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1.5 Tätigkeitsfelder in der Fernsehproduktion

Fernsehen war lange Zeit Teamarbeit. Auch der beste Redakteur war meist nicht in der Lage, allein einen Film zu produzieren. Dies hat sich seit etwa 2003 nachhaltig geändert. Der Videojournalist (VJ), der Reporter, Kameramann und Cutter in einer Person ist und von dem die Controller der Fernsehsender seit Jahren geträumt hatten, setzte sich in der Praxis durch. Waren es bis dahin allenfalls kleinere Stadtfernsehanbieter, so öffneten sich ab Mitte des Jahrzehnts auch öffentlich-rechtliche Anbieter wie der Hessische Rundfunk und der Mitteldeutsche Rundfunk dem Einsatz von VJs. In beiden Sendern haben die Videoreporter die klassischen Mitarbeiter nicht abgelöst, sie werden vielmehr bei kleineren, meist tagesaktuellen Produktionen eingesetzt. Technisch orientierte Journalisten sind gefragt. Das gilt vor allem auch für den Bereich Interaktive Medien. Es gibt keinen Verlag, kein Medienhaus oder Fernsehsender ohne eigenen Webauftritt. Der Trend zur journalistischen Tätigkeit geht mehr und mehr in Richtung Freiberuflichkeit. Laut Deutschem Journalistenverband (DJV) sind in Deutschland über ein Drittel der hauptberuflichen Journalisten sogenannte Freelancer, Tendenz steigend. Ein großer Teil der freien Mitarbeiter ist gezwungen, seine Produkte parallel für verschiedene Mediengattungen aufzubereiten und zu verkaufen. Ein weiterer Trend ist die steigende „weibliche“ Dominanz. Noch vor einigen Jahren galt der Journalistenberuf als unumstrittene Männerdomäne. Insgesamt gibt es rund 200 Medienberufe. In den vergangenen Jahren sind im Fernsehgeschäft neue Berufe entstanden. Dazu zählen qualifizierte Ausbildungen wie der technische Redakteur, der Mediendokumentarist, der Informationsbroker, SEO-Manager (Suchmaschinenoptimierung), Crossmedia-Publisher oder SocialMedia-Manager. Und Berufe, die eher für launige Reportagen zum Thema Fernsehen taugen wie der „Warm-Upper“ (bringt das Studiopublikum vor der Sendung in Stimmung) oder der Gagautor (für Harald Schmidt zum Beispiel). Traditionelle Berufe haben daneben ihr Tätigkeitsprofil stark verändert. Tendenziell scheinen die traditionellen Grenzen zwischen redaktionellen und technischen Arbeiten aufzuweichen. Die Aufgabengebiete sind vielfältiger und komplexer geworden. Gründe dafür sind auch Globalisierung, technologischer Fortschritt und gesellschaftlicher Wandel. Darüber hinaus fördern digitale Konvergenz, Fusionen und Übernahmen einen tiefgreifenden Wandel in der Technologiebranche. Frisch ausgebildete Kameramänner bedienen nicht nur die Kamera, sondern leuchten auch ein oder kümmern sich um den Ton. Es gibt nahezu keinen Cutter bzw. keinen Videoeditor, der nur noch schneidet und es gibt keinen Journalisten, der nur noch textet. Ein Cutter muss so zum Beispiel, neben dem eigentlichen Schneiden, auch vertonen und aufgrund der vernetzten Arbeitsbereiche auch administrative Aufgaben erledigen können. Hier sollen einige Tätigkeitsfelder, die in der Praxis (zumindest noch) oft vorkommen, kurz beschrieben werden. Oft ist der Berufseinsteiger schon mit der Fülle der Berufsbezeichnungen überfordert:

Redakteur (oft Autor oder Reporter genannt): Zuständig für seinen Film (-beitrag). Die Story muss sauber recherchiert sein, Dramaturgie und Sprache müssen stimmen.

Kameramann/-frau: Produziert die Bilder, ohne die Fernsehen nun mal nicht funktioniert. Seine Arbeit verlangt kreative und eigenverantwortliche Bildgestaltung.

Kameraassistent: Unterstützt den Kameramann handwerklich, technisch und in begrenztem Umfang auch organisatorisch. In der Praxis oft für den Interviewton verantwortlich.

Lichttechniker: Nur bei großen Produktionen unterstützt er den Kameramann. Im Fernsehstudio arbeitet meist ein „lichtsetzender Kameramann“, der die Ausleuchtung übernimmt und dafür sorgt, dass der Moderator „in das rechte Licht“ gesetzt wird. Der Lichttechniker ist nur dafür verantwortlich, dass alle Lampen einsatzbereit sind und gegebenenfalls eine kaputte schnell ausgewechselt wird.

Tonmeister: Ist Herr über viele Mikrofone und ein gigantisches Mischpult. Ihm werden die Sprachaufnahmen mit den Interviewpartnern/Moderator im Studio anvertraut. Nur bei großen Produktionen im Einsatz.

Tontechniker: Ist für den technisch einwandfreien Ton verantwortlich. Er stellt die für eine Produktion erforderliche Tontechnik vom Mikrofon und den Aufnahmegeräten bis zum Mischpult zusammen und bedient die Geräte während der Produktion.

MAZ-Techniker: Verantwortlich dafür, dass bei Live-Sendungen oder Aufzeichnungen in der Senderegie alle Beiträge in den Abspielgeräten anliegen und zum richtigen Zeitpunkt

„abgefahren“ werden. Im durchgehend digitalisierten Sendebetrieb werden die Beiträge am Rechner (Sendeserver) angewählt und per Mausklick gestartet.

Bildingenieur: Allround-Techniker, der für die elektronische Technik bei Studioproduktionen und Außenaufnahmen zuständig ist. Er erstellt das produktionstechnische Konzept, arrangiert je nach den Anforderungen der Produktion das erforderliche technische Equipment, überwacht dessen Aufbau und Installation. Vor Aufzeichnungen oder Live-Sendungen ist er beispielsweise für den Abgleich der Studiokameras, das Matchen, verantwortlich. Außerdem koordiniert er die technischen Mitarbeiter und sorgt für den reibungslosen technischen Ablauf einer elektronischen Produktion.

Bildmischer: Ist das Bindeglied zwischen dem Regisseur und den Studiokameraleuten (oft auch zum Tonund zum Bildingenieur) und ist sozusagen die „letzte“ Instanz für das Bild. Er muss rasch handeln und den Wunsch des Regisseurs nach einer Überblendung von zwei oder drei Kamerabildern erfüllen, eine Zeitlupenwiederholung oder ein Archivbild in die Sendung schneiden oder einen erläuternden Untertitel einblenden.

Regisseur: Sorgt für die Umsetzung der Konzeption, zum Beispiel einer Studioproduktion. Der Regisseur ist die entscheidende künstlerisch-gestaltende Kraft und verantwortlich für Dramaturgie und szenische Auflösung. Während der Aufzeichnung im Studio entscheidet er, wann die nächste Kamera „on air“ ist. Unterstützt wird der Regisseur bei großen Produktionen vom Regieassistenten.

Cutter: Verantwortet den Bildund Tonschnitt von Filmund Fernsehwerken, meist in enger Zusammenarbeit mit dem Autor. Bei (kleineren) journalistischen Produktionen übernimmt der Cutter auch die komplette Tonbearbeitung (Originalton, Geräuschsynchronisation) und die Tonmischung.

Grafiker: Der Einsatz von Grafiken hat im Fernsehjournalismus in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Der Grafiker erstellt die Grafiken für Moderationshintergründe oder für einzelne Beiträge.

Producer/Produzent: Erstellt mit dem Regisseur und dem Produktionsleiter den Drehplan und ist letztlich für die Durchführung und Fertigstellung einer Produktion verantwortlich, teilweise auch für die Konzeptionsentwicklung einer Sendung.

Produktionsleiter: Ist „Chef“ des Produktionsteams und letztlich dafür verantwortlich, dass eine Produktion reibungslos und innerhalb des vorgegebenen Produktionsbudgets abläuft. Der Produktionsleiter kalkuliert die Produktion, erstellt den Drehplan, organisiert den Produktionsablauf und kontrolliert die Durchführung der Produktion bis zur endgültigen Fertigstellung. Er veranlasst, dass Verträge mit den Mitwirkenden abgeschlossen werden, und muss die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen für Produktionen ebenso wie die arbeitsrechtlichen Vorschriften überwachen. Der Produktionsleiter muss Gagenabrechnung vorbereiten, Versicherungen überprüfen und sich vergewissern, dass alle Policen bezahlt sind, Kalkulationen festlegen anhand des neuesten Drehplans, Gestaltung der Tagesdisposition und der Produktionsberichte festlegen.

Aufnahmeleiter: Ist gewissermaßen das „Mädchen für alles“, verantwortet die Organisation rund um die Studioproduktion bzw. rund um die Aufzeichnung. Er sorgt für den reibungslosen Ablauf einer Produktion, muss sich in die Details des Drehplans einarbeiten und organisiert kurzfristig, zum Beispiel Absperrungen unter anderem für den Einsatz am Drehort etc.

Requisite/Kostümund Maskenbildner/Garderobe: Kümmern sich um Kulisse oder

Make-up und Frisuren. Sind auch während der Aufzeichnung im Studio.

Disponent: Teilt Kamerateams oder Studiocrews ein, kümmert sich meist auch um

Dienstpläne oder die Besetzung der Schnittplätze.

Sprecher: Spricht die Texte der Beiträge. Oft wollen Redaktionen nur eine professionelle Stimme in der Sendung statt vieler verschiedener Reportstimmen. Muss auch LiveBeiträge in der laufenden Sendung sprechen können.

 
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