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2 Mediengeschichte

Mediengeschichte Printmedien

1 Einführung

Millionenfach und in Sekundenschnelle werden heute Nachrichten verbreitet. Von einem Augenblick auf den anderen ist eine Nachricht nicht mehr neu. Noch nie war die „Halbwertszeit“ von Informationen so gering, noch nie war die Möglichkeit, unmittelbar teilzuhaben am Geschehen in der Welt so groß wie heute. Ausgangspunkt hierfür war die Erfindung von Schriftzeichen rund 3000 vor Christus. Bis dahin konnten Botschaften nur mündlich weitergegeben werden. Um sie zu verstehen, mussten sich die Menschen in Reichweite befinden. Kommunikation war räumlich begrenzt. Mit der Entwicklung der Schrift änderte sich das. Botschaften konnten jetzt verschlüsselt, niedergeschrieben, auf einen Träger gespeichert und über beliebige Distanzen transportiert werden. Die Basis für die Entwicklung der Printmedien, um die es im Folgenden gehen soll, war geschaffen – einfach gesprochen. Entscheidend vorangetrieben wurde diese durch technische Erfindungen im Laufe der Jahrtausende: Die wesentliche technische Entwicklung auf dem Weg zum modernen Printmedium war die Erfindung des Buchdrucks in der Mitte des 15. Jahrhunderts.

Technische Veränderungen brachten immer auch Verhaltensund soziale Veränderungen mit sich. War es anfangs Gelehrten vorbehalten, vorzulesen, und gewöhnliche Menschen hörten ihnen zu, so änderte sich die in dem Maße, indem durch die technische Entwicklung immer mehr Menschen Zugang zu Printmedien erhielten. Das stille Lesen eines jeden Einzelnen wurde alltäglich. So alltäglich, dass die Zeitung im 20. Jahrhundert in vielen Haushalten morgens zum Frühstück dazugehörte wie Butter und Brot.

Da mit den Printmedien Informationen rasch vervielfältigt und vielen Menschen zugänglich gemacht werden konnten, wirkten sie auf den Zeitgeist, erzeugten durch ihre massenhafte Erscheinung Stimmungen, prägten Mentalitäten im Guten wie im Bösen. Sie waren wichtiges meinungsbildendes Mittel während der Reformation, verbreiteten Ideen der Aufklärung und Toleranz, dienten im Kampf um die Meinungsfreiheit für die demokratische Bewegung. Medien, Printmedien machen hier keine Ausnahme, wurden aber auch von Despoten und Diktatoren für Desinformation und Propaganda missbraucht.

Als Printmedien werden die klassischen Informationsquellen, also Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Kataloge, geografische Karten und Pläne, aber auch Postkarten, Kalender, Poster, Flugblätter, Flugschriften und Plakate bezeichnet.

Die Geschichte der Printmedien im engeren Sinne ist mit dem Namen des römischen Konsuls Gaius Iulius Caesar (100 v. Chr. bis 44 v. Chr.) verbunden. Er gab unter dem Namen „Acta diurna“ Tagesberichte heraus. Diese können als Vorform der Zeitung betrachtet werden. Die Tagesberichte erschienen ab 59 v. Chr. bis rund 235 n. Chr. Nachrichtlich wurde über die Verhandlungen in den öffentlichen Körperschaften berichtet. „Acta diurna“ bedeutet auf Lateinisch so viel wie „Verhandeltes“ oder „Erledigtes“. Vervielfältigt wurde die Zeitung durch Abschreiben per Hand, was private Unternehmer übernahmen. Sie fügten bisweilen den amtlichen Nachrichten auch andere aktuelle Informationen hinzu. Diesen schreibenden Unternehmern oblag es gleichfalls, sich um den Versand der Blätter zu kümmern.

Der Begriff Zeitung leitet sich vom frühneuhochdeutschen „zidunge“ und mittelniederdeutschen „tidinge“ ab, beides hat die Bedeutung „Botschaft“ bzw. „Nachricht“. Im Raum Köln tauchte dieser Begriff Anfang des 14. Jahrhunderts auf und wurde für mündliche oder schriftliche Neuigkeiten bis ins 19. Jahrhundert gebraucht. Der Begriff war ursprünglich nicht an ein Medium gebunden. „Er bittet, vorgelassen zu werden, er habʼ Euch eine wichtige Zeitung“, heißt es bei Friedrich Schiller in „Die Räuber“ von 1781. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts erhielt das Wort eine Bedeutungsveränderung. Heute versteht man darunter ein periodisch erscheinendes Druckerzeugnis mit unbedingt aktuellem Inhalt. Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern – das gilt heute mehr denn je. In dieser Journalistenweisheit zeigt sich noch einmal die Doppeldeutigkeit des Wortes Zeitung.

Sprachliche Darstellungsformen in Zeitungen sind heute Meldungen, Berichte, Reportagen, Interviews, Glossen, Kommentare, Leitartikel und Kritiken, erklärende Stichwörter. Zur optischen Gestaltung dienen Fotografien, Grafiken und Karikaturen. Hauptziele der Zeitung sind die Informationsvermittlung, Meinungsbildung und Unterhaltung. Damit haben sie eine wichtige kulturelle, politische und, als Werbeträger, ökonomische Funktion. Vertrieben werden Zeitungen im Einzelverkauf oder im Abonnement. Weltweit werden täglich rund 500 Millionen Tageszeitungsexemplare verbreitet.

 
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