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3 Rechteerwerb

Radioveranstalter werden in der Regel urheberrechtlich geschützte Werke, insbesondere Musikwerke, Anderer nutzen. Die Rechte dafür erwerben sie im Wesentlichen bei GEMA und GVL. Die GEMA unterscheidet nicht nach der Sendeart. Der Tarif für UKW, DAB+ und Webradio ist derselbe. Für private Veranstalter richtet sich im Tarif Radio bzw. PremiumRadio die Vergütung nach dem Musikanteil im Programm, der täglichen Sendezeit und den Einnahmen des Veranstalters. Maximal werden 7,75 Prozent der Einnahmen fällig. Bei reinen Musikprogrammen, die mehr als zehn nach Musiksparten definierte Kanäle anbieten, verlangt die GEMA neun Prozent der Einnahmen.

Lediglich sehr kleine IP-Radios mit maximal drei URLs, nicht mehr als neun Kanälen, weniger als 2 700 unique users pro Monat und Einnahmen von nicht mehr als 430 Euro netto im Monat erhalten eine Jahreslizenz für 360 Euro netto.

Die GVL unterscheidet bei ihren Tarifen zwischen „Verwendung in privaten Hörfunkprogrammen“ und „Webcasting-Angeboten“ . Es ist davon auszugehen, dass Hörfunkprogramme die Verbreitung via UKW und DAB+ betreffen, während IP-Radio „Webcasting“ ist. Für kommerzielle private Hörfunkprogramme wird ein Anteil an den Werbeerlösen erhoben, der 5,58 Prozent beträgt, wenn der Musikanteil des Programms mehr als die Hälfte beträgt. Der „Webcasting“-Tarif weist für kommerzielle Anbieter ein komplexes Berechnungssystem aus. Tendenziell lässt sich festhalten, dass danach die über die GVL zu erwerbenden Rechte für IP-Radio höher sind als für terrestrisch verbreitete Programme.

Die Lizenzen gelten jeweils nur für eine Verbreitung in Deutschland.

4 Rezeption von Radio

Grundlegend für Überlegungen zur Zukunft des Radios ist auch die Frage, wie Radio derzeit rezipiert wird. Dies soll mit einigen Kernaussagen verdeutlicht werden:

▪ Radio erreicht fast die gesamte Bevölkerung

In 98 Prozent der deutschen Haushalte gibt es mindestens einen Empfänger. Mehr als neun von zehn Deutschen hören innerhalb von 14 Tagen mindestens einmal Radio. Acht von zehn Deutschen hören sogar täglich Radio.

▪ Radio wird lange genutzt

Betrachtet man den zeitlichen Anteil der Hörfunknutzung an der Mediennutzung insgesamt, ergibt sich aus Sicht des Radios ein erfreuliches Bild: Radio ist neben dem Fernsehen das Medium mit der größten Nutzungsdauer. Die Mediaanalyse weist seit Jahren kontinuierlich Nutzungsdauern von durchschnittlich mehr als drei Stunden täglich aus.

▪ Radio wird nicht intensiv genutzt

Die Radio-Nutzung erfolgt jedoch wenig intensiv. Deutlich mehr als die Hälfte der Hörer wendet sich dem Medium bei der Rezeption „weniger stark“ bis „gar nicht“ zu, sondern hört nebenbei.

▪ Radio wird auch mobil genutzt

Die Radionutzung findet – anders etwa als Fernsehen – auch mobil statt. Allein auf die Nutzung während des Autofahrens entfallen etwa 15 Prozent der Radionutzung.

▪ Radio ist leicht verfügbar

Radio hören kostet den Hörer nichts. Der Empfang eines UKW-Signals ist praktisch überall möglich. Empfangsgeräte sind für Beträge unter zehn Euro verfügbar. Die vorhandene Ausstattung mit UKW-Empfängern ist hervorragend. 89 Prozent der deutschen Haushalte haben sogar mehr als einen Empfänger. 80 Prozent der Privat-PKW verfügen über ein UKWRadio.

▪ Radio ist wichtige Musikquelle und „Bote“ neuer Musik

Aus Sicht des Hörers ist das Spielen von Musik eine der wichtigsten Aufgaben des Radios. 90 Prozent weisen dem Idealradio die Funktion zu, Musik zu liefern. Damit ist Radio auch ein wichtiger Markt für die Berührung des Hörers mit bislang unbekannter Musik.

▪ Radio gehört zur Privatsphäre und gliedert als Programmmedium den Tag

Mehr als die Hälfte der Radionutzung entfällt auf den heimischen Bereich, betrifft also bestimmte tägliche, höchst private Lebenssituationen wie das Aufstehen, Körperpflege und Frühstück, aber auch Tätigkeiten im Haushalt. Zwischen 40 und 50 Prozent der Hörer nutzt Radio bei diesen Tätigkeiten regelmäßig oder oft. Im Ranking der Gelegenheiten, bei denen Radio gehört wird, liegen diese Tätigkeiten an der Spitze. Entsprechend weist der TagesReichweiten-Verlauf zwischen sieben und acht Uhr morgens die höchsten Werte auf.

▪ Radiohörer sind treu

Im Durchschnitt werden nur 1,6 verschiedene Sender gehört. Dabei hören 60 Prozent nur einen einzigen Sender und weitere 26 Prozent maximal zwei.

 
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