< Zurück   INHALT   Weiter >

1.3 Klassische Darstellungsformen im Fernsehjournalismus

Die Darstellungsformen des Fernsehens werden traditionell in sogenannte Sparten unterteilt.

Typische Sparten, die auch zur Programmanalyse herangezogen werden, sind:

▪ Information/Infotainment:

Hierzu zählen Nachrichten/Nachrichtenmagazine, Regionale Nachrichten, Frühmagazine/ Nachtmagazine, Schulund Bildungsfernsehen, Gespräch, Talk, Interview oder spezielle Informationssendungen zu Themen wie Politik, Wirtschaft, Geschichte, Kultur, Gesellschaft, Wetter.

▪ Unterhaltung:

Zur Unterhaltung werden vor allem Shows, Comedy, „Real Life“-Sendungen oder Talkformate gerechnet.

▪ Fiction:

Als fiktionale Angebote gelten Serien, Fernsehspiele, TV-Movies oder Spielund Kurzfilme.

▪ Sport:

Die aktuelle Sportberichterstattung mit Nachrichten oder Live-Sendungen steht hier im Mittelpunkt.

Eine zweite Möglichkeit, Programmangebote im Fernsehen zu unterscheiden, sind die Genre

oder Programmformen. Die Wichtigsten sind:

▪ Tatsachenbetonte (informierende) Genre:

Der klassische Nachrichtenfilm hat eine Länge von 20 bis 60 Sekunden. Der Kern der Information steht bildlich und textlich am Anfang. Die erste Sequenz muss die zentrale Nachricht optisch umsetzen. Die Inhalte folgen der Nachrichtenpyramide, vom Groben zum Detail. Es werden sachliche Bilder, die für das Geschehen signifikant sind, verwendet. Kamerafahrten oder Schwenks werden kaum eingesetzt, da sie zu zeitaufwändig wären. Der Text ist sachlich, nüchtern und neutral. Er wird oft live eingesprochen, um aktueller zu sein. Als Sonderform gilt die O(riginal)-Ton-Nachricht. Sie besteht nur aus einer, meist für diesen Zweck aufgenommenen Äußerung eines Politikers oder Sportlers.

Der Bericht ist meist 45 Sekunden bis 5 Minuten lang. Er wird oft zu Terminen oder aus extern vorgegebenen Anlässen produziert. Bilder und Text sind sachlich, nüchtern, vielschichtig. Der Berichtende ist nicht selbst im Bild zu sehen. Musik wird eher sparsam eingesetzt.

Beim sogenannten Reporterbericht ist der Reporter durch einen Aufsager im Bild („On“) am Ort des Geschehens zu sehen. Dieses Genre lebt von den Bildern und Geräuschen vom Ort des Geschehens. Hierunter fällt auch ein Korrespondentenbericht, wenn etwa ein Redakteur sich vors Polizeipräsidium oder das Amtsgericht stellt und dort „quasi-live“ über polizeiliche Ermittlungen oder Urteile berichtet, die auf einer Pressekonferenz oder Verhandlung ohne Anwesenheit von Redakteur/Kamera verkündet wurden. Der vorproduzierte Aufsager ist ein schnell zu realisierendes, oft nur auf Agenturmaterial beruhendes Element und wird häufig eingesetzt.

Das in der Branche oft zitierte Erklärstück soll kurz und konzentriert den Hintergrund eines Ereignisses so erklären, dass die Zuschauer sich Zusammenhänge klar machen können. Kennzeichen sind die straffe Form und eine klare Gliederung. Oft werden animierte Bilder oder bearbeitete Szenen eingesetzt. Das Erklärstück ist vergleichbar mit dem Stichwort in der Zeitung.

Die Kurzreportage ist häufig zwischen 3,5 und 6,5 Minuten lang. Sie ist eine eher persönliche Form. Der Reporter ist am Ort des Geschehens und soll beobachten. Die Reportage im Fernsehen lebt von emotionalen, authentischen Bildern und Details. Weiteres Kennzeichen für gelungene Reportagen sind die lebendige und aktive Sprache und eine bewegliche dynamische Kameraführung.

Die Reportage darf durchaus unausgewogen sein. Bilder und Geräusche versetzen Zuschauer mitten in das Geschehen hinein. Einziger Schönheitsfehler des Genres ist die Beschränkung der Sichtweise: die Reportage ist an einen Ort und eine Zeit gebunden.

Dokumentationen sind meist 45, seltener 30 oder 90 Minuten lang. Das Genre will anhand von Zeugnissen (Dokumenten) beschreiben, was ist oder war. Autor und Zuschauer bleiben dicht an einem Geschehen und erleben dieses mit den Augen der Kamera und den Ohren des Mikrofons. Wurden früher nur wenige Szenen inszeniert, so haben sich in jüngster Zeit viele Varianten der Dokumentation entwickelt, die stark von Inszenierungen geprägt sind. Spezielle Formen sind die Langzeitdokumentation und die historische Dokumentation. Das häufig zitierte Feature mischt Reportage und Dokumentation gewissermaßen. Der Film ist anschaulich und abstrakt zugleich. Das Feature liefert sachliche Hintergrundinformation, zeigt aber auch eine subjektive Handschrift.

Fernsehinterviews sind als eigenständige Form bis zu 45 Minuten lang. Sie werden mit oder ohne Unterschnitte produziert. Oftmals sollen Zwischenstücke oder grafische Elemente das Interview optisch attraktiver machen. Studiointerviews sind als Teil von Magazinsendungen meist 2 bis 5 Minuten lang. Oft findet man zu Beginn eine sogenannte „Anschiebe“, in der Thema und oder Gast vorgestellt werden.

Eine spezielle Form des Interviews ist die Talkshow, in der mehrere, meist prominente Gäste mit persönlichen Fragen oder Sachthemen konfrontiert werden.

Weitere Darstellungsformen sind:

▪ die Umfrage, die schnell gemacht ist und die „Stimme des Volkes“ widerspiegeln soll,

▪ die Diskussion, die außerhalb der Wahlkämpfe nur noch selten zu sehen ist, und

▪ das Servicestück, das Tipps für den Alltag des Zuschauers bereithält.

▪ Meinungsbetonte Formen:

Beim Portrait sind Anlass und Thema eine Person oder etwas, das wie eine Person aufgefasst wird (Gruppe, Stadt, Konzern, Behörde). Im Portrait muss das Typische und Unterscheidende herauskommen. Der Portraitierte drückt sich selber aus, zum Beispiel durch O-Töne. Spannend wird das Portrait durch die Darstellung von Konflikten, Gegnern oder Hindernissen.

Der Kommentar ist keine spezifische Fernsehform. Gegenüber dem klassischen Zeitungskommentar besteht die Besonderheit darin, dass man den Kommentierenden sieht, ihm aber nicht antworten kann.

Die Rezension bei Theater oder Ausstellung gehört zu Kommentarformen mit starker persönlicher Färbung. Im Unterschied zum Kommentar steht am Anfang eine Darstellung dessen, was rezensiert wird.

Auch Glosse und Satire sind eine besondere Form des Kommentars, besonders scharf, oft ätzend und böse durch Überzeichnung und Übertreibung. Bild, Ton und Text können sich widersprechen.

Als Rausschmeißer oder Buntes Stück bezeichnet man eine meist ulkige Geschichte, die kurz, konzentriert und heiter den Zuschauer aus der Sendung verabschiedet.

▪ Phantasiebetonte Formen:

Hierzu zählen vor allem der Spielfilm und das Fernsehspiel.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >