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Die Entwicklungsperspektiven des Hörfunks bis zum Jahr 2020

1 Einleitung

Die Diskussion um die Zukunftsperspektiven von Radio vor dem Hintergrund von Digitalisierung und Internet dauert mittlerweile bereits mehrere Dekaden. Tatsächliche Veränderungen sind allerdings kaum zu verzeichnen: Trotz 25 Jahren Aktivität, vor allem auf der politischen Bühne, erreicht Radio seine Rezipienten im Gros weiter über analoge UKW. Die Radionutzung ist im Wesentlichen auf etwa einige Hundert ganz überwiegend regionale Sender und drei Formate beschränkt. Die Methoden der Reichweitenmessung haben sich, abgesehen von einigen kleineren Reformen, seit 40 Jahren nicht grundlegend verändert. Entsprechend folgen auch die Programm-Vermarktungs-Aktivitäten noch immer den gleichen Mustern. Auch die relative Bedeutungslosigkeit von Radio als Werbeträger konnte nicht vermindert werden. Die Strukturen der Vermarktung entsprechen im Wesentlichen denen von vor 20 Jahren.

Nachfolgend wird aus einer Analyse des Ist-Zustandes eine Prognose für zukünftige Entwicklungen des Mediums abgeleitet. Dabei wird der Schwerpunkt vor allem auf die technischen Bedingungen der Distribution und die Entwicklung von Programminhalten gelegt. Am Rande werden die Auswirkungen auf die Methoden der Reichweitenermittlung sowie die Vermarktungsstrukturen und Werbeformen angesprochen.

Die Vorhersage von Entwicklungen der Zukunft ist naturgemäß fehleranfällig. Der Nutzen der nachfolgenden Ausführungen liegt deshalb weniger in der Zuverlässigkeit der Prognose, sondern eher darin, dass die wesentlichen Bedingungen, die die Entwicklungen beim Radio determinieren, aufgezeigt werden und ihr Zusammenwirken beleuchtet wird, sodass dem Leser eigene Schlussfolgerungen möglich werden (die möglicherweise von denen des Autors abweichen).

Die vorgenommenen Rechnungen sind teilweise grobe Überschläge. Sie sollen lediglich

Größenordnungen veranschaulichen.

2 Die Bedingungen der technischen Verbreitung

2.1 UKW

Auch 25 Jahre nach Proklamation der Digitalisierung im Hörfunk erreicht das Radio seine Hörer im Wesentlichen per UKW. Die Haushalte in Deutschland sind in Summe mit mehr als 150 Millionen Geräten ausgestattet. Die UKW-Verbreitung erfolgt durch das Abstrahlen elektromagnetischer Wellen über eine Vielzahl von Funkmasten. Radio PSR in Sachsen beispielsweise benötigt nach Angaben des Instituts für Rundfunktechnik sechs Senderstandorte mit einer Gesamtleistung von 345 Kilowatt (ERP), darunter dreimal 100 Kilowatt, um das Bundesland Sachsen abzudecken. Hierfür fallen beim Sendedienstleister Media Broadcast gemäß Preisliste 2012 monatliche Kosten von mehr als 400 000 Euro, jährlich also mehr als fünf Millionen Euro, an.

Die Anzahl der empfangbaren Sender ist bei UKW begrenzt. Selbst Berlin als Standort mit für deutsche Verhältnisse sehr hoher Senderdichte kommt über etwa 30 empfangbare Sender nicht hinaus. In Flächenländern ist die Zahl in der Regel deutlich geringer. Für Sachsen beispielsweise senden im Jahr 2012 lediglich ca. zwölf Programme, fünf davon nur in Teilen des Landes. Zählt man Programme angrenzender Bundesländer hinzu, die in Teile Sachsens einstrahlen, kommen je nach Region noch einmal fünf bis zehn Programme hinzu. Im gesamten Bundesgebiet gibt es nur einige hundert Programme.

Die Abschaltung des analogen Rundfunks ist für die Politik beschlossene Sache. So ist beispielsweise in § 4 VI des Sächsischen Privatrundfunkgesetzes zu lesen: „Spätestens ab dem 1. Januar 2010 erfolgt die Übertragung von Rundfunkprogrammen und vergleichbaren Telemedien in Sachsen ausschließlich in digitaler Technik.“

 
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