Auswahl der Interviewpartner/-innen nach dem theoretischen Sampling

Voraussetzung für die Ansprache relevanter Expertinnen und Experten war, dass diese den in Kapitel 3.3 dargelegten Ansprüchen bei der Vergabe des Expertenstatus entsprechen. D. h. die Informantinnen und Informanten verfügen über die Möglichkeit zur Durchsetzung ihrer Orientierungen (auch zum lebenslangen Lernen und zu dessen bildungsbereichsübergreifender Umsetzung). Ihre Entscheidungen und ihr Handeln sind praxiswirksam und beeinflussen das Handeln anderer Akteurinnen und Akteure in ihrem beruflichen Tätigkeitsfeld. Für das Forschungsvorhaben bedeutet dies, dass relevante Interviewpartner/-innen meist eine Führungsposition in den genannten Bereichen (Elementarbereich, Sekundarbereich I, Erwachsenenbildung/Weiterbildung, Bildungspolitik) innehaben, sei es nun in der Organisationsleitung, Bereichsleitung oder Projektleitung bzw. dass sie Mitglied in beratenden Gremien der Bildungspolitik sind.

Die Auswahl der Interviewpartner/-innen erfolgte nach dem Verfahren des theoretischen Samplings (vgl. Strauss 1998: 70-71; Strauss & Corbin 1996: 148-

165) auf der Grundlage von Konzepten, „die eine bestätigte theoretische Relevanz für die sich entwickelnde Theorie besitzen“ (Strauss & Corbin 1996: 149). Das theoretische Sampling ist Teil der komparativen Analyse und ermöglicht das Identifizieren von Indikatoren für die Konzepte im Datenmaterial. Die Datenerhebung fand in drei Wellen statt. Mit der ersten Erhebungswelle wurden von Januar bis September 2005 zwölf Interviews zu allen vier Expertengruppen geführt. [1] Die zweite Erhebungswelle erfolgte nach fortgeschrittener Feinanalyse (erstes Fallporträt beendet, Bearbeitung des zweiten Fallporträts) im Jahr 2008. Das Datensample wies zu diesem Zeitpunkt vor allem in den Expertengruppen,Elementarbereich' und ,Sekundarbereich I' eine Übergewichtung der wissenschaftlichen Perspektive auf, sodass in der zweiten Welle die Ebene der Praxis (Schulleitungen, Kindergartenleitungen) eine größere Berücksichtigung fand. In den Monaten April und Mai 2008 wurden weitere vier Interviews geführt. Kurz vor Abschluss der Forschungsarbeit im Kontext der Fertigstellung der gegenstandsverankerten Theorie wurden im Januar und Februar 2013 zur Überprüfung und letztendlichen Sättigung der Theorie weitere vier Interviews im Rahmen der Expertengruppen ,Elementarbereich', ,Erwachsenenbildung/Weiterbildung' sowie ,Bildungspolitik' geführt.

Die Diskursformationen für die Spezialdiskurse über das lebenslange Lernen und die bildungsbereichsübergreifende Umsetzung lebenslangen Lernens gestalten sich auf der Grundlage des Theoretischen Samplings folgender Weise:

Abbildung 5: Diskursformationen: Untersuchte Spezialdiskurse über lebenslanges Lernen und dessen bildungsbereichsübergreifender Umsetzung

Legende: Elementar = Elementarbereich; SEK I = Sekundarbereich I; EB/WB = Erwachsenenbildung/Weiterbildung; BP = Bildungspolitik; W = Perspektive Wissenschaft; P = Perspektive Praxis

Wie die Abbildung aufzeigt, fokussiert die Untersuchung die Spezialdiskurse über das lebenslange Lernen und dessen bildungsbereichsübergreifender Umsetzung in den bereits genannten Expertengruppen. Im Kontext des theoretischen Samplings wurde offenkundig, dass für die sich aus dem Datenmaterial entwickelnde Theorie von Bedeutung ist, dass in jeder Expertengruppe sowohl Wissenschaftler/-innen (Professorinnen und Professoren) als auch Praktiker/-innen (Führungskräfte in Bildungseinrichtungen) vertreten sind.

Die Abbildung 6 (Seite 67) gibt einen Überblick über das Datensample.

  • [1] Wie bereits ausgeführt, wurde der Interviewleitfaden nach dem Pretest modifiziert. Das erste Interview mit dem überarbeiteten Leitfaden fand im Dezember 2004 statt. Eine erneute Überprüfung über den Erkenntnisgehalt des Interviewmaterials ergab, dass sich der Leitfaden erkenntnisgenerierend einsetzen lässt. Somit konnte das Interview mit in das Datenkorpus aufgenommen werden und wird der ersten Erhebungswelle zugeordnet.
 
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