nordamerika und insbesondere mit Schwellenund Entwicklungsländern, doch muss dies der Folgeforschung vorbehalten sein, da für einen solchen Ansatz die Datengrundlage derzeit nicht ausreichend ist.

In der Datenbank waren zum Zeitpunkt der Datenerhebung im Jahr 2010 insgesamt 1.153 Clusterorganisationen aus den EU-27-Mitgliedsstaaten sowie der Schweiz und Norwegen enthalten (vgl. European Cluster Observatory 2010). Diese Organisationen verteilen sich auf subnationaler Ebene auf 204 europäische Regionen. Aufgrund der Unschärfe des Regions-Begriffs im europäischen Kontext können diese Regionen von Land zu Land jedoch unterschiedlich zugeschnitten sein und von Bundesländern bis hin zu einzelnen Regierungsbezirken reichen.

Die Indexierung in der Datenbank erfolgt entlang 142 verschiedener IndustrieIndikatoren. Danach existieren die meisten Organisationen in den Branchen Information Technology (76), Biotechnology (64), General Automotive (55), Environmental Technology (52) sowie Agricultural Technology (43). Für jede Organisation werden neben der Zuordnung zu einer Branche auch die Stadt und das Ursprungsland sowie die Webadresse genannt.

Die Clusterorganisationen werden weitgehend aufgrund der Recherchen der Mitarbeiter des European Cluster Observatory in die Datenbank aufgenommen, z.B. im Rahmen von Studien oder Länderanalysen. Insgesamt 237 der 1.153 Clusterorganisationen in der Datenbank sind selber auch Mitglieder des European Cluster Observatory. Zumindest für diese kann eine gute bis sehr gute Datenqualität angenommen werden, d.h. für rund 20% der einbezogenen Organisationen. Um die Qualität der Daten zu erhöhen, hat das European Cluster Observatory in 2009 damit begonnen, Clusterorganisationen aus Europa selber die Möglichkeit zu geben, eigene Daten einzutragen und zu pflegen – bis dahin wurden diese rein von den eigenen Mitarbeitern eingepflegt und indiziert. Entsprechend sind die Indizierungen der Organisationen vielfach externe Zuschreibungen und werden nur in einem kleinen Teil der Gesamtmenge der Organisationen wirklich von diesen selbst gewählt worden sein. In Zukunft mag der Prozentsatz der von den fraglichen Organisationen selbst gepflegten Daten zunehmen, jedoch ist dies für die hier erfolgte Befragung noch als Hürde zu betrachten. Dies bedeutet, dass die Organisationen im Survey noch einmal selber bestätigen müssen, ob sie wirklich der vorgenommenen Brancheneinteilung ihrer Organisation zustimmen.

Da die Datenbank für jede Clusterorganisation lediglich Namen, Branchenzuordnung, Ursprungsland und Webadresse listet und konkrete Kontaktdaten oder Ansprechpartner nicht aufgeführt sind, war eine eigene zusätzliche Recherche vonnöten. Im Rahmen der Recherche wurde auch eine Datenbereinigung durchgeführt, da sich herausstellte, dass Organisationen vielfach entweder nicht mehr existierten oder unter neuem Namen oder neuen organisatorischen Rahmenbedingungen agierten. Die korrigierten Daten wurden an das European Cluster Observatory übermittelt, um die Qualität der dortigen Datenbank zu erhöhen.

Aus Gründen der Durchführbarkeit der Befragung mit einem vertretbaren finanziellen und zeitlichen Aufwand wurde von einer Recherche sämtlicher Kontaktdaten der in der Datenbank gelisteten Organisationen Abstand genommen. Vielmehr wurden beispielhaft drei Branchenkomplexe ausgewählt und sämtliche Organisationen, die diesen Komplexen zuzuordnen sind, recherchiert. Diese Branchenkomplexe lassen sich zusammenfassen in Kreativwirtschaft, Automobilwirtschaft und Gesundheitswirtschaft. Eine Diskussion dieser Branchenkomplexe sowie eine Begründung ihrer Auswahl folgt im Anschluss, hier seien einige Kommentare zur Kategorisierung der Branchenkomplexe in der Datenbank des European Cluster Observatory erlaubt: Zu allen drei Branchenkomplexen existieren eigene Kategorien in der Datenbank, Creative Industries (Kreativwirtschaft), Automotive (Automobilwirtschaft) sowie Health (Gesundheitswirtschaft). Bei den Branchenkomplexen Kreativwirtschaft und Gesundheitswirtschaft werden diese Indizierungen jedoch nur zusätzlich zu primären Branchenzuweisungen vergeben. Um eine ausreichend hohe Fallzahl der Stichprobe zu erreichen, wurde daher so verfahren, dass bei diesen Branchenkomplexen neben der Zusatzindizierung auch eine Reihe von primären Indizierungen hinzugenommen wurde.

Tabelle 7 gibt die ausgewählten Indizierungen der Datenbank für die drei Branchenkomplexe wieder:

Tabelle 7: Einbezogene Indizierungen

+ Creative Industries

+ Health

Automotive

Entertainment

Medical Devices

Publishing and Printing

Biopharmaceuticals

Information Technology

Quelle: European Cluster Observatory 2010

Aus den resultierenden Datenbankergebnissen wurden Doppelungen eliminiert, die durch Zweioder Mehrfachindizierung einzelner Organisationen zustande kam. Insgesamt ergeben sich damit die in Tabelle 8 enthaltenen Fallzahlen für die drei Branchenkomplexe.

Tabelle 8: Anzahl Clusterorganisationen nach Branchenkomplex

Quelle: European Cluster Observatory 2010; eigene Auswertung

Tabelle 9: Berücksichtigte Clusterorganisationen nach Land

 
< Zurück   INHALT   Weiter >