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Die Recherche – Grundlage journalistischer Arbeit

„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache“

Hanns Joachim Friedrichs

1 Einführung ins Thema

Der Koch lebt von der Rezeptur, der Kriminalist von der Ermittlung und der Journalist von der Recherche. Alle drei werden nur Erfolg haben, wenn sie die Grundlagen ihres Berufes beherrschen und sie zur persönlichen Perfektion führen. Herausragende Ergebnisse werden wiederum nur diejenigen erzielen, die mit Hingabe und Leidenschaft diese Grundvoraussetzungen weiter ausbauen und für sich nutzen.

Der Koch – um bei unseren drei Beispielen zu bleiben – hat, wie alle anderen auch, im besten Falle sein Handwerk gelernt. Er entscheidet aber selbst, ob er ein Leben lang in einer Alltagsküche durchschnittliche Gerichte zubereitet, hinter den Töpfen einer Großküche stehen bleibt oder über den Tellerrand blicken will und sich damit aus der Masse der Köche hervorhebt. Seine Chance ist vielleicht schon eine besondere Rezeptur, die seine Küche unverwechselbar macht und seine Kunden zu seinen Stammkunden werden lässt. Mit dem Willen, etwas besonders zu schaffen und der dazugehörigen Leidenschaft für seinen Beruf kann er es zu einem Sternekoch schaffen.

Der Kriminalist steht vor der Aufklärung eines Verbrechens. Dazu sammelt er die offensichtlichen Fakten wie Tathergang, Zeugen, kriminaltechnische Daten und Indizien. Schon mit Routinearbeit gelingt es sicher häufig, die ihm gestellten Aufgaben zu lösen. Zur kriminalistischen Elite allerdings gehört er erst, wenn er die Ermittlungsinstrumente mit Gespür, Phantasie, Menschenkenntnis und Kombinationsvermögen paart. Erst der Blick hinter die Fakten ermöglicht herausragende Ergebnisse.

Der Journalist kann sich schon Journalist nennen, wenn er nur Bildunterschriften zum Beispiel für die „Bäckerblume“ schreibt. Das Berufsbild des Journalisten ist unverständlicherweise bis heute immer noch nicht geschützt. Es ist kein Ausbildungsberuf im klassischen Sinne. Wer schreibt, der ist. Das führte dazu, dass der Berufsstand der Journalisten über die Jahrhunderte keinen guten Ruf hatte und heute in der gesellschaftlichen Achtungs-Rangordnung noch immer ziemlich weit hinten rangiert. Wer Journalist werden möchte, studiert oft erst einmal Publizistik, Germanistik, Philosophie oder nicht selten Jura. Alles Studiengänge, die zwar für die allgemeine Bildung der Studierenden nützlich sind, aber nicht notwendigerweise zum Beruf des Journalisten führen.

„Journalisten: Leute, die ein Leben lang darüber nachdenken, welchen Beruf sie eigentlich verfehlt haben“

Mark Twain

Der Journalist wird über ein Volontariat das Handwerk erlernen, oder – was heute möglich ist – ein Diplom für Journalistik auf einer der vielen Fachhochschulen ablegen. Dann kann er sich „Diplom-Journalist“ nennen, was immer das auch ist. Zu der herausragenden Gilde der Journalisten zu gehören erfordert weit mehr. Unter anderem: Begabung für Sprache, Neugier, Leidenschaft, Biss und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein. Der Weg dahin führt unausweichlich über die akribische Recherche. Sie ist Grundlage und Voraussetzung für die eigene Story. Dabei spielt die angeborene Neugier eine ebenso große Rolle wie zum Beispiel Sorgfalt, Genauigkeit, Misstrauen in Behauptungen Dritter, Diskretion und die Gabe nicht aufzugeben. Wer diese Eigenschaften bei sich zu finden glaubt, hat schon mal gute Voraussetzungen, ein Journalist zu werden.

 
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