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5 Outsourcing

Um dennoch die notwendige redaktionelle Arbeit leisten zu können, greifen die Sender mehr und mehr zum „Outsourcing“. Das heißt, ganze Produktionen werden an externe Medienunternehmer abgegeben. Diese erhalten ein Budget und liefern das fertige Produkt ab.

So werden auch Polit-Talker und -Talkerinnen zu Medienunternehmern. Sabine Christiansen oder Anne Will (Will-Media) sind Beispiele dafür.

Der Vorteil: Für die Produktion ist in der Regel nur ein verantwortlicher Redakteur des Senders gebunden. Er begleitet die Talkshow, die Dokumentation, die Filmproduktion, nimmt sie am Ende redaktionell ab und hebt sie ins Programm. Für die korrekten Inhalte ist auch nur der Senderedakteur dem Intendanten verantwortlich.

Alles andere, das heißt Recherche, Dreh, Schnitt, Vertonung liegt bei der Produktionsfirma. Und die ist marktwirtschaftlich orientiert. Die Konsequenzen konnte man in den letzten Jahren in so mancher Schlagzeile wiederfinden.

So haben viele Produktionsfirmen Werbeverträge mit Subunternehmern abgeschlossen, die ihrerseits Produkte wie bestimmte Automarken, Getränke, Designeroutfits, ja sogar Medikamente ins „rechte Licht“ der Fernsehproduktion rückten. Natürlich unter Umgehung des Werbeverbotes der öffentlich-rechtlichen Sender und oft auch ohne die erforderliche Sorgfalt bei der Recherche.

Beispiel: Thomas Gottschalk ist unter anderem Werbeikone des Süßwarenherstellers

HARIBO. Plötzlich tauchten in der quotenstärksten Unterhaltungssendung des ZDF, bei

„Wetten, dass ..?“ immer große Schalen gefüllt mit dem bunten Haribo-Konfekt für die prominenten Gäste auf.

Es ist anzunehmen, dass dieses zusätzliche Budget dem ZDF die Honorierung der prominenten Gäste aus Hollywood erleichterte.

Solange es im Unterhaltungsbereich passiert, mag man noch Verständnis dafür haben. Überhaupt keine Nachsicht aber gebührt Redakteuren, die sich mit journalistischen Inhalten bei dubiosen Anbietern bedienen.

„Das Dementi ist in Käseblättern oft der einzige Exklusivbericht.“ Ernst Probst

6 Gekaufte Recherche

Der BILD-Zeitung sagen böse Zungen nach, sie handele nach dem Prinzip: „Nur was du erfindest hast du exklusiv“.

Dieser Gedanke kommt nicht von ungefähr. Die Jagd nach der Sensationsgeschichte ist fest im journalistischen Anspruch verankert. Den Nachrichten-„Hype“ müssen sich die Medien aber mit tausenden anderer Journalisten der Konkurrenz teilen. Die exklusiven Storys werden immer seltener.

Aber gerade diese binden die Leser an ihre Zeitung oder an ihren Sender. Exklusive Geschichten steigern die Auflagen und die Einschaltquoten. Sie sichern also im weitesten Sinne das Überleben des Mediums. Der Druck des Medienwettbewerbs steigt.

Es liegt also nahe, dass sich jeder verantwortliche Redakteur mit solchen Geschichten profilieren will. Aber auch hier lauern große Gefahren.

 
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