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Interpretation der Ergebnisse

Auch wenn aufgrund der geringen Fallzahl der Organisationen, die diesem Typ zugeordnet sind, alle Annahmen eher spekulativ sind, so lässt sich doch ein bestimmtes Profil erkennen. Organisationen, die ein Kommunikationsmanagement entsprechend dieses Profils pflegen, haben häufig bedeutende Veränderungen durchlaufen, etwa im Hinblick auf den Gebietsbezug oder die Finanzierung. Auch sind es Organisationen, die sich in späteren Lebensphasen befinden, und viele sind als Verein organisiert.

Insgesamt sind dies also Organisationen, die einen Neuanfang unter veränderten Voraussetzungen gemacht haben. Sie lassen sich entsprechend auch als „Transformierte“ bezeichnen. Ein Beispiel wäre etwa eine Organisation, die nach Auslaufen einer initialen öffentlichen Förderung einen durch die Mitglieder finanzierten Verein gründet. Im Verein muss neu überlegt werden, welche der bisherigen Aktivitäten auch im neuen Kontext durchführbar sind und wo die Ausrichtung der Organisation verändert werden muss sprechend ist auch das Kommunikationsmanagement häufig in einer neuen Rolle und muss neu organisiert werden, auch mit verminderten Ressourcen. Hier besteht aus kommunikativer Sicht die Herausforderung, den Anschluss an das mit der Vorgängerorganisation bereits erreichte Niveau zu finden, die Kontakte zu halten und gegebenenfalls einen neuen Namen zu etablieren, um eine Fortentwicklung der Organisation zu ermöglichen.

Fallstudie: Cluster 55°

Die Clusterorganisation mit dem Namen Cluster 55° hat ihren Sitz in Lund im Südwesten Schwedens – ungefähr auf dem 55. Breitengrad, wodurch sich der Name erklärt. Schwerpunktmäßig beschäftigt sich Cluster 55° mit der IT-Industrie und den Einsatzfeldern von IT [1].

Cluster 55° ist ein gutes Beispiel für den hier identifizierten Kommunikationstyp der Transformierten. Cluster 55° ging aus der eingangs als Fallstudie beschriebenen Clusterorganisation Øresund IT hervor, die seit 1999 bestand (vgl. Kap. 1.1: 15ff). Im Jahr 2011 fand ein grundlegender Wandel statt, der das Ende für Øresund IT und die weiteren ØresundClusterorganisationen in der bisherigen Form bedeutete und sie zwang, neue Strukturen auszubilden. Die dänische Regierung zog sich aus der Finanzierung der mit der schwedischen Seite gemeinsam durchgeführten Øresund-Aktivitäten zurück, wodurch als Folge die Øresund Science Region und alle damit verbundenen Clusterorganisationen in dieser Form beendet waren (vgl. Roskilde Universitet 2010). Ein Teil der Projekte und Organisationen konnte durch schwedische Finanzierung in veränderter Gestalt fortgeführt werden, indem die Clusterorganisationen in verschiedene Universitäten integriert wurden[2].

Øresund IT fand unter dem neuen Namen Cluster 55° eine neue Heimat an der schwedischen Lund-Universität, da dort die Finanzierung gesichert war. Die Lund-Universität ist eine der ältesten und renommiertesten Universitäten Schwedens und liegt ebenfalls in der Nähe des Øresund. Der Claim „ICT Øresund“ erinnert dabei noch an die alte Organisation. Auch personell gibt es eine große Kontinuität: fast alle Beschäftigten von Cluster 55° waren vorher auch Mitarbeiter von Øresund IT. Das gesamte sonstige Branding aber, das sehr stark durch die Dachmarke Øresund Science Region geprägt war, hat sich vollständig geändert. Dies betrifft auch die Web-Adresse, Twitter-Accounts, Email-Adressen. Auch beim Organisationstyp hat ein Wandel stattgefunden: Cluster 55° ist keine Organisation mit eigener Rechtspersönlichkeit, sondern eine Marke, die von der Lund-Universität aus mit Leben gefüllt wird. Vier Personen sind noch für Cluster 55° tätig, darunter der Clustermanager. Zu den Rollen und Personen, die nicht von Øresund IT übernommen wurden, gehören bemerkenswerterweise der Kommunikationsmanager und Marketing-Mitarbeiter. Dadurch kommt klar zum Ausdruck, dass dieser Funktionsbereich der Organisation zumindest als verzichtbar für den Neustart angesehen wurde. Entsprechende Aufgaben in diesem Bereich, z.B. die Pflege der Website und der Social Media-Kanäle, werden zum Teil durch die existierenden Mitarbeiter miterledigt.

Durch die Ansiedlung an einer Universität existiert auch kein Board mehr, das Mitglieder aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik umfasst. Dadurch könne, nach Aussage des Clustermanagers die Clusterorganisation sogar effizienter arbeiten: „One is that we are much more flexible and also do not spend time on meetings with a lot of stakeholders. We also have our industry members still active in the organization. So for us this change has been very positive“. Als Schwerpunkte der Aktivitäten werden weiterhin Unterstützung von Unternehmen bei der Internationalisierung und Technologietransfer gesehen.

Insgesamt lässt sich Cluster 55° damit als Beispiel für eine Clusterorganisation sehen, die einen neuen Anfang unter veränderten Bedingungen vorgenommen hat, und dabei auch Akzente der Arbeit verschoben hat. Nominell baut Cluster 55° zwar auf die Vorgängerorganisation Øresund IT auf, jedoch hat sich die Organisation mehr in Richtung einer schlankeren Beratungsund Vernetzungseinheit entwickelt, die dafür die langjährig etablierten Kontakte zu IT-Unternehmen nutzt, aber z.B. das Standortmarketing und weitere, mitarbeiterund ressourcenintensive PRund Marketingaktionen deutlich reduziert hat.

  • [1] Vgl. businessroamingagreement.com/profile/cluster-55o, abgerufen am 20.3.2015
  • [2] Für diese Fallstudie wurde ein Interview mit dem Geschäftsführer der Clusterorganisation durchgeführt, dem diese Informationen entstammen
 
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